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Militärwohnungen

Suche nach dem Whistleblower

Im Wobi sucht man nach der undichten Stelle, die Salto Informationen zum Verkauf der Militärwohnungen zugespielt hat. Das geht aus einem internen Protokoll hervor.
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Das Timing hätte besser nicht sein können. 
Zum einen sollten die Informationen so nicht an die Öffentlichkeit kommen, zum anderen kam die Enthüllung genau am richtigen Tag.
Am Montagmorgen veröffentlichte salto.bz den Artikel „Spekulation in Uniform“. Es geht dabei um einen äußerst brisanten Deal zwischen dem Wohnbauinstitut und einer Genossenschaft von Militärangehörigen.
Von der Landesregierung eingefädelt, können Mitglieder des Heeres, der Carabinieri und der Finanzwache in Bozen Wohnungen des Wohnbauinstitutes erwerben. Dazu haben die Interessierten eine Genossenschaft gegründet. Durch eine Sonderbestimmung, die man aus den Einvernehmensprotokollen zum Übergang der Militärliegenschaften ans Land gezimmert hat, erhalten die Mitglieder die Wohnungen aber deutlich unter dem Marktpreis. Das besondere Geschenk dabei: Die Übertragung erfolgt ohne Sozialbindung. Das heißt, die Begünstigten können die Wohnungen unmittelbar nach dem Kauf wieder veräußern. Diesmal aber zum Marktpreis.
Dass das ein lukratives Geschäft ist, dafür hat man gesorgt. Denn das Wobi hat der Militärgenossenschaft Wohnungen in der Palermo- und Aostastraße angeboten, die diese aber ausgeschlagen hat. Angenommen wurden jetzt hingegen Wohnungen in der Zancan- und Zarastraße in Quirein. Eine sehr begehrte Wohngegend in der Landeshauptstadt.
 

Das Protokoll

 
Unmittelbar nach Erscheinen des Artikels reagierte die Südtiroler Freiheit. Der Landtagsabgeordnete Sven Knoll spricht von „einer Verschwendung von Steuergeldern“ und kündigte eine Landtagsanfrage an.
Vor allem aber ging am Montag auch eine Sitzung des Wobi-Verwaltungsrates über die Bühne. Auf der Tagesordnung dabei: Die Genehmigung der Rangliste für die Militärgenossenschaft, die diese Wohnungen erwerben soll. 
 
Palfrader, Wilhelm

Wobi-Direktor Wilhelm Palfrader: „Das Institut hat sich nichts vorzuwerfen.“

Nach Informationen von salto.bz sorgte der Artikel dabei für einige Aufregung. Wie üblich ging es dabei weniger um die Sache, als um die Suche nach der undichten Stelle. Und man denkt ernsthaft darüber nach, eine Untersuchung einzuleiten, um den Maulwurf zu finden. 
Wer könnte mit Franceschini gesprochen haben. Es stellt sich die Frage, ob eine Untersuchung durchgeführt werden soll.“
Wobi-Protokoll vom 4. Dezember.
Das geht aus einem internen Protokoll hervor. Im Wobi ist es Usus, dass am Tag nach den Verwaltungsratssitzungen, die Führungskräfte auf einer Sitzung vom Generaldirektor über die behandelten Tagesordnungspunkte und gefassten Beschlüsse informiert werden.
Im Sitzungsprotokoll werden dabei in Kurzform die Inhalte der Besprechung wiedergegeben. In diesem internen Protokoll vom vergangenen Dienstag heißt es unter dem Punkt „alloggi militari“:
 
Der Verwaltungsrat hat gestern die Liste der Namen genehmigt. Auf salto.bz ist gestern ein Artikel erschienen. Palfrader (gemeint ist Wobi-Generaldirektor Wilhelm Palfrader) erkundigt sich, wer könnte mit Franceschini gesprochen haben. Es stellt sich die Frage ob eine Untersuchung durchgeführt werden soll. Die Listen sind zum Militär und zum Land gegangen. Der Kreis der Wissenden ist bereits sehr groß. Das Institut hat sich nichts vorzuwerfen, da alles transparent abgelaufen ist.“
 
Die Verantwortung wird damit klar in Richtung Politik und Landesregierung verschoben.
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