Düsseldorf in Mailand
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„Dal 1982, nati a Düsseldorf attorno al carismatico frontman Campino, hanno trasformato il punk rock in un manifesto generazionale: energia pura, testi taglienti tra ironia e provocazione, e una presa di posizione chiara contro razzismo ed estremismi“, beschreibt der Konzertveranstalter für Mailand relativ nüchtern den durchaus exklusiven Abend für ein nicht restlos ausverkauftes Alcatraz in Mailand vor wenigen Tagen. Rund 3250 Gäste wollten sich die von den Düsseldorfer Punk-Herren angekündigte Amichevole Germania – Italia nicht entgehen lassen. Hoch leben Die Toten Hosen.
Wir lassen sie heute Nacht los...
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Mailänder Freundschaftsspiel: Aus und vorbei! Die Toten Hosen räumen langsam aber sicher das Feld. In Mailand wurde für die anstehende ausverkaufte Tour aufgewärmt. Foto: DTHGegründet im Jahr des Fußball-WM-Klassikers Deutschland–Italien '82, performte die bekannte und fußballvernarrte Kapelle aus Düsseldorf über vier Jahrzehnte später in Sachen Veröffentlichung des letzten Studioalbums. Serviert wurde eine pralle Show mit Perlen aus Vergangenheit und aus der nahen Zukunft – das letzte Album stand eben kurz vor der Veröffentlichung.
Welche Rolle spielt aber Italien in der Bandbiografie der Düsseldorfer tatsächlich? Mit der Ankündigung Roswitha kommt nicht, aber die Toten Hosen spielte die noch junge Band im fernen Jahr 1983 ihren ersten Auslandsgig in Rom, am 9. September im einstigen Schlachthof Ex-Mattatoio, „welcher in eine wilde Schlägerei ausarten sollte“, wie Hosen-Archivare im Tourarchiv der Band erinnern. Fünf Jahre später und ebenfalls Anfang September bestritt die Opel-Gang – wie die Band nach ihrem ersten Album ebenfalls gerne gerufen wird – „einen erneuten und bis dato letzten Auftritt in der Hauptstadt Italiens“, beim Würstchen Festival in Rom. Sie covern passenderweise und zum ersten Mal den Song Azzurro von Adriano Celentano und drehen auch einen durchaus spektakulären Videoclip, wie sie im punkigen Rausch die Brennerroute entlang über die Autobahn rauschen und sich auf den holprigen Weg in ein neues Jahrtausend machen. In welchem sie nun die letzten Runden drehen. Denn irgendwann muss doch Schluss sein. Punk(t).
Die berühmte Textzeile „Das Ende setzen wir uns selbst...“ aus dem frühen Hosen-Klassiker Wort zum Sonntag setzt die Band nun in die Tat um. Nach dem 16. Studioalbum Trink aus, wir müssen gehen! wird Schluss sein. Man wolle „mit Vollgas über die Ziellinie“, versicherte Frontmann Campino kürzlich in den Tagesthemen der ARD. Er war es, der als erster das Ende der Hosen einläutete. Und seine Bandkollegen läuten laut mit. Das neue Album soll noch einmal so richtig krachen, war der hehre Anspruch „Wir lassen sie heute Nacht los“, sagte Campino beim Konzert in Mailand und gab vorsichtig würdevoll den Startschuss zur neuen Scheibe. Fast wie beim letzten Abendmahl.
Abschied auf Italienisch – und nun nur mehr Dolce Vita?
Das anwesende Publikum ist bunt und deutschsprachiger als erwartet, die Tanzfläche weniger rutschig und gefährlich als beim Konzert in Prag zwei Tage zuvor, berichten die Fans. Nachdem die Turiner Punkformation Bull Brigade den Steilpass vorlegt, stürmen Die Toten Hosen den palco. Zuletzt hatte die Band aus der Modestadt Düsseldorf 1998 in der italienischen Modestadt gespielt. Das Motto der Band war schon damals Die Show muss weitergehen. Jetzt setzen sie es im Zeichen des Abschieds in die Tat um. Als treibenden Immer weiter-Song.Il treno dei desideri vs. Glücklicher Kreuzzug
Erinnerung an den Bozner Hosen-Ticketstreit: Nach Querelen um den Eintrittspreis kamen „Die Toten Hosen“ vor 30 Jahren um ein Haar doch nach Bozen. Für faire Ticketpreise machen sie sich immer noch stark. Im Bild ein feines Bozen-Dokument (1996) aus dem Tourachiv. Foto: DTHEine gut durchmischte Setlist dominiert den Gig. Nach dem rasanten Wir waren nie weg folgt Opel Gang der albumtechnische Urknall der altgedienten und junggebliebenen Punkformation. Ein wiederkehrendes Zurückblicken und Nach-vorne-Schauen zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend und sorgt für ein Wechselbad der Jahrzehnte. So auch bei Liebeslied und Altes Fieber.
