Rentner sind eine Chance, keine Last
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Es sind Menschen, die oftmals noch mitten im Leben stehen und aktiv daran teilnehmen. Armut unter älteren Menschen gibt es zweifellos – das ist Fakt. Doch die Zahlen zeigen auch etwas anderes. Laut „Itinerari Previdenziali“ werden allein die über 65-Jährigen im Jahr 2030 über 391 Milliarden Euro jährlich zur Verfügung haben. Bis 2050 steigt diese Summe auf 480 Milliarden. Man spricht von der „Silver Economy“, die von einer stetig wachsenden Gruppe mit solider Kaufkraft getragen wird und die sich um den Aufbau ihrer Zukunft keine Sorgen mehr machen muss und deshalb bereit ist mehr zu konsumieren. An erster Stelle steht dabei natürlich die Gesundheit, doch auch Wohnen, Kultur und persönliches Wohlbefinden gewinnen an Bedeutung. Es ist Zeit, das Klischee vom „alten Knacker“ endlich abzulegen.
Ein Blick auf die Zahlen macht das deutlich. Allein die über 65-Jährigen verfügen im Rahmen der Longevity Economy über 363 Milliarden Euro – das entspricht etwa 17 % des italienischen BIP im Jahr 2024, Tendenz steigend. Hinzu kommt: Fast zwei Drittel des gesamten Vermögens im Land, ob beweglich oder unbeweglich, liegen in ihren Händen. Das kurbelt den Konsum weiter an, und was sie nicht ausgeben, geben sie an Kinder und Verwandte weiter. So wächst auch das Vermögen der heutigen über 40-Jährigen, ein Kreislauf, der die italienische Langlebigkeitswirtschaft weiter antreiben kann.
Die „Longevity Economy“ wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor, sowohl aufgrund der Anzahl der Menschen, als auch wegen des Geldes, das sie bewegen. Deshalb lohnt es sich zu verstehen, wie diese Menschen wirklich leben und konsumieren. Genau das haben Itinerari Previdenziali und Format Research untersucht: Was tun Rentnerinnen und Rentner? Wie leben sie? Was wünschen sie sich?
Das Ergebnis überrascht kaum: Der größte Wunsch der Italiener über 50 ist es, lange und möglichst gesund zu leben. Ihr Geld geben sie daher vor allem für Dinge aus, die genau dabei helfen. Die Zahlen bestätigen das: 50,5 % der über 5.000 Befragten setzen gesunde Ernährung an erste Stelle, gefolgt von Wohnen und Kleidung. Auch die Gesundheit spielt eine wichtige Rolle, denn immer mehr Menschen kaufen Blutdruckmessgeräte, Pulsmesser und ähnliche Instrumente. Doch es geht um mehr als nur Gesundheit, auch das Wohlbefinden zählt: Rund ein Viertel gibt Geld für Zeitungen, Bücher und Veranstaltungen aus, 24,6 % investieren in Schönheit und Körperpflege. Zwei Bereiche hingegen haben noch deutlich Luft nach oben: Hausautomation (3,7 %) und unterstützte Mobilität (2,3 %).
Beim Einkaufen bleibt das Geschäft vor Ort der wichtigste Bezugspunkt: 50,2 % der Befragten kaufen ausschließlich in traditionellen Läden ein, ein Drittel geht lieber mit Familie oder Freunden einkaufen, und nur 18 % kaufen online. Dieser Kanal wird zwar wachsen, dürfte aber – vor allem bei älteren Menschen – das Geschäft vor Ort kaum ersetzen.
Kein Wunder also, was sich die Befragten wünschen: Geschäfte und Dienstleister in der Nähe, die wirklich zur Lebensqualität beitragen. In Bergregionen wie Südtirol zählt das doppelt. Wer sich schwer fortbewegen kann, braucht Supermarkt, Apotheke, Post, Gesundheitszentrum und Steuerberatung in der Nähe. Auch kleine Läden wie Bäckerei, Feinkostgeschäft und Metzgerei sind für viele unverzichtbar. Technische Dienste wie Elektriker oder Non-Food-Geschäfte werden seltener genannt – wohl, weil man sie nur gelegentlich braucht.
Eines wird klar: Lebensqualität hängt nach wie vor stark davon ab, was sich in der Nähe befindet. Trotzdem ist das Klischee vom älteren Menschen, der nur an „Zuhause und Gesundheit“ denkt, längst überholt.
Was Rentnerinnen und Rentnern wirklich wichtig ist: schnell und einfach an die Dinge des Alltags zu kommen. Einkaufen, Behördengänge sowie das eigene körperliche und mentale Wohlbefinden sind zentrale Anliegen. Auch andere Umfragen bestätigen diesen Trend: Ältere Menschen wollen hochwertige und gesunde Produkte. Es ist kein Zufall, dass Alkohol und Tabak bei ihnen deutlich weniger verbreitet sind als bei jungen Leuten. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Konsum dreht sich um alles, was Körper und Geist guttut – auch in der Freizeit. Gerade ältere Menschen gehen häufig ins Thermalbad, um neue Kraft zu tanken. Sie nutzen die ruhigeren Reisezeiten und können das ganze Jahr über unterwegs sein, nicht nur in den klassischen Urlaubsmonaten. Und sie besuchen am häufigsten klassische Konzerte, Theateraufführungen, Museen und archäologische Stätten.
Das Bild, das entsteht, ist eindeutig: Es handelt sich um einen aktiven Teil der Gesellschaft und nicht nur um Menschen, die auf Hilfe warten, sondern Menschen, die bewusst auf sich selbst achten und genau wissen, was sie brauchen. Wer diese Bedürfnisse wirklich versteht und ernst nimmt, verwandelt sie in eine Chance für viele Unternehmen und für die gesamte Wirtschaft des Landes. Dann kann auch ein Kostenfaktor wie die Rente zur Triebfeder für das Bruttoinlandsprodukt werden.
Ein Beitrag von Alfred Ebner