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Athesia: Zwei neue italienische Tageszeitungen im Ebner-Verlag.
Alto Adige

Antifaschistische Bruderschaft

Die Athesia AG hat die Mehrheit in der Betreibergesellschaft des Alto Adige übernommen. Michl Ebner & Co versuchen jetzt zu beruhigen.
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Das Redaktionskomitte des Alto Adige saß in Rom am Mittwoch Nachmittag noch in der Aussprache mit der Geschäftsführerin der Finegil Editoriale SPA, Monica Mondardini, da ließ die Gesellschaft der Zeitungsgruppe „L´Espresso-Repubblica“, die rund ein Dutzende Regionalzeitungen verwaltet, bereits eine Pressemitteilung heraus.
Der Wortlaut: Finegil hat 71 Prozent der Anteile an der SETA SPA an die Athesia GmbH verkauft.
Damit ist das, was Athesia-Direktor Michl Ebner noch einen Tag zuvor in RAI-Südtirol als Spekulation abgetan hat, Wirklichkeit geworden. Die Athesia hat Südtirols Traditionsblatt Alto Adige übernommen.

Der Alto Adige

Der „Alto Adige“ wurde 1945 vom Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) in Bozen gegründet und erschien erstmals am 24. Mai 1945. Ab 1946 wurde die Zeitung auch im Trentino vertrieben, seit 1994 erscheint der „Alto Adige“ auch in der Provinz Belluno.
Im Dezember 1945 wurde auch die Druckereigenossenschaft SETA – Società editrice tipografica atesina SPA gegründet, in deren Besitz sich die Zeitung bis heute befindet. Jahrzehntelang fuhr die Tageszeitung eine deutliche nationalistische Linie. Umso erstaunlicher war es, dass nach mehreren Eigentümerwechseln in den Achtzigerjahren die Gruppe „L´Espresso-Repubblica“ als Hauptaktionärin in die SETA einstieg.
Heute hält der Gruppo Finegil Editoriale SPA 71 Prozent an der SETA SPA. 16 Prozent hält das „Istituto Atesino di Sviluppo Spa“ (ISA), das Finanzierungsinstitut der Trentiner Kurie, elf Prozent die „Generalbau Spa“ des Bozner Bauunternehmers Pietro Tosolini. Die letzten zwei Prozent des „Alto Adige“ gehören zu gleichen Teilen Giovanna Menaguzzer und den beiden Geschwistern Cristina und Alessandro Gentilini.
Seit längerem hegt die Finegil konkrete Pläne, die Alto-Adige-Beteiligung abzustossen. Seit rund fünf Jahren fährt der Konzern auch in Bozen eine harten Sanierungskurs. Im September 2011 wurde der „Corriere delle Alpi“, die Belluneser Ausgabe des „Alto Adige“ abgegeben, fast alle Lokalredaktionen in Südtirol wurden geschlossen und der Mitarbeiterstab auf ein Viertel der Blütezeit gesenkt. Nach Verlusten, schreibt die SETA inzwischen wieder schwarze Zahlen. „Man hat die Zeitung für den Verkauf herausgeputzt“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter.

Der Verkauf

Weil die Gruppe „L´Espresso-Repubblica“ mit der Itedi SPA fusioniert, die die Zeitungen „La Stampa“ und „Il Secolo XIX“ herausgibt, muss sie das Portefeuille der Regionalzeitungen bereinigt werden. So hat die Finegil in den vergangenen Monate mit “Il Centro” (Pescara) und “La Città di Salerno” gleich zwei ihrer Tageszeitungen verkauft. Gegen diesen überraschenden Schritt haben die Redakteure der Finegil-Gruppe vergangenen Woche gestreikt. Auch der Alto Adige ist einen Tag lang deshalb nicht erschienen. Bereits vor Wochen hat Finegil-Geschäftsführerin Monica Mondardini dann auch den bevorstehenden Verkauf der „La Nuova Sardegna“, Sowie sowie zweier Zeitungen im Trentino-Südtirol angekündigt.. Gemeint waren der Bozner „Alto Adige“ und sein Trentiner Ableger „Trentino“.
Der Verkaufsvertrag wurde vor zwei Tagen unterzeichnet. Die Athesia AG hat damit jene 71 Prozent in der SETA SPA übernommen, die der Finegil gehört haben. Michl Ebner hat damit in seinen Medienkonzern den „Alto Adige“ und den „Trentino“ einverleibt. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. "Das ist eine vertrauliche Angelegenheit", erklärte Monica Mondardini bei der Aussprache am Mittwoch. Nach Informationen von salto.bz hat die Athesia für die Übernahme zwischen 7 und 8 Millionen Euro hingeblättert. 
Wirksam wird der Vertrag mit 1. November. Wobei die Finegil einen graduellen Übergang zugesichert hat. So wird die Espresso-Gruppe auch weiterhin dem Alto Adige die nationale und internationale Berichterstattung liefern. Ebenso wird die Bozner Tageszeitung noch in Mantua gedruckt werden. Erst wenn Athesia bereit ist, soll dann der Übergang erfolgen. Sicher ist, dass die "Athesia Druck AG" mit dem Druck des Alto Adige und des Trentino endlich ihre neuen Rotantionsmaschine auslasten kann. Trotzdem wird der Druck von zwei Tageszeitungen auch im Druckhaus am Weinberg eine nachhaltige Umstellung erforderlich machen.

