Die Grenzen seiner Welt
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Ein gewisser Herr Rabensteiner aus Villanders hat im Kindergarten nicht aufgepasst oder hat ihn gar geschwänzt und rechnet es sich heute hoch an, als Schitz & Pursch kein Standard-Deutsch zu können.
Das wäre für sich gesehen keiner Rede wert, sondern das, was es ist: ein Problem für Herrn Rabensteiner. Rabensteiner kann Wittgenstein wahrscheinlich nicht einmal aussprechen, verkörpert aber eines der bekanntesten Dikten des großen Sprachphilosophen, das da lautet: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“Es bleibt dabei: Es ist nicht wirklich ein Problem, wenn Herrn Rabensteiners Welt an den harten Sprachgrenzen des Unteren Eisacktals aufhört und es ist unbestritten, dass man zwischen Tschifnon, Flotzpis, Dreikirchen, Barmen, Siffian und Kollmann ein erfülltes Leben führen kann, was jeder Mensch auch dem reschesten Schitz & Pursch von Herzen gönnt.
Was macht der gute Tiroler, wenn er in Bedrängnis gerät, der Rosenkranz nicht wirkt und der Kaiser aus dem Exil winkt? Er führt einen Kampf „firr der Hoamet“.
Nun ist aber dieser Herr Rabensteiner schon fast unfreiwillig über die politische Karriereleiter nach oben gestolpert und kämpft im Südtiroler Landtag „firr der Hoamet“. Dabei kollidieren seine Eisacktaler Weltgrenzen mit den Ansprüchen des Landesparlaments und aus der folkloristisch verbrämten und selbstbestimmten Horizontbegrenzung wird peinliches Unvermögen.
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Was macht der gute Tiroler, wenn er in Bedrängnis gerät, der Rosenkranz nicht wirkt und der Kaiser aus dem Exil winkt? Er führt einen Kampf firr der Hoamet. Die Säbel sind stumpf, die Platzpatronen haben begrenztes taktisches Potenzial – da bleibt nur mehr die Macht des dialektalen Wortes, das umso lauter durch die Hoamet schallen möge. Aus dem Pulverdampf des Unvermögens und der identitären Scharmützel steigt eine basiskulturelle Heldensage in den Süd-Tiroler Himmel empor, wie der Adler beim sommerlichen Inspektionsflug: Miar sein miar!
Schade um das Pulver und die Scherben. Denn Demokratie lebt nicht von Heldensagen, Mikro-Identitäten oder blindwütiger Ausgrenzung, sondern von Verständlichkeit, Austausch und Diskurs auf Foren, die für alle offen und zugänglich sind und in denen Alltag und Zukunft ausgehandelt werden.Der große Wittgenstein hat ein zweites wichtiges Diktum hinterlassen, das seine Richtigkeit in fast tragischer Form am Abgeordneten Rabensteiner entfaltet: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Das ist keine Aufforderung zum Verstummen. Wohl aber ein Plädoyer dafür, an sich zu arbeiten und sich selbst als lernendes Wesen zu verstehen.
Sogar wenn man Schitz & Pursch ist.
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Herr Markus, für diese Ihre Kolumne möchte ich mich herzlich bedanken und um keinerlei Irritationen hierzu aufkommen zu lassen bekunde ich hierzu meine volle Zustimmung. Weiters attestiere ich alles mir Mögliche zu tun um diese wahrhaft nicht zeitgemäße „Ouvertüre“ in die einzig richtige wie lustigste Nebensache der Welt einzuordnen. Denn ich gewinne schön langsam den Eindruck, daß das Medium „Sprache“ -oder Schnobl-, zum Inhalt der politischen Tätigkeiten wird, und nicht die Bearbeitung der Themen und Probleme, die der Bevölkerung im Alltag immer mehr zu schaffen machen. Das Fatale daran ist noch, daß wir genau die Fehler machen, die wir sonst bei den anderen wortgewaltig anprangern. Jeder und Jede möge deshalb hierzu bei sich selbst anfangen zu lernen, um Missverständnisse zu vermeiden damit falsch Verstandenes nicht zu sinnlosen Polemiken führen, die wirklich nicht dienlich sind.( wie das Zitat im Bild – Standardsprache).
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Markus hat ja in der Sache vollkommen Recht, aber ich verstehe nicht, darum er selbst in einen kuriosen Dialekt verfällt und den Rabensteiner als „Schitz und Pursch“ bezeichnet. Das tut in den Ohren weh. Trefflich finde ich das Wittgenstein-Zitat „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Das ist für uns besonders wichtig, weil unsere Sprache es uns erlaubt, die Unrechtsgrenze am Brenner zu überwinden - sofern wir uns nicht selbst in einem Talschaftsdialekt abkapseln.
