Politik | Dialekt

Mein Schnabel

Hannes Rabensteiner scheint Schwierigkeiten im Ausdruck zu haben. Dennoch will er im Landtag gehört werden. Deutschkurse (für Einheimische) gibt es.
Hannes Rabensteiner Villanders
Foto: Süd-Tiroler Freiheit
  • „Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und ich bleibe, wie ich bin“, lauten die Untertitel zum digital und dialektal erstellten Einleitungssatz des Landtagsabgeordneten Hannes Rabensteiner für sein Reel, das er am Tag der Muttersprache, am 21. Februar 2026, online stellt. Einen Tag nach dem Todestag von Andreas Hofer: Wiederbelebung urtirolerischer Umgangssprache – auf höchster Ebene.

    Rabensteiner belegt seine vermeintliche linguistische Expertise mit den Aussagen: „Weil der Dialekt ist unsere Muttersprache“ und „Wir sprechen unseren Tiroler Dialekt, und genau das macht uns aus.“ Im ruralen Blabla-Ton floskelt der Abgeordnete aus dem Eisacktal, als müsste er etwas verteidigen, das er nicht gut kann: Reden. 

    Rabensteiner versteckt sich lieber hinter lokal-talibanischen Allgemeinplätzen, und vielleicht ist das auch der Grund, weshalb er von den Landtagskollegen Bianchi, Scarafoni oder Galateo angegangen wird. Die rechten Recken wären dabei vielleicht sogar die Einzigen, die Rabensteiner – seine Wortmeldungen sind auch inhaltlich grenzwertig – tatsächlich ein Ohr schenken würden. Nur leider verstehen sie ihren rechten Gesinnungskollegen nicht. Purtroppo.
     

    Oder aber man will eben gar nicht gehört werden, weil man tatsächlich weniger zu sagen hat, als man selbst glaubt.

  • Wenn ich andere nicht verstehe ...: ... sollen sie mich auch nicht verstehen. Foto: Lars Klauser

    Macht das Rabensteiner mit Kalkül? Zuzutrauen wäre es ihm. Er spricht in aller Öffentlichkeit im tiefsten Villanderer Dialekt, weil er womöglich überhaupt nicht verstanden werden möchte, da er ja eigentlich – und da sind wir wieder bei Scarafoni, Galateo und Bianchi – gar nichts Wichtiges zu sagen hat. 

    Wenn Jannik Sinner oder Dominik Paris auf internationaler Ebene gerne Interviews in ihrer Sextner oder Ultner Mundart geben, hat das eher etwas Extraterrestrisches, als kämen die erfolgreichen Leistungssportler tatsächlich von einem anderen Stern und nicht aus dem Südtiroler Hinterland. Professionell ist es nicht. Sprachlich sind beide Amateure. Halbwegs gerade Sätze in der Hochsprache vor anderen zu sagen, ist natürlich nicht jedermanns Sache. Besonders bei Sportlerinnen und Sportlern drückt man da gerne ein Auge zu. Aber bei einem Politiker wie Rabensteiner?

  • Wie der Schnabel, so die Sprache.: Hausgemachte Verständnisprobleme, eingemachte Haltung. Foto: SALTO

    Wer im „Hohen Haus“ Südtirols seine Forderungen unter die Leute bringen und im besten Fall auch politisch weiterbringen will, der oder die sollte sich doch bemühen, einigermaßen verständlich zu sprechen. Was spricht dagegen? In einem zweiten Moment ist natürlich am Inhalt zu feilen, denn der sture Lokalpatriotismus Rabensteiners und der Nationalismus Galateos, Bianchis und Scarafonis sind deckungsgleicher, als sie selbst vielleicht glauben. Wie gut würden sie sich doch verstehen, wenn sie sich (wenn auch aus Versehen) richtig gut „verstehen“ würden. Du verstehen, Rabensteiner?

    Am gestrigen 1. April legt Rabensteiner in der Debatte nach und verbreitet über seine Partei die frohe Oster-Botschaft „Wer uns den Dialekt verbieten will, will uns unsere Wurzeln nehmen!“ Ein Aprilscherz? Zum Weinen lächerlich?

    Den „Dialekt bewahren“ tut man nicht, wenn man sich aus Prinzip und ohne Kompromiss fundamentalistisch isoliert ausdrückt – außer man möchte genau das, wie es wohl Rabensteiners Credo zu sein scheint. So kann man sich auch weiterhin hinter platten Argumenten verstecken und den Anschein erwecken, dass die anderen, die einen nicht verstehen, Feinde sind, die es zu bekämpfen gilt. 

    Oder aber man will eben gar nicht gehört werden, weil man tatsächlich weniger zu sagen hat, als man selbst glaubt.