Athesia auf Italienisch

In einer eigenen Pressemitteilung – es dürfte eine der wenigen italienischen Verlautbarungen in der Geschichte der Athesia sein – bemüht sich der Ebner-Verlag, die kritische Öffentlichkeit zu beruhigen:

„L’Athesia Spa ha acquistato il 71% della S.E.T.A. Spa, casa editrice dei quotidiani “Alto Adige” e “Trentino”. Gli accordi con la Finegil Editoriale Spa sono stati sottoscritti e gli organi delle due parti hanno dato il loro assenso.
I quotidiani “Dolomiten” e “Alto Adige” editi da Athesia e dalla S.E.T.A. sono nati dalla resistenza nazi-fascista nel mese di maggio e giugno dell’anno 1945 dopo la Seconda Guerra Mondiale con licenza degli Alleati e hanno quindi radici communi.
L’ Athesia si rallegra che i giornali “Alto Adige” e “Trentino”, che vantano una lunga tradizione, sono per il 71% diventati parte del gruppo Athesia.

Athesia-Aussendung: Garantie, dass es so weiter geht wie bisher.

L’Athesia rispetta l’orientamento positivo dell”Alto Adige” e del “Trentino” per quanto riguarda l’autonomia e si augura che questa linea editoriale continui anche in futuro.
L’Athesia si adopererà affinché gli organi decisionali della S.E.T.A. garantiscano la continuità con la linea del recente passato, assicurando stabilità all’impresa ed ai due quotidiani.
L’Athesia pubblica da molti anni un numero rilevante di libri e periodici in lingua italiana. Oltre alle tradizionali attività in Alto Adige e nel Tirolo il gruppo Athesia gestisce attività e filiali a Trento, Milano, Trieste, Catania, nonché varie attività nel Veneto, in Emilia Romagna ed in Puglia.“

Unterschrieben ist diese Aussendung selbstredend nicht. Denn historisch haben sich die Dolomiten und der Alto Adige jahrzehntelang bekriegt. In den letzten Jahren ist es zu einer Aussöhnung gekommen. Und es gibt seit einiger Zeit eine konkrete Zusammenarbeit, etwa bei den Fotografen.
Dass man jetzt aber auch die gemeinsamen antifaschistischen Wurzeln entdeckt und bemüht, ist wirklich ein Novum.
Pecunia non olet. Eben.

