Musik | Music Producing

Der Weg in die L.A.-Musikstudios

Konstantin Ladurner spricht im Interview über seinen Durchbruch in Los Angeles, echte Arbeitsweisen und warum Bescheidenheit im Business nicht weiterhilft.
Auf dem Weg nach oben: Producer Konstantin Ladurner im Porträt. Bild: Victor Gabriel Hofer

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SALTO: Konstantin Ladurner, du lebst und arbeitest mittlerweile in Los Angeles. Wie sieht dein Arbeitsalltag dort aus? 

Konstantin Ladurner: Mein Alltag dreht sich voll um die Musik. In L.A. gibt es enorm viel Arbeit und unzählige Künstler – Leute mit Millionen von Streams, von denen man in Europa oft noch nie gehört hat. Ich fokussiere mich komplett darauf, für andere zu produzieren. Ich erstelle nicht nur Beats, sondern spiele Klavier, Bass und Gitarre, erstelle Arrangements, schreibe in den Sessions mit und übernehme auch das Mixing und Mastering. 

Vor L.A. warst du zwei Jahre lang in Berlin. Wie hat es dich damals dorthin verschlagen? 

Das war 2017. Ich hatte vorher in Wien studiert und einen Wirtschaftsjob, habe aber nebenher Musik gemacht. Damals habe ich für Max Zischg die Songs „Need You“ und „Creature of the Night“ produziert, die besonders in Südtirol sehr erfolgreich waren.

Ich war überglücklich, genau darauf hatte ich gewartet.

Max bekam daraufhin einen Plattenvertrag in Berlin – bei dem Produzenten, der auch schon für Wir sind Helden hinter den Reglern saß. Er hat mich gefragt, ob ich mitkommen und das Vollzeit machen möchte. Ich war überglücklich, genau darauf hatte ich gewartet.

Konstantin Ladurner mit Rapper Pertinence Konstantin Ladurner

Welche Erfahrungen hast du in Berlin gemacht? 

Es war das erste Mal, dass ich echte Profis bei der Arbeit gesehen habe. Über die Südtiroler Connection habe ich Marcel „Cello“ Rainer kennengelernt, der damals Gitarre für die Singer-Songwriterin Lotte spielte. Er war der erste Musikprofi, den ich kennengelernt habe, und wurde eine Art Mentor für mich. 

Die deutsche Szene ist sehr spezifisch – man muss fast Deutsch-Pop, Deutsch-Rap oder Techno machen, um Geld zu verdienen.

Die Zeit war augenöffnend, aber ich habe gemerkt, dass mir Berlin nicht so gut taugt. Die deutsche Szene ist sehr spezifisch – man muss fast Deutsch-Pop, Deutsch-Rap oder Techno machen, um Geld zu verdienen. Ich bin aber mit amerikanischer Musik, Rap und MTV aufgewachsen. Zudem war ich im Studio oft nur der Kollege im Hintergrund. 

Wie fiel die Entscheidung, den Schritt über den Atlantik zu wagen? 

Eines Abends saßen wir zusammen und Cello fragte mich, welche Musik mir wirklich gefällt. Ich habe ihm auf Spotify meine Lieblingssongs vorgespielt – amerikanischen Rap und alternative Musik. Da meinte er zu mir: „Du musst nach L.A. gehen. Mit dieser Musik wirst du in Deutschland nicht glücklich.“ 

Wie lief der Neuanfang in den USA ab? 

Ich kannte niemanden. Über die damalige Schweden-Connection von Cello bekam ich den Kontakt zu einem schwedischen Komponisten in L.A. Er erzählte mir vom Extension-Programm an der UCLA. Das ist ein 9-monatiges Weiterbildungsstudium. Man reist mit einem Studentenvisum ein und bekommt nach dem Abschluss ein einjähriges Arbeitsvisum. Das war der leichteste Weg. Ich bin im Januar 2020 nach L.A. gekommen, habe Musikproduktion studiert und habe mittlerweile schon mein zweites Künstlervisum. 

Zur Person

Konstantin Ladurner, bekannt als Kontent, ist ein Musikproduzent, Multiinstrumentalist und Mixing-Engineer aus Marling, der heute in Los Angeles lebt. Nachdem er Erfahrungen in der Berliner Musikszene gesammelt hatte, zog er 2020 nach L.A. Zu seinen bekanntesten Credits zählen die Produktion von „Sardines“ und „Doggie Pound“ für Audrey Nuna (Album TRENCH), die auch als Gesangsstimme von Mira im Netflix-Animationsfilm KPop Demon Hunters bekannt ist. Zudem produzierte er „Pull Up“ von Miles Barker für die NFL x Roc Nation 2024 Songs of the Season-Initiative. 

