An der (Glücks-)Schmiede
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Jetzt S+ abonnierenDer neue kleine Mobilitätshub in Birchabruck im Eggental ermöglicht den Umstieg von einem Überlandbus auf andere Buslinien. Aber nicht nur. Gleich nebenan, versteckt zwischen Straße, Wiese und Fluss, liegt ein schmuckes Häuserkonglomerat, das an keinen Geringeren als den Künstler Walter Pichler (1936–2012) erinnert. Er wollte das wohl so.
Hier baue ich Kunst. Einen Stern im Tal.
Wer sich eine kurze Rast in Birchabruck gönnt, um spontan, stressfrei und gut gelaunt vielleicht erst mit dem übernächsten Bus in eine der vorgegebenen Richtungen zu fahren, kann einen Steinwurf von der Bushaltestelle entfernt einen Blick auf eine alte Schmiede, die Wiesler-Schmiede, werfen – allerdings nur vom Gehsteig aus, da sie sich in Privatbesitz befindet.
Das unscheinbar in die Wiesen gesetzte Häuserensemble, bestehend aus historischer Bausubstanz und zwei großen Kunstinstallationen, hat der visionäre Künstler mitgestaltet. In der alten Schmiede hatte er seine Kindheit verbracht, bevor er mit seinen Eltern und Geschwistern während der Optionszeit im Zweiten Weltkrieg aus Südtirol fortzog.
Viele Jahrzehnte später kehrte er als Künstler zurück und erweiterte die bestehende Schmiede mit Kunst. Seinen kompakten Neubau mit Oberlicht realisierte er mit unheimlicher Präzision, einem hohen Maß an Technologie und Werkstoffen aus der Umgebung. Als Vertreter der utopischen Architektur entwickelte Pichler ab den 1960er-Jahren eine besondere Form des architektonischen Denkens.
Seine frühen Arbeiten fallen in die Zeit der konzeptuellen Kunst, die radikale Gedanken – auch ohne konkrete Nutzanwendung – zu Ende zu denken versuchte.
Über den vorbeifließenden Eggentaler Bach hat Pichler außerdem eine nicht alltägliche, tatsächlich halbe Brücke errichtet. „Aus funktionaler Sicht ein Blödsinn“, erklärt dazu der Kunsthistoriker Andreas Hapkemeyer, „aber aus der Sicht des utopischen Architekten ist es eine denkbare Möglichkeit, handelt es sich doch um eine Plattform über den Fluss, die so aussieht wie eine Brücke, aber keine Brücke ist.“
Der Visionär Walter Pichler gilt auch als Vordenker virtueller Realitäten. 1967 erfand er einen als tragbares Wohnzimmer einsetzbaren TV-Helm, um den architektonischen Raum auf ein Minimum zu reduzieren. Inspiriert wurde er für diese und andere Arbeiten übrigens durch die Hände seiner Mutter. Sie schützte den Kopf des Kindes vor Gefahren, bewahrte es vor Kälte, Regen und anderen Dingen. Die Mutterhand also als Urform von Architektur?
Beim Blick von der Sternwarte hoch über Birchabruck in Gummer schaute Walter Pichler gern ins Tal auf seine alte Schmiede und meinte: „Hier baue ich Kunst. Einen Stern im Tal.“
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