Umwelt | Skitourismus

„Problem wird in die Zukunft verschoben“

Mehr Wasserspeicher für die Schneeproduktion: Im Gemeinderat von Bruneck hat die SVP ein großes Becken am Kronplatz genehmigt, die Opposition war geschlossen dagegen.
Skigebiet Kronplatz
Foto: Seehauserfoto
  • Gestern Abend hat der Gemeinderat in Bruneck den Bau eines großen Speicherbeckens am Kronplatz mit den Stimmen von SVP und dem italienischen Koalitionspartner  Il Polo - Civica per Brunico genehmigt. Das umstrittene Projekt ging mit 14 Ja-Stimmen, einer Enthaltung und neun Nein-Stimmen von Grünen, Team K und Süd-Tiroler Freiheit durch.

    „Der enorme Eingriff in das Ökosystem ist nicht gerechtfertigt. Der Kronplatz ist bereits für seine perfekte Schneepräparierung bekannt. Es funktioniert heute optimal, wie die jüngsten Gewinnzahlen zeigen. Ein Speicherbecken mehr oder weniger macht hier keinen Unterschied“, erklärt Elisabeth Mair von den Grünen im Gemeinderat.

     

    „Mit immer größeren Speicherbecken ist es nicht getan, denn das Wasser dafür muss aus dem Tal hochgepumpt werden.“

     

    Bürgermeister Bruno Wolf (SVP) war als Präsident der Eigenverwaltung Reischach befangen und verließ bei der Abstimmung den Saal, trotzdem weist er die Kritik im Gespräch mit SALTO zurück. „Der Bau dieses Speicherbeckens ist mit mehreren positiven Aspekten verbunden. Ein Becken wird schließlich nicht aus Lust und Laune errichtet.“ Zu den positiven Aspekten würde nicht nur die Stärkung des Tourismus und des Wirtschaftsstandortes im Pustertal zählen. Denn der neue Stausee im wenig bewaldeten Gebiet würde bei Starkregen als Rückhaltebecken dienen und so vor Murenabgängen schützen. Zudem könne er bei Trockenheit für die Bewässerung in der Landwirtschaft oder bei Waldbränden für Löschzwecke verwendet werden. 

  • Warnung der Umweltverbände

    Neben dem Umweltring Pustertal, dem Heimatpflegeverband und dem Alpenverein Südtirol (AVS) kritisiert auch das Bündnis Climate Action das Bauprojekt. „Wir sehen den allgemeinen Trend kritisch, dass aktuell mehr Wasserbecken geplant werden, welche nicht als gesamtgesellschaftliche Anpassungsmaßnahme für den Klimawandel gedacht sind, sondern in erster Linie eindeutig Privatinteressen dienen, so wie die Beschneiung eines Skigebiets“, erklärt Ruth Heidingsfelder von Climate Action. 

  • Speicherbecken Hirschlacke: Mit diesem Speicherbecken verfügt der Kronplatz über etwa 49.000 Kubikmeter an Speichervolumen. Zudem sind bei den jeweiligen Pumpstation kleinere Becken vorhanden. Foto: Seehauserfoto
  • Die nördlich gelegenen Flächen am Kronplatz seien im Vergleich zu anderen Skigebieten wie am Gitschberg, an der Plose oder in Livigno schneesicherer, auch wenn technische Schneeerzeugung notwendig ist.  „Wir müssen uns den Veränderungen stellen, die auf uns zukommen und das Problem nicht einfach in die Zukunft verschieben. Mit immer größeren Speicherbecken ist es nicht getan, denn das Wasser dafür muss aus dem Tal hochgepumpt werden. Wir reden hier von enormen Wassermengen, die den Flüssen entnommen werden. Wasser ist aber Gemeingut. Die Frage ist daher, ob einige wenige, die daran sehr gut verdienen, darüber frei entscheiden dürfen oder ob es nicht einer gesellschaftlichen Diskussion darüber bedarf, wie viel und wofür wir es verwenden wollen“, erklärt Heidingsfelder. 

    Die Kronplatz Seilbahn GmbH verfügt derzeit laut Umweltverträglichkeitsstudie über zwei Wasserkonzessionen zur Entnahme von Wasser aus der Rienz, einmal beim Staudamm Olang und einmal direkt aus der Rienz in Stegen. Das ermögliche „eine relativ hohe Wasserentnahme, welche zusammen mit dem Speichervolumen der Hirschlacke derzeit zur Grundbeschneiung“ ausreicht.

  • Das Projekt

    Das neue Becken mit rund 125.000 Kubikmetern soll auf einer als Wald ausgewiesenen Fläche von 3,9 Hektar nahe der Skipiste Ried und somit direkt an der Zubringerleitung für die technische Schneeproduktion gebaut werden. In der 2024 eingereichten Umweltverträglichkeitsstudie erklärt die Kronplatz Seilbahn GmbH, dass ein zusätzliches Speichervolumen direkt am Berg die hohe Wasserentnahme aus Fließgewässern in der Wintersaison reduzieren oder kompensieren soll. 

    Zudem will das Unternehmen zwei Prozent des Projektbudgets in Ausgleichsmaßnahmen investieren. Die Kosten für das Speicherbecken wurden im Jahr 2024 auf 2,75 Millionen Euro geschätzt. 55.000 Euro davon sollen in die Renaturierung des Auwaldes in der Antholzer Gemeindefraktion Niederrasen, in das Borkenkäfer- und Waldmonitoring, die Wiederbewaldungsmaßnahmen am Kronplatz, die Aufwertung des Lebensraums von Birkwild und Schneehuhn und in den Umweltfonds des Skigebiets fließen.