Catania
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Sizilianische Pleite

Italiens erste bankrotte Großstadt

Catania muss als erste Großstadt Italiens die Pleite erklären. Sizilien hat Schulden von 8,5 Milliarden Euro angehäuft. Der Fehlbetrag im Haushalt beträgt 5,9 Milliarden.
Kolumne von
Bild des Benutzers Gerhard Mumelter
Gerhard Mumelter15.12.2018
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Catania ist die erste bankrotte Grosstadt Italiens. Die mit 320.000 Einwohnern zweitgrösste Stadt Siziliens am Fusse des Ätna hat am Mittwoch offiziell ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. 27 der 39 Gemeinderäte stimmten für die Übertragung aller Amtsgewalten an zwei kommissarische Verwalter, die nun versuchen sollen, den Schuldenberg von 1,6 Milliarden Euro abzubauen.
 
Trotz zahlreicher Warnungen hatte die Gemeinde keine wirksamen Massnahmen ergriffen, um das finanzielle Debakel abzuwenden. Der erst vor wenigen Monaten gewählte Forza Italia-Bürgermeister Salvo Pogliese: "Abbiamo provato in ogni modo ad evitare il dissesto, ma la decisione dei giudici contabili non lasciava spazio a interpretazioni diverse." Bis vor wenigen Monaten wurde die Stadt vom ehemaligen Innenminister Enzo Bianco regiert, der seine Ferien seit Jahrzehnten in Bruneck verbringt. Drei Urteile des sizilianischen Rechnungshofs hatten für politische Lösungen keinen Spielraum mehr gelassen. Auch Palermo und Messina haben gigantische Schuldenmengen angehäuft. In Messina, wo der Schuldenberg auf rund 600 Millionen Euro geschätzt wird, ist der Bürgermeister zurückgetreten.
 
Für Catania will die Region Sizilien nun acht Millionen Euro zur Bezahlung der noch ausständigen Gehälter bereitstellen. Die Region schwimmt freilich nicht im Geld. Präsident Musumeci:
"Abbiamo un debito di 8,35 miliardi e un disavanzo di 5.9 miliardi. Solo gli interessi ci costano 360 milioni all'anno".
Doch Schulden haben den sizilianischen Verwaltern noch nie übermässige Sorgen bereitet. 28 Gemeinden der Insel haben bereits Konkurs angemeldet, allesamt haben allerdings weniger als 15.000 Einwohner. Der amministratore unico della riscossione Sicilia, Antonio Fiumefreddo, schätzt die Steuerhinterziehung der letzten zehn Jahre auf 52 Milliarden Euro. Ein Schreiben von Präsident Musumeci an die Bürgermeister der 390 Gemeinden, die Zahl der illegalen Bauten zu beziffern, wurde nur von knapp 10 Prozent beantwortet. Unter denen, die das Schreiben ignorierten, befand sich auch die Gemeinde Casteldaccia bei Palermo, wo letzthin bei der Überschwemmung eines illegal im Flussbett errichteten Hauses 9 Menschen ums Leben kamen.
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Kommentare

Bild des Benutzers pérvasion
pérvasion 15.12.2018, 11:31

»Die mit 320.000 Einwohnern zweitgrösste Stadt Italiens«?

Bild des Benutzers Mensch Ärgerdichnicht
Mensch Ärgerdichnicht 15.12.2018, 12:33

"Die Region schwimmt freilich nicht im Geld."
Und wie sie das tut, sie wurde in den letzten Jahrzehnten regelrecht mit Geldern gemästet.

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