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Dass man in Südtirol noch nie einen wirklich guten Umgang mit der Zweisprachigkeit gefunden hat, dürfte nicht verwundern, wenn man sich schon mit dem eigenen Dialekt so schwertut. Dabei weine ich meinem Dialekt täglich eine Träne nach: Wenn ich mit meiner Freundin Englisch und mit meinen Freunden Hochdeutsch spreche, merke ich, wie er mir langsam entschwindet – und wie ich in Südtirol bereits als „Hochdeutscher“ abgestempelt werde. Gleichzeitig bleibe ich in Wien derjenige mit dem „komischen“ Dialekt – und das in einer Stadt, deren Tatort-Filme aufgrund des Dialekts in Norddeutschland fast schon mit Untertiteln ausgestrahlt werden müssten. Wer Dialekt spricht, scheint also oft auch Ansichtssache zu sein, auch wenn manche Ausprägungen sicherlich eindeutiger sind als andere. Sich dafür zu schämen, ist jedoch der falsche Weg.
Dass man jedoch in einem Land, dessen Geschichte so stark mit Sprache verbunden ist, eine Person öffentlich dermaßen auf ihre Sprache reduziert und angreift, hat mich dann doch schockiert. Zwar handelt es sich bei der angesprochenen Person um eine politische Figur, die solche Dinge nicht nur erwarten muss, sondern auch ertragen. Dass dieses Thema jedoch ausgerechnet von einem Kulturjournalisten aufgebracht wird ist die wahre Überraschung für mich – selbst für einen durchaus typischen, reißerischen Kommentar. Es scheint so als würde man mit dem Dialekt etwas in den Südtirolern triggern mit dem er sich nicht auseinandersetzen möchte. Und zwar mit sich selbst.
Ich muss nicht verstehen, was du sagst, sondern was du meinst
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Wenn man bedenkt, was die Partei der attackierten Person sonst täglich von sich gibt, wirkt der Angriff aufgrund des Dialekts fast wie eine Verharmlosung ihrer sonstigen politisch fragwürdigen Forderungen. Dürfen in Zukunft dann nur noch Personen gewählt werden, die Hochdeutsch beherrschen, weil sie verständlicher sind? Und danach nur noch Zweisprachige, weil es praktischer ist? Dann könnten wir in Italien konsequenterweise gleich nur noch italienischsprachige Kandidaten zulassen. Oder wohin soll dieser Vorstoß langfristig führen?
Natürlich ist das Unsinn. Mit solchen Argumenten liefert man jedoch genau jenen Denkweisen Vorschub, die man eigentlich kritisieren möchte, indem man einem Teil der Bevölkerung signalisiert, er habe in der Politik nichts verloren. Dabei ist es selbstverständlich politisches Kalkül, wie jemand wo spricht. So spricht ein Politiker am Stammtisch anders als im Landtag oder eben nicht. Auch dass die Grünen zweisprachig auftreten ist Strategie und Botschaft zugleich sowie das die SVP eine deutschsprachige Partei ist – auch wenn ihre Mitglieder dann meist doch perfekt zweisprachig sind. Das macht weder Deutsch zu einer „SVP-Sprache“ noch Dialekt zu einer „rechten Sprache“. Zumal man bezweifeln darf, dass in Südtirol überhaupt jemand ein vollkommen normiertes Hochdeutsch sprechen kann – selbst professionelle Übersetzer tun sich damit bisweilen schwer. Und nicht umsonst sprechen Südtiroler Schauspieler von der Mammutaufgabe, ihren Dialekt abzulegen, obwohl Sprache ihr tägliches Brot ist.
etwas in den Südtirolern triggern mit dem er sich nicht auseinandersetzen möchte. Und zwar mit sich selbst
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„Ich muss nicht verstehen, was du sagst, sondern was du meinst“. Und was die kritisierte Person mit ihren Aussagen meint, sollte uns ausreichend zu denken geben – unabhängig davon, in welcher sprachlichen Form sie vorgetragen werden. Es liegt an ihr, die Konsequenzen ihrer Aussagen zu tragen – inhaltlich wie stilistisch. Ihr jedoch abzusprechen, überhaupt eine Meinung zu haben, ist problematisch.
Auch ich habe aufgrund meiner Art zu sprechen und zu schreiben oft zu hören bekommen, ich könne das nicht und solle es lieber lassen. Erst als mir solche Stimmen egal wurden, konnte sich meine Ausdrucksweise weiterentwickeln – vielleicht nicht in ihrer Perfektion, aber in ihrem Gebrauch. Dass ich für diesen Text Unterstützung durch KI nutze, ist z.B. meine Entscheidung, nicht die Voraussetzung dafür, mich überhaupt äußern zu dürfen. Immerhin scheint meine Ausdrucksform ausreichend gewesen zu sein, um zu einem Podcast von Herrn Hanni eingeladen worden zu sein. Auch wenn dort manches von mir geschnitten und nachbearbeitet wurde, zählte am Ende offenbar doch mehr, was ich sagte, als wie ich es sagte.
Leider ist es vielfach so,…
Leider ist es vielfach so, dass man auch nicht versteht, was jemand meint, wenn man nicht versteht was er sagt. Besonders wenn man eben seinen Dialekt, auch nur ansatzweise, nicht beherrscht.
Dialekte gehören sicherlich zur kulturellen Eigenart bestimmter Landstriche, aber es gibt Momente und Umstände, wo das eigentliche Ziel von Sprache, d.h. sich verständlich zu machen, im Vordergrund steht und da liegt es am Sprechenden für Verständlichkeit zu sorgen. Besonders im Rahmen einer legislativen Institution. Das bedeutet in keinem Fall eine generelle Ächtung des Dialekts. Mit der Sprache ist es wie mit der Kleidung: salopp ist nicht immer angemessen. Wobei der sprachliche Ausdruck sogar nicht nur Äußerlichkeiten betrifft.
