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#alsodann

Styx. Genau so ist es

Die Kolumne geht heute ins Kino. Weil sie muss. Weil ich muss.
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Diesmal werde ich privat, schreibe nicht über Riesenräder und Christkindlmärkte, BlackFridays und Koalitionen, Kinderhorte und Gewalt an Frauen, obwohl alles miteinander und mit meinem Thema zu tun hätte. Heute muss ich über einen Film schreiben, weil ich als Freiwillige mit Geflüchteten arbeite. 
„Styx“ von Wolfgang Fischer trägt den Namen jenes Flusses, über welchen Charon einst die Toten in die Unterwelt ruderte, wenn sie den Obolus bezahlt hatten - auch die Antike hatte ihre Schlepper. In „Styx“ ist Notärztin Rike im Segel-Solo nach Ascension Island unterwegs. Bewundernswert gut kommt sie mit Einsamkeit, Unwetter und sich selbst zurecht. Dann trifft sie auf ein havariertes Fischerboot, von dem Menschen um ihr Leben betteln.
Vergnügungskino ist das keines. Dafür aber großes Kino. Und notwendig.
Und plötzlich brechen für Rike alle Gewissheiten weg. Im Kino wird es ganz ohne Spezialeffekte richtig spannend. Viel Meer, viele Fragen und Dilemmata. Umdrehen und in den „wohlverdienten“ Urlaub weitersegeln oder hinschauen und da sein, wenn es um Leben und Tod geht?
Wer verstehen möchte, wie sich ernst zu nehmende Arbeit mit Geflüchteten anfühlt, gehe zu „Styx“. Selten habe ich einen Film gesehen, der ohne rhetorische Ausritte so präzise und schlicht auf den Punkt bringt, was Sache ist. Vergnügungskino ist das keines. Dafür aber großes Kino. Und notwendig.
„Genau so ist es“, murmle ich vor mich hin, als ich nach dem Kino zum heimatlichen Diwan eile. Aber „Styx“ lässt mir keine Ruhe.
Zu sehen nur noch am 1. und 2. Dezember in Kaltern.
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Thema

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Kommentare

Bild des Benutzers Oliver H.

Ich erlaube mir ein bis zwei Überlegungen:

Gerne wird das Bild der armen, ertrinkenden Menschen im Mittelmeer gezeichnet. Ich denke fast alle Menschen stimmen darin überein, dass man einen Menschen nicht ertrinken lässt, sondern Hilfe leistet.

Worin sich die Geister jedoch scheiden, ist die Frage wie es danach weitergeht. Muss man jemanden, der von der afrikanischen Küste startet und irgendwo im Mittelmeer in Seenot gerät dann nach automatisch nach Europa bringen? Das ist die Frage, um die es eigentlich geht. Doch gerne wird die Debatte darüber verkürzt und den Kritikern einer ungezügelten Einwanderung wird vorgeworfen, den Tod von Menschen im Mittelmeer in Kauf zu nehmen oder gar zu fördern. Solche Vorwürfe sind falsch und unredlich, weil sie die politische Debatte zerstören die Gesellschaft vergiften.

Ich habe den Film nicht gesehen, würde ihn mir aber gerne anschauen. Ich hoffe der Film verkürzt die Geschichte nicht so, wie ich es oben skizziert habe. Das wäre bedauerlich.

+1-11
Bild des Benutzers Robert Tam...

So wie Oliver habe auch ich den Film noch nicht gesehen. Aber hier ein wichtiger Gedankenanstoß für unsere Renate:

Am 18. Oktober 2013 begann die Operation "Mare Nostrum", am 31. Oktober 2014 wurde sie von der "Operation Triton" abgelöst. Nach Beginn dieser Seerettungsoperationen explodierten die Ertrunkenenzahlen im Mittelmeer: 700-900 im Jahr 2013, über 3400 im Jahr 2014, fast 3800 im Jahr 2015, über 5000 im Jahr 2016.
Die Rettungsoperationen wurden zwar von hehren Prinzipien geleitet, schafften aber in der Realität ungewollt einen Anreiz, mit hochseeuntauglichen Schlauchbooten draufloszufahren, was tödliche Konsequenzen hatte.

Darüber könnte und sollte Renate Mumelter mal kräftig nachdenken, während sie am Abend vor sich hinmurmelnd zu ihrem heimatlichen Diwan eilt.

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