Darüber hinaus war er als Executive Producer für das Debütalbum The Untimely Timing of Divine Timing von Pertinence verantwortlich (Produktion und Mixing von 11 der 13 Tracks) und produzierte drei Songs auf der EP The Odyssey des ehemaligen Saturday Night Live-Mitglieds Jay Pharoah. Seine Arbeiten zeichnen sich durch die Verbindung von alternativem Hip-Hop und experimentellem Pop aus. 

Wie hast du es geschafft, Fuß zu fassen und die ersten großen Aufträge zu bekommen? 

2020 habe ich auf YouTube die Sängerin und Rapperin Audrey Nuna entdeckt. Das war genau mein Sound. Ich habe ihrem Manager einfach Beats per E-Mail geschickt. Er war begeistert, wollte mehr hören und hat mich schließlich unter Vertrag genommen. Er hat mich in Writing-Sessions mit seinen Künstlern gesteckt. So habe ich mein Vertrauen aufgebaut und 2020 meinen ersten Release mit Audrey Nuna gehabt, die bei Sony unter Vertrag stand. 

Welche Projekte folgten daraufhin? 

Über Audrey Nuna – die übrigens auch die Gesangsstimme von Mira im Film KPop Demon Hunters ist – lernte ich viele andere Produzenten kennen. Ich habe unter anderem drei Songs auf der EP The Odyssey des ehemaligen Saturday Night Live-Mitglieds Jay Pharoah produziert. Ich war Executive Producer für Pertinences Debütalbum The Untimely Timing of Divine Timing, bei dem ich 11 der 13 Songs produziert und gemischt habe. Auch der Song Pull Up von Miles Barker, den ich produziert habe, wurde für die NFL x Roc Nation Songs of the Season-Initiative ausgewählt. Zudem habe ich mit Künstlern wie SVDP, Trevor Spitta und Akshara gearbeitet. 

Wie unterscheidet sich die Mentalität in L.A. von der in Europa? 

In den USA musst du direkt auf die Leute zugehen. In Europa ist man oft zu bescheiden und wartet zu lange ab. 

Dass man Europäer ist, wird positiv und als etwas Exotisches wahrgenommen. 

Die Amerikaner sind bei Kunst und Musik extrem entspannt. Dass man Europäer ist, wird positiv und als etwas Exotisches wahrgenommen. Da kaum jemand ursprünglich direkt aus L.A. kommt, kennt jeder die Geschichte, für die Musik oder die Schauspielerei dorthin gezogen zu sein. 

Konstantin Ladurner in seinem Studio in Los Angeles Konstantin Ladurner

Gibt es auch Schattenseiten am Leben in Los Angeles? 

L.A. ist extrem teuer. Um die Miete zu zahlen, habe ich am Anfang an der Uni in einem Museum gearbeitet und viel als Tontechniker in Studios geschuftet. Es ist finanziell ein täglicher Kampf. Aber von den Arbeitsmöglichkeiten her war es für mich der beste Schritt. Außerdem habe ich hier meine Verlobte kennengelernt – wir heiraten nächstes Jahr. 

Gibt es Fehler aus deiner Anfangszeit, aus denen du gelernt hast? 

Ein Fehler war, am Anfang zu viel auf andere Leute zu warten und sich zu schämen. Man muss die Initiative ergreifen und Leute einfach direkt anschreiben. Außerdem hätte ich mich noch früher tiefer in das Musikbusiness einlesen sollen. 

Welche Ziele hast du für die Zukunft? 

Ich habe meine Ziele noch lange nicht erreicht. Eine Künstlerin, für die ich unheimlich gerne einmal arbeiten würde, ist Rosalía. Und was mein Umfeld betrifft: Ich empfehle jedem Musiker und jeder Musikerin, zumindest in die nächstgrößere Stadt mit einer aktiven Musikszene zu gehen. Man lernt durch den Austausch mit anderen Künstlern extrem viel. 

Wie hat eigentlich deine Familie auf deine Auswanderung reagiert? 

Sie waren natürlich traurig, aber meine Mama hat mich von Anfang an voll unterstützt. Sie ist die einzige andere Künstlerin in unserer Familie und hat als Kind selbst Klavier und Gitarre gespielt. Sie hat gesagt: „Wenn du es machen willst, dann tun wir das halt.“ Mittlerweile bin ich schon sechs Jahre in L.A., was echt verrückt ist – nach Hause fahre ich meist nur an Weihnachten. Wieder Abschied zu nehmen für ein Jahr fällt mir schon schwer, aber so ist das Leben.