Gesellschaft | Berichterstattung

Domenico im Herzen

Neben Honig-Croissants und der Tragik des italienischen Fußballs ging es bei „Report“ im gestrigen Abendprogramm der Rai auch um das Spenderherz für Domenico aus Bozen.
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Foto: Screen Report (Rai)
  • Mit einer ausführlichen Berichterstattung mit dem Titel „Domenico nel cuore“ in der gestrigen Ausgabe des Rai-Magazins Report verabschiedete sich die Sendung von Sigfrido Ranucci in die Sommerpause. Neben anderen TV-Reportagen wurde ausführlich über einen Fall berichtet, der sich in den vergangenen Wintermonaten – zwischen dem 23. Dezember 2025 und Mitte Februar 2026 – zu einem großen Skandal entwickelte und in dem auch das Krankenhaus Bozen eine Rolle spielte.
     

    Eine Kette schwerer Fehler...

  • Von Bozen nach Neapel: Die Untersuchung rekonstruiert Fehler, Versäumnisse und Verantwortlichkeiten und beleuchtet Details, die bislang im Dunkeln geblieben sind. Foto: Screen Report (Rai)
  • Erzählt und investigativ recherchiert wird die Geschichte des kleinen Domenico Caliendo, des zweieinhalbjährigen Jungen, der nach der Transplantation eines eingefrorenen Herzens verstarb. Neue und wichtige Details werden beleuchtet, die bislang im Dunkeln geblieben waren. Report zeichnet dabei nicht nur das Bild einer möglichen Kette schwerer Fehler nach, sondern zeigt auch widersprüchliche Aussagen, lückenhafte Dokumentationen und den Vorwurf einer nachträglichen Vertuschung auf. Die Familie von Domenico ist jedenfalls überzeugt, dass ihr Sohn nicht nur durch den Transplantationsfehler, sondern auch durch die spätere Behandlung und das Ausbleiben alternativer Therapien ums Leben kam. 
     

    ...wichtige Untersuchungen wurden erst eingeleitet, nachdem Journalistinnen und Journalisten begonnen hatten, Nachforschungen anzustellen...


    Das im Dezember 2025 als geeignetes Spenderherz identifizierte Organ aus Bozen wurde nach Neapel gebracht. Aber wie? Es soll dabei zu schwerwiegenden Fehlern beim Transport gekommen sein. Die zuständige Ärztin weist die Vorwürfe zwar zurück und stellt sich selbst ein gutes Zeugnis aus, andere Zeugen schildern jedoch ein völlig anderes Bild.

  • Was geschah in Bozen?: Aussage gegen Aussage: „Die in Bozen gemachten Aussagen sind völlig falsch.“ Foto: Screen Report (Rai)
  • Besonders umstritten ist die Frage, wann genau das Spenderherz im Operationssaal eintraf und wann das kranke Herz des Kindes entfernt wurde. Die Familie sowie verschiedene Dokumente legen nahe, dass bei Domenico bereits die Herz-Lungen-Maschine aktiviert und die Entfernung des eigenen Herzens eingeleitet worden war, bevor das Spenderorgan vollständig kontrolliert wurde. In manchen Dokumenten wird angegeben, dass das Spenderherz vor Beginn der Explantation überprüft worden sei. Andere Unterlagen und Videoaufnahmen deuten hingegen darauf hin, dass der Transportbehälter erst geöffnet wurde, als die Operation bereits lief. Der Vater Domenicos argumentiert, dass sein Sohn möglicherweise überlebt hätte, wenn die Chirurgen das kranke Herz nicht entfernt hätten, bevor sie die Funktionsfähigkeit des Spenderherzens zweifelsfrei bestätigt hatten.

  • Wer lügt?: Rede und Antwort der verantwortlichen Ärztin: „Eine Lüge ... ich hatte alles mitgebracht, was nötig war.“ Foto: Screen Report (Rai)
  • Es geht auch darum, dass Fehler vertuscht wurden. So stand laut Report ein modernes Transportsystem zur Verfügung, das die Temperatur von Spenderorganen während des Transports kontinuierlich überwacht. Eingesetzt wurde es jedoch nicht. Als Grund wird angeführt, dass die verantwortliche Ärztin keine spezielle Schulung für dessen Verwendung absolviert hatte. Auch über die Zeit nach dem gescheiterten Eingriff wird in Report berichtet. Denn obwohl die Transplantation missglückte, blieb Domenico rund zwei Monate auf der Intensivstation und wurde mittels einer Herz-Lungen-Unterstützungsmaschine am Leben gehalten.

    Der Journalist Giuseppe Crimaldi – Autor des vor Kurzem erschienenen Buches „Domenico. Operazione verità“ – berichtet in einem zusätzlich eingebauten Gespräch, dass die Krankenhausleitung bereits Ende Januar von den Problemen wusste. Die Eltern hingegen erfuhren erst Anfang Februar durch Medienberichte von den Details des Vorfalls. Auffällig sei laut Crimaldi und Report außerdem, dass wichtige Untersuchungen erst eingeleitet wurden, nachdem Journalistinnen und Journalisten begonnen hatten, Nachforschungen anzustellen. 

  • TV-Reportage

    Hier der Beitrag von Claudia Di Pasquale (Collaborazione di Giulia Sabella, Immagini di Antonio Castoro, Dario D’India, Dario Parlapiano e Andrea Lilli, Montaggio di Andrea Masella e Leonardo Bianchi, Grafiche di Giorgio Vallati)
    Domenico nel cuore