Wirtschaft | Tourismus

Das Schnalser Henne-Ei-Problem

Der Nachbar des Bauprojekts für das 160-Betten-Hotel der Athesia in Kurzras klagt überraschend: Bürgermeister und Heimatpflegeverband bewerten das grundsätzlich anders.
Bauarbeiten in Kurzras: Hier entsteht das neue Hotel der Athesia AG mit 160 Betten. Bild: Privat

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

„Wir nehmen den Rekurs der Blu-Hotels-Gruppe zur Kenntnis, auch wenn wir nicht davon ausgehen, Fehler gemacht zu haben. Die Bauarbeiten laufen bis zur Entscheidung des Gerichts weiter“, erklärt der Schnalser Bürgermeister Peter Grüner (SVP). Der Rekurs betrifft das Bauprojekt der Athesia AG in Kurzras: Neben dem „Blu Senales Active & Family Resort“ wird derzeit ein sechsstöckiges Hotel mit 160 Betten gebaut. 

Auch beim Südtiroler Heimatpflegeverband (HPV) kam der Rekurs zum Projekt in Kurzras unerwartet. Der HPV hatte bereits im Mai 2026 gemeinsam mit dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Climate Action Southtyrol und Mountain Wilderness bei der Gemeinde mehrere Einwände dagegen eingebracht. 

Florian Trojer: „Als die Gletscherbahn ausgebaut hat, hieß es, dass das Skigebiet zu klein für die Anzahl der untergebrachten Hotelgäste in Kurzras wäre. Nun ist es offenbar umgekehrt.“ Andy Odierno/SALTO

„Es ist für uns unverständlich, dass die Gemeindekommission für Raum und Landschaft die Ansicht des Planers übernommen hat und eine strategische Umweltprüfung (SUP) für nicht notwendig erachtete“, sagt HPV-Geschäftsführer Florian Trojer. Das neue 160-Betten-Hotel und die Erweiterung des Sporthotels der Athesia AG seien Teil einer Strategie ohne jegliche Gesamtbetrachtung der touristischen Entwicklung im Land. 

Dass Schnals seit dem Frühling dieses Jahres plötzlich zu den 56 strukturschwachen Gemeinden gehört und die Frist für noch nicht bebaute Tourismuszonen trotz Bettenstopp verlängern kann, zeige einmal mehr auf, wer im Land Macht und Einfluss hat. „Denn im Vergleich zu Gröden und Kastelruth wäre wohl jede Gemeinde der Welt strukturschwach“, so Trojer. Damit ist der Weg frei für das geplante Almdorf der Athesia AG, das noch nach der Frist am gestrigen 30. September 2026 realisiert werden könnte und weitere 600 Gästebetten vorsieht. 

Peter Grüner: „Von einem Wolkenkratzer zu sprechen, ist einfach übertrieben.“ Mauro Podini / SALTO

Der Schnalser Bürgermeister Grüner, Verwaltungsleiter im Skigebiet der Gletscherbahn AG, hofft mit den zusätzlichen Betten die Auslastung des Skigebiets zu erhöhen, um wieder Gewinne zu schreiben, erklärte Grüner bereits Mitte Juni gegenüber SALTO. Das klingt bei Trojer wie ein schlechter Scherz. „Als die Gletscherbahn ausgebaut hat, hieß es, dass das Skigebiet zu klein für die Anzahl der untergebrachten Hotelgäste in Kurzras wäre. Nun ist es offenbar umgekehrt“, sagt der HPV-Geschäftsführer. 

Nachdem die Athesia AG 2014 Mehrheitseigentümerin der Bahn wurde, ließ sie 2017 den alten Sessellift nach Lazaun durch eine Kabinenbahn ersetzen und erhöhte damit die Kapazität der Aufstiegsanlage. 2023 wurde die historische Schnalstaler Gletscherbahn ersetzt, die Förderkapazität blieb dabei dieselbe. Nun fehlen aber offenbar genügend Urlaubsgäste. 

Altes Projekt kommt nun in die Umsetzung

Der bereits vor Jahrzehnten erstellte Durchführungsplan für das 160-Betten-Hotel musste nach der Erstellung des Gefahrenzonenplans der Gemeinde geändert werden, da im ursprünglichen Entwurf das neue Hotel einer hohen Lawinengefahr ausgesetzt gewesen wäre. „Gegen diesen geänderten und bereits genehmigten Durchführungsplan wurde nun Rekurs eingereicht und der Ärger des Nachbarn ist bis zu einem bestimmten Punkt verständlich, wenn auch etwas verspätet“, meint Grüner. 

Verwundert sei er über die Aussagen des Anwalts der Blu-Hotels-Gruppe, Flavio Moccia, gegenüber SALTO. „Von einem Wolkenkratzer zu sprechen, ist einfach übertrieben. Ihr eigenes Hotel ist höher als das im Bau befindliche Projekt der Athesia. Außerdem hat der Projektträger den Entwurf überarbeitet und zeitgemäß gestaltet“, erklärt Grüner. Die Außenfassade werde nun in Holz und Blech gebaut.

Hinweis: Der Artikel wurde am 1.10.2026 um 19:15 Uhr aktualisiert.

SALTO-Artikel in der Google-Suche bevorzugt anzeigen lassen