Ich erlaube mir auch eine Bemerkung zu ihrer Aussage „Zumal man bezweifeln darf, dass in Südtirol überhaupt jemand ein vollkommen normiertes Hochdeutsch sprechen kann“. Wenn Sie den Artikel, den Sie verlinken genau lesen, bezieht sich die Aussage des Übersetzerverbandes nicht auf Übersetzer aus Südtirol, sondern eben aus anderen Regionen.
Antwort auf Leider ist es vielfach so,… von Manfred Klotz
Ich finde im Vergleich das…
Ich finde im Vergleich das von vielen Südtirolern verwendete gekünstelte „Schulhochdeutsch“ wesentlich schlimmer als Dialekt. Ich spreche in der Steiermark auch meinen normalen Dialekt, wobei ich Worte wie „sel“ oder „lei“ vermeide, da diese in der Steiermark meist nicht vestanden werden. Zu guter Kommunikation und Verständlichkeit gehört nämlich auch Authentizität dazu.
Dialekt schafft auch gleich eine wärmere Stimmung und erzeugt ein Gefühl der Nähe. Gerade in meinem beruflichen Setting ist das von Vorteil.
Rabensteiner ist ein volkstumspolitisch orientierter Politiker, für ihn macht es also voll Sinn, auf den Dialekt zu setzen. Mich würde eher interessieren, was Rabensteiner in einem Dialog macht, wenn z.B. ein Italiener ihm sagt, er habe nicht verstanden, was er gesagt hat. Wenn er dann sagen würde, der Andere soll gefälligst Südtirolerisch lernen, wäre das zu kritisieren. Ich gehe aber davon aus, dass er in so einem Fall seine Aussage einfach in einer abgeschwächteren, verständlicheren Variante wiederholen würde.
Daher ist die ganze Debatte ohnehin aufgebauscht.
Antwort auf Ich finde im Vergleich das… von Oliver Hopfgartner
Du sitzt aber nicht in einer…
Du sitzt aber nicht in einer legislativen Institution. Die Diskussion dreht sich NUR um diesen Aspekt, nicht um die Benutzung des Dialekts im Allgemeinen. Du sprichts das Problem ja selbst an, wo du aussagst du würdest kritisieren, wenn man auf Verständlichkeit pfeift und vom Gegenüber erwartet er solle sich anpassen. Das genau passiert ja im Landtag und war Ausgangspunkt für die ganze Diskussion.
Nicht nur (Stichwort…
Nicht nur (Stichwort Hydrauliker) wie dieser Artikel villeicht besser beschreibt als der avorherige: https://salto.bz/de/article/02082019/mehr-deutsch-statt-krautwalsch
Der Beitrag von Thomas Huck…
Der Beitrag von Thomas Huck geht vollkommen am Thema vorbei. Zunächst einmal scheint ihm der Unterschied zwischen Dialekt und Akzent nicht klar zu sein. Dialekt ist eine sowohl grammatikalisch als auch lexikalisch abweichende Variante der Standardsprache, Akzent ist eine lokaltypische Färbung der Standardsprache. In Südtirol war seit Jahrhunderten eine mit lokalen Akzent gefärbte Standardsprache durchaus üblich und bekannt. Sämtliche alten Kirchenlieder sind ausschließlich in damaligem „Schriftdeutsch“ geschrieben. Schriftdeutsch war in Tirol immer die Sprache der Kirche, der Beamten, der Offiziere, des Adels und der Bildungsbürger, und das war vollkommen normal. Schriftdeutsch und Mundart waren nie Gegensätze, sondern haben sich immer ergänzt. Der Faschismus hat dem ein Ende gesetzt. Die Standardsprache wurde überall verboten, ihre Sprecher haben sich in die innere Emigration begeben. Sie sind nicht nur räumlich in die Peripherie und in die Berge gegangen, sondern haben sich auch sprachlich in die Peripherie und in den Dialekt geflüchtet. Von diesem Exodus hat sich Südtirol bis heute noch nicht erholt. Den Faschisten würde es natürlich passen, wenn wir nur Dialekt reden würden, weil sie uns dann (natürlich unbegründet) als ungebildetes Volk bezeichnen könnten, das nicht einmal eine korrekte Sprache beherrscht.
Antwort auf Der Beitrag von Thomas Huck… von Hartmuth Staffler
Wobei man bei Dialekten von …
Wobei man bei Dialekten von „grammatikalisch“ streng genommen eigentlich kaum sprechen kann, denn es gibt dafür keine einheitlichen Normen, die von einer übergeordneten Insitution - wie etwa der Rat für deutsche Rechtschreibung - festgeschrieben werden. Dialekt ist Sprache nach Gehör und dient vornehmlich dem sprachlichen Ausdruck, nicht dem schriftlichen. Dialektwörterbücher, die es durchaus gibt, sind eher eine Sammlung von Beschreibungen, als Normen.
In der Grundschule wird den…
In der Grundschule wird den Kindern gelehrt, so zu sprechen, wie sie schreiben. Das ist Quatsch und ließe sich leicht beheben, mit guter Sprechausbildung der Lehrenden.
Der Rest der Thematik lässt sich mit Angst erklären: Angst, nicht verstanden zu werden. Angst sich zu blamieren. Angst vor dem Verlust des Dialektes. Keine dieser Ängste ist begründet. Und Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Antwort auf In der Grundschule wird den… von Markus Schwärzer
Ich habe, vollkommen ohne…
Ich habe, vollkommen ohne Angst, sowohl Schriftdeutsch als auch Mundart gelernt. Den Zusammenhang zwischen Sprache und Angst habe ich nicht verstanden.