Das Schnalser Henne-Ei-Problem
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Jetzt S+ abonnieren„Wir nehmen den Rekurs der Blu-Hotels-Gruppe zur Kenntnis, auch wenn wir nicht davon ausgehen, Fehler gemacht zu haben. Die Bauarbeiten laufen bis zur Entscheidung des Gerichts weiter“, erklärt der Schnalser Bürgermeister Peter Grüner (SVP). Der Rekurs betrifft das Bauprojekt der Athesia AG in Kurzras: Neben dem „Blu Senales Active & Family Resort“ wird derzeit ein sechsstöckiges Hotel mit 160 Betten gebaut.
Auch beim Südtiroler Heimatpflegeverband (HPV) kam der Rekurs zum Projekt in Kurzras unerwartet. Der HPV hatte bereits im Mai 2026 gemeinsam mit dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Climate Action Southtyrol und Mountain Wilderness bei der Gemeinde mehrere Einwände dagegen eingebracht.
„Es ist für uns unverständlich, dass die Gemeindekommission für Raum und Landschaft die Ansicht des Planers übernommen hat und eine strategische Umweltprüfung (SUP) für nicht notwendig erachtete“, sagt HPV-Geschäftsführer Florian Trojer. Das neue 160-Betten-Hotel und die Erweiterung des Sporthotels der Athesia AG seien Teil einer Strategie ohne jegliche Gesamtbetrachtung der touristischen Entwicklung im Land.
Dass Schnals seit dem Frühling dieses Jahres plötzlich zu den 56 strukturschwachen Gemeinden gehört und die Frist für noch nicht bebaute Tourismuszonen trotz Bettenstopp verlängern kann, zeige einmal mehr auf, wer im Land Macht und Einfluss hat. „Denn im Vergleich zu Gröden und Kastelruth wäre wohl jede Gemeinde der Welt strukturschwach“, so Trojer. Damit ist der Weg frei für das geplante Almdorf der Athesia AG, das noch nach der Frist am gestrigen 30. September 2026 realisiert werden könnte und weitere 600 Gästebetten vorsieht.
Der Schnalser Bürgermeister Grüner, Verwaltungsleiter im Skigebiet der Gletscherbahn AG, hofft mit den zusätzlichen Betten die Auslastung des Skigebiets zu erhöhen, um wieder Gewinne zu schreiben, erklärte Grüner bereits Mitte Juni gegenüber SALTO. Das klingt bei Trojer wie ein schlechter Scherz. „Als die Gletscherbahn ausgebaut hat, hieß es, dass das Skigebiet zu klein für die Anzahl der untergebrachten Hotelgäste in Kurzras wäre. Nun ist es offenbar umgekehrt“, sagt der HPV-Geschäftsführer.
Nachdem die Athesia AG 2014 Mehrheitseigentümerin der Bahn wurde, ließ sie 2017 den alten Sessellift nach Lazaun durch eine Kabinenbahn ersetzen und erhöhte damit die Kapazität der Aufstiegsanlage. 2023 wurde die historische Schnalstaler Gletscherbahn ersetzt, die Förderkapazität blieb dabei dieselbe. Nun fehlen aber offenbar genügend Urlaubsgäste.
Altes Projekt kommt nun in die Umsetzung
Der bereits vor Jahrzehnten erstellte Durchführungsplan für das 160-Betten-Hotel musste nach der Erstellung des Gefahrenzonenplans der Gemeinde geändert werden, da im ursprünglichen Entwurf das neue Hotel einer hohen Lawinengefahr ausgesetzt gewesen wäre. „Gegen diesen geänderten und bereits genehmigten Durchführungsplan wurde nun Rekurs eingereicht und der Ärger des Nachbarn ist bis zu einem bestimmten Punkt verständlich, wenn auch etwas verspätet“, meint Grüner.
Verwundert sei er über die Aussagen des Anwalts der Blu-Hotels-Gruppe, Flavio Moccia, gegenüber SALTO. „Von einem Wolkenkratzer zu sprechen, ist einfach übertrieben. Ihr eigenes Hotel ist höher als das im Bau befindliche Projekt der Athesia. Außerdem hat der Projektträger den Entwurf überarbeitet und zeitgemäß gestaltet“, erklärt Grüner. Die Außenfassade werde nun in Holz und Blech gebaut.
Hinweis: Der Artikel wurde am 1.10.2026 um 19:15 Uhr aktualisiert.
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...das Gefangenendilemma …
...das Gefangenendilemma (Ruinsamer Wettbewerb)
Wenn lokale Akteure (Hoteliers, Investoren, Gemeinden) rein egoistisch und in Konkurrenz zueinander handeln, landen sie in einer klassischen Systemfalle. Jeder denkt: „Wenn ich nicht anbaue, macht es der Nachbar oder das Nachbartal, und ich verliere Marktanteile.“
Das Ergebnis: Am Ende bauen alle aus. Die Landschaft, die eigentlich das Hauptkapital und der Unique Selling Proposition des Tourismus in Südtirol ist, wird entwertet.
Die Ironie: Durch das egoistische Maximieren des eigenen Vorteils zerstören die Akteure kollektiv die Existenzgrundlage aller.
Anders gesagt: dieses Konkurrenz- und Dominanzhandeln ist deshalb dumm, weil es Macht mit Zukunftsfähigkeit verwechselt....
Umweltprüfung abschaffen!…
Umweltprüfung abschaffen! 160 Betten für Jeden! Wer’s nicht überlebt, ist selber schuld.
Im Schnalstal zeigt sich ein…
Im Schnalstal zeigt sich ein eindeutiger Widerspruch: Eine Gemeinde gilt als strukturschwach und weist gleichzeitig mit rund 250 Übernachtungen pro Einwohner eine sehr hohe Tourismusintensität auf. Eine Ausnahme vom Bettenstopp sollte nicht allein daran geknüpft werden, ob eine Gemeinde formal als „strukturschwach“ eingestuft ist.
Ebenso wichtig wäre zu fragen, wie stark ein Ort touristisch bereits genutzt wird und welche zusätzliche Entwicklung Landschaft, Ressourcen, Infrastruktur und Bevölkerung langfristig noch tragen können.
Dazu müsste man auf Gemeindeebene konkret erfassen, welchen Anteil der Tourismus am Wasser- und Energieverbrauch hat, wie stark Kläranlagen und Abfallentsorgung besonders in Spitzenzeiten ausgelastet sind, welche zusätzliche Verkehrsbelastung entsteht und wie viel Boden und Landschaft für touristische Nutzung beansprucht werden. Gerade die Belastung in der Hochsaison wäre dabei entscheidend.
Solche Nachhaltigkeitsindikatoren werden in Südtirol bereits untersucht. Was bisher fehlt, ist ihre Zusammenführung zu einer tatsächlichen Tragfähigkeitsprüfung, die bei zusätzlichen Betten und Großprojekten verbindlich berücksichtigt wird.