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Gesellschaft | Dialekt

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Dass ich einmal für die Südtiroler Freiheit das Wort ergreifen muss, erschreckt mich genauso wie der Text von Martin Hanni
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Insere Sproch
Foto: Hannes Scheutz/ Insere Sproch
  • Dass man in Südtirol noch nie einen wirklich guten Umgang mit der Zweisprachigkeit gefunden hat, dürfte nicht verwundern, wenn man sich schon mit dem eigenen Dialekt so schwertut. Dabei weine ich meinem Dialekt täglich eine Träne nach: Wenn ich mit meiner Freundin Englisch und mit meinen Freunden Hochdeutsch spreche, merke ich, wie er mir langsam entschwindet – und wie ich in Südtirol bereits als „Hochdeutscher“ abgestempelt werde. Gleichzeitig bleibe ich in Wien derjenige mit dem „komischen“ Dialekt – und das in einer Stadt, deren Tatort-Filme aufgrund des Dialekts in Norddeutschland fast schon mit Untertiteln ausgestrahlt werden müssten. Wer Dialekt spricht, scheint also oft auch Ansichtssache zu sein, auch wenn manche Ausprägungen sicherlich eindeutiger sind als andere. Sich dafür zu schämen, ist jedoch der falsche Weg.

    Dass man jedoch in einem Land, dessen Geschichte so stark mit Sprache verbunden ist, eine Person öffentlich dermaßen auf ihre Sprache reduziert und angreift, hat mich dann doch schockiert. Zwar handelt es sich bei der angesprochenen Person um eine politische Figur, die solche Dinge nicht nur erwarten muss, sondern auch ertragen. Dass dieses Thema jedoch ausgerechnet von einem Kulturjournalisten aufgebracht wird ist die wahre Überraschung für mich – selbst für einen durchaus typischen, reißerischen Kommentar. Es scheint so als würde man mit dem Dialekt etwas in den Südtirolern triggern mit dem er sich nicht auseinandersetzen möchte. Und zwar mit sich selbst.

     

    Ich muss nicht verstehen, was du sagst, sondern was du meinst

  • Wenn man bedenkt, was die Partei der attackierten Person sonst täglich von sich gibt, wirkt der Angriff aufgrund des Dialekts fast wie eine Verharmlosung ihrer sonstigen politisch fragwürdigen Forderungen. Dürfen in Zukunft dann nur noch Personen gewählt werden, die Hochdeutsch beherrschen, weil sie verständlicher sind? Und danach nur noch Zweisprachige, weil es praktischer ist? Dann könnten wir in Italien konsequenterweise gleich nur noch italienischsprachige Kandidaten zulassen. Oder wohin soll dieser Vorstoß langfristig führen?

    Natürlich ist das Unsinn. Mit solchen Argumenten liefert man jedoch genau jenen Denkweisen Vorschub, die man eigentlich kritisieren möchte, indem man einem Teil der Bevölkerung signalisiert, er habe in der Politik nichts verloren. Dabei ist es selbstverständlich politisches Kalkül, wie jemand wo spricht. So spricht ein Politiker am Stammtisch anders als im Landtag oder eben nicht. Auch dass die Grünen zweisprachig auftreten ist Strategie und Botschaft zugleich sowie das die SVP eine deutschsprachige Partei ist – auch wenn ihre Mitglieder dann meist doch perfekt zweisprachig sind. Das macht weder Deutsch zu einer „SVP-Sprache“ noch Dialekt zu einer „rechten Sprache“. Zumal man bezweifeln darf, dass in Südtirol überhaupt jemand ein vollkommen normiertes Hochdeutsch sprechen kann – selbst professionelle Übersetzer tun sich damit bisweilen schwer. Und nicht umsonst sprechen Südtiroler Schauspieler von der Mammutaufgabe, ihren Dialekt abzulegen, obwohl Sprache ihr tägliches Brot ist.

     

    etwas in den Südtirolern triggern mit dem er sich nicht auseinandersetzen möchte. Und zwar mit sich selbst

  • „Ich muss nicht verstehen, was du sagst, sondern was du meinst“. Und was die kritisierte Person mit ihren Aussagen meint, sollte uns ausreichend zu denken geben – unabhängig davon, in welcher sprachlichen Form sie vorgetragen werden. Es liegt an ihr, die Konsequenzen ihrer Aussagen zu tragen – inhaltlich wie stilistisch. Ihr jedoch abzusprechen, überhaupt eine Meinung zu haben, ist problematisch.

    Auch ich habe aufgrund meiner Art zu sprechen und zu schreiben oft zu hören bekommen, ich könne das nicht und solle es lieber lassen. Erst als mir solche Stimmen egal wurden, konnte sich meine Ausdrucksweise weiterentwickeln – vielleicht nicht in ihrer Perfektion, aber in ihrem Gebrauch. Dass ich für diesen Text Unterstützung durch KI nutze, ist z.B. meine Entscheidung, nicht die Voraussetzung dafür, mich überhaupt äußern zu dürfen. Immerhin scheint meine Ausdrucksform ausreichend gewesen zu sein, um zu einem Podcast von Herrn Hanni eingeladen worden zu sein. Auch wenn dort manches von mir geschnitten und nachbearbeitet wurde, zählte am Ende offenbar doch mehr, was ich sagte, als wie ich es sagte.