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Ich halte die Debatte für überhitzt und aufgebauscht. Mein Eindruck ist, dass im Ausland niemand ein Problem damit hat, wenn jemand Dialekt oder Mundart spricht. Nur wir Südtiroler haben Komplexe und glauben man müsse ein „Tscheggl“ sein, um Dialekt zu sprechen.
Da passt der Beitrag von Markus perfekt ins Klischee. Er wirft dem Rabensteiner vor, engstirnig zu sein, während er selbst sich für einen gebildeten Mann von Welt hält. Gerade diese Überheblichkeit ist es doch, die sehr viele Wähler ins rechte Lager und zu Leuten wie Rabensteiner treibt.
Meines Erachtens sollte man den Herren einfach Dialekt reden lassen, wenn ihm das so wichtig ist. Jeder Bürger ist mündig genug, um seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Wir brauchen dafür keine Erklärungen von Martin und Markus, um das einordnen zu können.
Antwort auf Ich halte die Debatte für… von Oliver Hopfgartner
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Rabensteiner führt Kulturkampf. Er und er allein bläht das Thema auf. Das ist die Strategie der Rechten: Kulturkampf. Und es geht hier nicht ums Ausland. Es gibt auch in Südtirol Menschen, die den Dialekt nicht verstehen. Darum schreiben wir z.B. in der Eltern- Whats-App Gruppe der Grundschule auf Hochdeutsch und nicht Dialekt. Das sollte man für das oberste legislative Gremium der Landesregierung auch erwarten: dass alles getan wird, um so gut wie möglich verstanden zu werden. Leuchtet ein, nicht wahr? Aber nein, der rechte Tscheggl muss Kulturkampf machen. Weil ein echter Patriot hat das Recht darauf, nicht verstanden zu werden, er sitzt schließlich nicht für alle Südtiroler*innen im Landtag, sondern nur für die, die er als solche erachtet.
Antwort auf Rabensteiner führt… von Markus Schwärzer
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Der Herr Rabensteiner sitzt für seine Wähler im Landtag, und die verstehen ihn auch. Dass er mit seiner Sprachwahl ein falsches Signal gibt, ist eine andere Sache. Kulturkampf ist ein zu hoch gegriffenes Wort dafür, Sturheit wäre passender.
Antwort auf Der Herr Rabensteiner sitzt… von Hartmuth Staffler
Dazu noch: Sturheit und…
Dazu noch:
Sturheit und konstruktiver Patriotismus unterscheiden sich fundamental in ihrer Haltung zum eigenen Land: Sturheit entsteht oft aus unreflektierter Ablehnung von Veränderung. Z. B. hier: Dialekt kann Ausdruck von Kultur sein, in missverstandenem Patriotismus wird er instrumentalisiert, um Zugehörigkeit zu erzwingen und andere auszuschließen, was zu einer Übersteigerung führt, die eher schadet als verbindet.
Tatsache ist:
Konstruktiven Patriotismus können und wollen die Rabensteiners nicht... --- dies gehört auch zu den Gemeinsamkeiten von Patriotismus, Nationalismus und Post|Faschismus...
Antwort auf Der Herr Rabensteiner sitzt… von Hartmuth Staffler
Das hat nichts mit einfacher…
Das hat nichts mit einfacher Sturheit zu tun, das ist die Strategie der Rechtspopulisten weltweit: die AFD kämpft gegen das „woke Virus“, bei uns kämpft ein Tscheggl um das Recht, als LAbg. (für alle Südtiroler*innen, nicht nur für seine Wähler) nicht von allen verstanden werden zu dürfen und verkauft dies als Kampf um Identität. Das ist Kulturkampf und das Hochkochen eines Problems, das es nicht gibt. Das ist Kulturkampf par excellence.
Antwort auf Das hat nichts mit einfacher… von Markus Schwärzer
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Man kann den Rabensteiner, zu Recht, kritisieren - ich mache das auch - aber man muss ihn deswegen nicht beleidigen. Mit der „weltweiten Strategie“ der Rechtspopulisten hat der Rabensteiner nichts zu tun. Ihm geht es tatsächlich um Identität, wobei er unsere Identität allerdings viel zu eng und zu ausschließend sieht. Das Problem hat übrigens nicht der Rabensteiner hochgekocht, sondern jene, die ihn kritisiert haben - kritisiert nicht deswegen, weil sein Beharren auf dem Dialekt ganz offensichtlich unsinnig ist und uns von unserem deutschsprachigen Kulturraum, auf den wir dringend angewiesen sind, abgrenzt, sondern weil man einen von ihm freiwillig gelieferten Beweis angeblicher Beschränktheit weidlich ausgenutzt hat.
