Politik | Interview

„Viele fühlen sich in Ecke gedrängt“

Auch nach der Corona-Pandemie führt die Impfpflicht zu Ausgrenzung, sagt Andreas Beck vom Waldkindergarten Eppan. Warum er trotzdem weitermacht und vor Rechtsextremismus warnt.
Bild: privat

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SALTO: Herr Beck, was sind die größten Herausforderungen bei der Leitung eines Waldkindergartens in Südtirol?

Andreas Beck: Als ich vor neun Jahren mit dem Waldkindergarten begann, gab es noch viel mehr Vorurteile und Unverständnis gegenüber Waldkindergärten. Ich war auch schon mit Eltern konfrontiert, die mir alles vorschreiben wollten, da war es wichtig mich abzugrenzen. Grundsätzlich ist es für uns aber schwierig, in der Bildungswelt anerkannt zu werden, obwohl wir alle sehr hart arbeiten und aus dem Nichts Strukturen aufbauen. 

„Es kommt selten vor, dass auch welche aus dem rechten Lager dabei sind und natürlich hat jeder und jede seine Vorurteile.“

Hängt das auch mit der umstrittenen Impfpflicht zusammen, die bei privaten Trägern wie Waldkindergärten nicht kontrolliert wird? 

Ich finde es wichtig, dass Leute mit Vorbehalten gegenüber dem Impfen eine Alternative haben. Viele dieser Menschen fühlen sich von der Politik verlassen und in eine Ecke gedrängt, obwohl sie ihre Steuern zahlen und ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind. Dieses Gefühl ausgeschlossen zu werden, kennen wir alle und es fühlt sich ganz schlimm an.

Wie stehen Sie persönlich zur Impfung?

Meine Frau arbeitet als Hausärztin auf dem Ritten und unser Sohn ist geimpft. Gleichzeitig habe ich viele Freunde, die ihre Kinder nicht impfen. Ich finde es wichtig, zwischen den Lagern zu vermitteln oder es zumindest zu versuchen. 

Zur Person

Andreas Beck leitet seit neun Jahren einen Waldkindergarten in Eppan und ist derzeit auf der Suche nach einem privaten Waldplatz für die Kindergartengruppe (bei Interesse Mail an [email protected]). Beck wuchs in Deutschland auf und machte dort seine Ausbildung zum Kindergärtner. Der 41-Jährige lebt mit seiner Familie auf dem Ritten. 

Auch in Südtirol gibt es in der ökologischen Bewegung Verbindungen zu Rechtsextremismus, etwa arbeitete Eva Hofer von der „Jungen Aktion“ für einen Waldkindergarten in Mauls… 

Die Leute sind aus meiner Erfahrung bunt gemischt. Es kommt selten vor, dass auch welche aus dem rechten Lager dabei sind und natürlich hat jeder und jede seine Vorurteile. Wir wissen zwar genau, dass wir nicht einer Meinung sind, haben aber gemeinsam Pizza im Outdoorofen gemacht und gemerkt, dass der andere gar nicht so schlecht ist. Trotzdem macht mir der steigende Rechtsextremismus Sorge und ich frage mich wohin es führen soll, wenn diese Bewegung in Deutschland Höfe aufkauft, um dort ihre politische Propaganda unter die Leute zu bringen. 

„Die frühe Naturerfahrung legt die Grundlage für nachhaltiges Verhalten, also die Achtung vor Mensch und Natur.“

Die rechtsextreme Bewegung greift die Sehnsucht nach den früheren, besseren Zeiten auf, allerdings wollen sie zurück zu traditionellen Rollenmustern und warnen vor der Vermischung von Kulturen und Völkern… 

Das ist wirklich paradox und für mich schwer nachvollziehbar. Denn zurück zu den Wurzeln heißt für mich vor allem, dass wir wieder in Verbindung mit der Natur leben. Schließlich hat der Mensch rund 99 Prozent der Menschheitsgeschichte in Wäldern und unberührter Natur gelebt. Sich darauf zurückzubesinnen, finde ich gesund, das hat aber nichts mit der Erzählung der Rechtsextremen zu tun. 

Was macht für Sie ein Waldkindergarten aus?

Der große Unterschied zu einem normalen Kindergarten ist, dass die Kinder sich viel bewegen und ihre Zeit in der Natur verbringen. Viele Eltern berichten mir, dass ihren Kindern die Zeit in der Natur guttut, sie zur Ruhe bringt und sie weniger häufig erkranken. Die frühe Naturerfahrung legt die Grundlage für nachhaltiges Verhalten, also die Achtung vor Mensch und Natur. Das gibt mir Hoffnung, weil wir wissentlich weiter den Planeten zerstören, der ja eigentlich unsere Lebensgrundlage ist. 

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