Bücher | Bibliophile Fragen

„Die beste Lesezeit meines Lebens“

Irene Moroder performte gestern auf einem Schiff auf dem Bodensee, vorgestern in der Bibliothek in Höchst. Und sie hat die "immer gleichen Fragen" von SALTO beantwortet.
Privat

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SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

Irene Moroder: Ich bin durch die Detektivreihe „Trixie Belden“ während der Mittelschulzeit zur richtigen Leseratte geworden. Ich habe die 39 Bücher regelrecht verschlungen. Bis 20:30 Uhr las ich im Licht der Nachtkästchenlampe, nach 20:30 Uhr - nachdem Mama gerufen hatte: „Licht aus! Schlafenszeit!“- unter der Bettdecke mit der Taschenlampe. Das war die beste Lesezeit meines Lebens. 

Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

An letzte Sätze erinnere ich mich nicht. Aber ich erinnere mich genau, welche Bücher in mir großes Kopf- und Herzkino ausgelöst haben: „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, „Perla“ von Carolina de Robertis und „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens.
 

Zu sehr liebe ich das Rauschen des Blätterns. 

Vom Bregenzer Hafen aus...: Dreiländerlesung mit Schifffahrt am gestrigen 1. Mai mit Irene Moroder Privat

Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

„Darm mit Charme“ von Giulia Enders: ich habe mehrmals versucht, es zu lesen, aber ich bin nie über die Hälfte gekommen. Es hat mich irgendwann gelangweilt.

Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

Ich kenne Commissario Vernatschio nicht und habe bisher keinen einzigen Lokalkrimi gelesen - blamiere ich mich gerade?

Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?

Denen guter Freundinnen. 

Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?

Auf eine einsame Insel würde ich nur Bücher mitnehmen, von denen ich zu (fast) 100% weiß, dass sie gut sind. Und falls das Buch doch nicht gut sein sollte: Ich würde es mit Sicherheit wieder mit nachhause bringen. Jemand anderem könnte es ja gefallen.

Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

Ich habe noch nie ein Buch am E-Book-Reader gelesen. Zu sehr liebe ich das Rauschen des Blätterns. Aber man weiß ja nie: vielleicht greife ich irgendwann doch danach, wenn meine Augen beim Lesen der Bücherschrift nicht mehr mithalten. 

Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen? 

„Eva dorme/schläft“ von Francesca Melandri. Ich habe die deutsche Übersetzung auf einem Flohmarkt gefunden und gelesen und Jahre später dann das Original gelesen. Beide Versionen waren gut. Besonders spannend fand ich die kraftvolle Frage, ob die emotionale Bindung zu einem „gewählten“ Vater schwerer wiegt als die bloße genetische Herkunft. Das Thema hat mich sehr berührt.