Antwort auf Man kann den Rabensteiner,… von Hartmuth Staffler
„… wobei er unsere Identität…
„… wobei er unsere Identität allerdings viel zu eng und zu ausschließend sieht.“ Das ist die Definition von Rechtspopulismus. Und ja, das ist Strategie, vom kleinen AfD-Gemeinderat über den FI-Stadtrat bis zu Trump. Nichtige Themen emotional aufladen und zu einer Identitätsfrage machen. Dasselbe Playbook, von Trump bis Kickl. Der Landtag muss darauf bestehen. In einem Gremium, in dem es nur um Kommunikation geht, müssen Regeln eingehalten werden. Sinnvoller Weise wird von dt. Muttersprachler*innen verlangt, Hochdeutsch zu sprechen. Ich würde auch nicht diskutieren. Entweder Hochsprache oder keine Redezeit. Meine Meinung.
Antwort auf Rabensteiner führt… von Markus Schwärzer
Wie sieht deiner Meinung…
Wie sieht deiner Meinung nach die Strategie dieses Kulturkampfes aus?
Ich frage, weil ich beobachtet habe, dass andere rechte Kulturkämpfer eher großdeutsch argumentieren und bewusst auf überregionale Umgangssprache und weniger auf Dialekte und regionales Kleinklein setzen.
Aus meiner Sicht macht Rabensteiner das, weil ihm die Italiener und Ausländer, die keinen Dialekt verstehen egal sind und weil es ihm wohl wichtig ist, „bodenständig“ rüberzukommen. Für echten Kulturkampf erscheint mir das Sprechen im Dialekt im Landtag ein wenig zu trivial.
Antwort auf Wie sieht deiner Meinung… von Oliver Hopfgartner
Definitionen für rechten…
Definitionen für rechten Kulturkampf finden sich zuhauf. Beispiele auch: AfD- wir kämpfen gegen das Woke-Virus, Trump „die Wahrheit und den Verstand in der amerikanischen Geschichte wiederherzustellen“ usw. Es geht immer darum, die Debatte zu kontrollieren und emotional aufzuladen. Dasselbe macht Rabensteiner. Er könne, laut eigener Aussage, schon Hochdeutsch, aber er wolle nicht weil er sich nicht das Maul verbieten lasse. Dies sind alles keine Probleme, sie werden aber von den rechten Kulturkämpfern als solche hochgejazzed. Bezeichnend auch diese Feststellung: https://bsky.app/profile/makkeroni.bsky.social/post/3mil5yf2o322r
Was hat das mit Rabensteiner zu tun? Er kämpft angeblich für das Recht, seine Identität auszuleben, was ihm verboten werde. Ein Problem wird erzeugt, hochgespielt und als identitätsstiftend geframed.
Antwort auf Definitionen für rechten… von Markus Schwärzer
Konkretes Beispiel: ‚„Der…
Konkretes Beispiel: ‚„Der Dialekt darf nicht als minderwertig betrachtet werden, wie es mittlerweile einige Abgeordnete oder auch Journalisten tun“, betont Rabensteiner. Er fordert alle Südtiroler dazu auf, ihren Dialekt zu schätzen und an die nächsten Generationen weiterzugeben.‘
Alles an dieser Aussage ist falsch. Weder wird der Dialekt gering geschätzt, noch wird er nicht nicht an die nächste Generation weitergegeben. Konstruiertes Problem kombiniert mit der Konsequenz unsere kulturelle Identität aufs Spiel zu setzen=Kulturkampf.
„ Ein Verbot des Dialekts im Landtag wäre für Rabensteiner ein Akt der Entwurzelung und ein Schritt hin zu einer Entfremdung von der eigenen Kultur.“
Alle Zitate stammen aus diesem Artikel: https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/rabensteiner-argumentiert-gegen…
Von der schwachsinnigen Aussage, „stolz auf Dialekt zu sein“ mag ich erst gar nicht anfangen.
Jede Zeile über den…
Jede Zeile über den Rabensteiner ist zuviel der Aufmerksamkeit. Und wenn sie so oberlehrerhaft geschrieben wird, umso mehr.
Es ist das erste Gebot des…
Es ist das erste Gebot des Anstandes + der Höflichkeit, dass -m a n- sich in der Form zu sprechen bemüht, die vom Gesprächs-Partner auch verstanden wird.
An den Nahtstellen von verschiedenen Sprachen kann es vorkommen, daß ein 1- oder anders-sprachiger Partner:In den Gespnrächs-Verlauf nicht versteht. In diesem Falle ist an entscheidenden Stellen des Gesprächs, „eine -s a u b e r e- kurze Zusammen-Fassung der Gesprächs-Inhalte durch einen Sprach-Kundigen notwendig!“
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Für das kaum verständliche Gelaber vom Rabensteiner, ist der Landtag mit einem Stundenlohn „von mindestens (geschätzt) 10.000 € doch etwas zu teuer ...?“, zumal es vom Widmannn verschlafen + vom K. auch nicht besonders aufmerksam gehört wird!