„Ich hoffe, dass jeder das versteht – all ihr Italiener, all ihr Deutschen und wo auch immer ihr herkommt –, es sind seltsame Zeiten..“, predigt Sänger Campino in englischer Sprache, „in unserem Land, in Deutschland, haben wir eine Situation, die wir noch nie hatten, seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Er spricht über beängstigende Zeiten und die AfD. Dann folgt die musikalische Ohrfeige im Hosenstil: Schlechte Nachbarn.
Feierlaune zur NeuerscheinungDas Doppelalbum („Trink aus, wir müssen gehen!“ + „Bonusalbum Alles muss raus!“) umfasst 16 neue Titel sowie ein Bonusalbum mit 25 Coversongs und verbindet zum Abschied Melancholie, Wut und Wärme. Ein eindrucksvolles Finale. Inkl. Überraschung: die Hosen-Hymne des Ärzte-Sängers Farnin Urlaub mag für manche Fans der Düsseldorfer eine Demütigung sein, in Wirklichkeit ist sie ein musikalischer Geniestreich im Hosenanzug aus Berlin (aus Berlin). Allerhand neue Hosen-Songs und Zusammengetragenes. Von Feine Sahne Fischfilet über Blixa Bargeld bis Sven Regener: die Crème de la Crème im rebellischen Songgut auf der poetischen (Lied-)Dichterskala.
Das letzte Album: „Trink aus, wir müssen gehen!“ ist das letzte Studioalbum von „Die Toten Hosen“. Schlusspunkt nach einer langen Karriere. Foto: DTHAber auch viele Juwelen aus der alten Schatztruhe gibt es an diesem Abend auf die Ohren. Wer auf die kommerziellen Erfolge Tage wie diese, Zehn kleine Jägermeister und Alles aus Liebe wartete, wurde enttäuscht. Mit Wünsch dir was, dem Durchbruch-Klassiker Hier kommt Alex, den Songs Niemals einer Meinung, Verschwende deine Zeit, Freitag der 13. (mit Gastsänger Koljah), Schönen Gruß, Reisefieber, natürlich Azzurro wurde großzügig aufgetischt. Sogar der B-Seiten-Hit Achterbahn kam zum Handkuss. Und als allerletzte Draufgabe Liebesspieler und Mehr davon. Alles in allem ein durch und durch punkig ehrlicher Abschied aus Bella Italia. Und zugleich ein würdiger Startschuss zu Tour und Platte.
Lokal und internationalDoppelt so viele Zuschauerinnen und Zuschauer wie im Mailänder Alcatraz, waren vor 30 Jahren zum Konzert in Bozen gepilgert, obwohl es im Vorfeld mächtig Stunk um überteuerte Karten gegeben hatte, ein Phänomen, gegen das die Band bis heute kämpft. Viele neue und junge Fans aus Südtirol angelten sich Die Toten Hosen mit einem grenzgenialen Wohnungskonzert 2017 in den Räumen der Südtiroler Hochschülerschaft in Wien. Es war eines von über 1.500 Konzerten der Toten Hosen – wenn auch ein kleines.
Weitaus mehr Fans als in Südtirol und Italien haben Die Toten Hosen überraschend in Argentinien. Und genau dort findet sich vielleicht ein sprachwissenschaftlich nicht uninteressanter indirekter Hinweis wieder zurück nach Italien, von wo in Vorhosenzeiten bekanntlich zwischen 1850 und 1950 rund 3,5 Millionen Italiener und Italienerinnen nach Argentinien auswanderten, die sich sprachlich, insbesondere in Buenos Aires, in einem auffallend „italienisch“ klingenden Spanisch verewigt haben. Das tun sich nun auch offiziell die Die Toten Hosen, wenn sie in Europa und Argentinien eher laut als leise sagen: „Es ist wohl besser jetzt zu gehen, wir können keine Tränen sehn …“
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