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Kommentare

Bild des Benutzers Mensch Ärgerdichnicht
Mal ehrlich: wer hätte denn sonst den Alto Adige gekauft? So sind mindestens ein Paar Arbeitsplätze erhalten geblieben...
+1-11
Bild des Benutzers Sigmund Kripp
Ja, ja, auch die Prawda hat viele Arbeitsplätze geschaffen + erhalten...
+1-11
Bild des Benutzers Sigmund Kripp
ach wie herrlich, dass es Internet gibt! Was müsste da der Herr Ebner alles kaufen!
Bild des Benutzers Martin Daniel
Die Liste wird abgearbeitet: südtirol news, sportnews, kultur.bz.it...
Bild des Benutzers Albert Hofer
Wird sehr interessant zu sehen, ob und wie die neuen Eigentümer die politische Ausrichtung auf Kurs bringen. Ich les den Alto Adige nun doch seit ein paar Jahren und ich muss zugeben, dass ich ihn für eine erbärmlichere Gazette als die Dolomiten halte... Natürlich hat auch der Weingbergweg viele Schwächen, aber die Dolomiten hat wenigstens irgendwann nach dem Jahr 2000 ihren erzteutschen Rampold-Tonfall aufgegeben, das italonationalistische Geplärre des einstigen Gegners (allem "convivenza"-Geflöte der Leitartikelschreiber zum Trotz) ist hingegen leider immer noch nicht verschwunden. Mein persönliches Highlight des letzten Jahrs war ein erzürnter Bericht darüber, dass irgendein Sanierungsunternehmen das Florian-Kirchl in Laag im Zuge von Baumaßnahmen mit schwarz-rot-goldenen Planen eingepackt hat, was natürlich bei "italienischem" Kulturgut ein Affront sondergleichen sei... Und all diese wohlwollenden Urzì-Artikel, die xenophobe Skandalchronik, die ethnische Aufrechnerei bei jedem Pöstchen, das permanente Toponomastik-Gezündel, ohje... Wäre der Alto Adige morgen verschwunden, ich würd ihn nicht vermissen.
Bild des Benutzers Wilfried Meraner
Sagen wir mal so: (im übertragenen Sinn) selbst eine schlechte Opposition- wenn sie denn schlechter ist? ist besser als gar keine. Das -fast- Monopol wächst und gedeiht. Wichtigste "Opposition"? Vermutlich Salto!
Bild des Benutzers Albert Hofer
Neue Südtiroler Tageszeitung, Corriere dell'Alto Adige, ff, Südtiroler Wirtschaftszeitung, La Usc di Ladins, dazu Rai Südtirol (das sich übrigens auch mal eine Nachrichten-Website à la ORF leisten könnte), salto, unsertirol24... Die potentielle Meinungsvielfalt im Medienbereich ist in Südtirol bezogen auf die Einwohnerzahl eigentlich kaum schlagbar. Natürlich sind die Dolomiten und der Alto Adige die Schwergewichter, aber ihr Meinungsmachemonopol haben sie schon lange verloren. Wer sich für diverse Sichtweisen interessiert, findet sie auch.
Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Täuscht es mich, aber seit sich der Alto Adige vo Corriere delle Alpi getrennt hat, entsteht mit Dolomiten-Alto Adige-Trentino der erste überegionale Zeitungsverlag. Auch bezeichnent für ein Land.
Bild des Benutzers Albert Hofer
Hm, versteh ich jetzt nicht. Wieso ist Dolomiten-Alto Adige-Trentino "überregional" und die seit 1946 bestehende Kombination Alto Adige-Trentino hingegen nicht? Wobei der Trentino anscheinend sowieso bald den Weg alles Irdischen einschlagen wird. Wie man so liest und hört, soll die Athesia ja auch am Trentiner Platzhirsch Adige interessiert sein.
Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Wo Du Recht hast, hast Du Recht
+1-11
Bild des Benutzers veronika dapra
Ein tendenziöses Käseblatt kauft das andere tendenziöse Käseblatt. Fehlt nur noch, dass das Oberkäseblatt, Die Tagesezeitung, aufgekauft wird. Obwohl Käseblatt ist hier schon fast ein Kompliment. Aber Bob Dylon hat den Nobelpreis gewonnen!
Bild des Benutzers veronika dapra
äh ... bekommen!
Bild des Benutzers Mensch Ärgerdichnicht
Der Herr heißt Dylan. Ich halte die TZ für kein Käseblatt, ist immer wieder unterhaltsam zu lesen. Dolomiten mag tendenziös sein aber meist nur passiv in dem sie von manchen Sachen nicht berichtet, beim Alto Adige wird es genau so sein, aber welche Zeitung ist denn nicht tendenziös?
Bild des Benutzers Martin B.
In der Altergruppe U40 kenne ich eigentlich niemanden der eines dieser Käseblätter abonniert hat (auch nicht "nur-online"). Selbst in der U60 Altergruppe kenne ich einige welche vom Komplett-Abo zu Freitagsabo (wegen der TV-Beilage) gewechselt haben. Und ich denke nicht, das sich hier viel zum Bessern für die Verlage ändern wird. Alle klassischen Medien (Print, TV, Radio) verlieren Publikum. Auch die Werbekunden und die ganze PR-Text-Reindrücken-Branche werden das irgendwann merken. Also hier sehe ich nicht die bedrohliche Meinungsmonopol-Macht. Selbst STOL etc. locken die Jungen wohl nur wegen der Adabei-Sachen (Fotogalerien, Lokalberichte) und nicht zum Lesen der politischen Inhalte. Meine Sorgen sind nicht sehr groß, sollen die Gebr. Ebner ruhig in diese absteigenden Medien investieren.
+1-11
Bild des Benutzers Martin B.
P.S.: interessanter wäre ein paar Kommentare von Italienern zu lesen und ob es Pläne gibt den A.A. in "Dolomiti" (Corriere dei Sudtirolesi) umzubenennen ;-)
Bild des Benutzers Sigmund Kripp
vielleicht wird der Alto-Adige das "Blatt für unsere italienischen Leser"... :-)
Bild des Benutzers Sigmund Kripp
Rein betriebswirtschaftlich handelt Ebner richtig. Gewinnmaximierung bis zum Letzten. Dass diese Medienkonzentration aber nicht durch Anti-Monopolgesetze verhindert wird, wirft ein bezeichnendes Licht auf das post-berlusconische Italien, in dem sich die Athesiamanager sichtlich wohl fühlen!!! Für mich ist der Skandal aber, dass der Handelskammerrat nicht die "Palle" hat, den Herrn Dr. Michel Ebner ENDLICH als Präsident abzuwählen! Diese Ämter- und Medienhäufung in einer Person ist einer demokratischen Gesellschaft unwürdig! Und die Handelskammer ist eine öffentliche - also den Gesetzen der Demokratie unterworfene - Institution mit Zwangsmitgliedern und Zwangsbeiträgen von Ebendiesen. Oder sitzen im Rat der HK wirklich nur obrigkeitshörige Weicheier?
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