Musik | ItaloKrautPop

Feminismus im Rhythmus der Musik

Principess machen Musik als Handwerk. Zwischen Wave-Sound und Feminismus hinterfragt das Trio Rollenbilder und liefert Antworten für den Alltag.
Principess
Foto: Principess
  • Sie nennen ihren Sound „ItaloKrautPop“, und wer Principess auf der Bühne erlebt, merkt schnell: Hier geht es nicht um glatte Inszenierung, sondern um eine handwerkliche Notwendigkeit. Im Gespräch mit Maria Moling und Teresa Staffler wird deutlich, warum ihr Feminismus kein theoretisches Konstrukt ist, sondern die direkte Antwort auf die Realitäten ihres Alltags. Das Trio - Maria Moling (Schlagzeug), Teresa Staffler (Keyboard/Orgel) und Julia Viechtl (Bass) - hat sich in München formiert. Sein Sound ist ein Statement der Reduktion: Wo andere auf die obligatorische Gitarre setzen, lassen Principess den Raum offen – für eine Orgel, die mal als harmonisches Rückgrat fungiert, mal in Wave-Manier durch den Raum schneidet. Unterlegt von Molings präzisen Beats und Viechtls pulsierenden Bassläufen, entsteht eine Atmosphäre, die an die Schrägheit des 80er-Jahre-Waves erinnert, inhaltlich aber knallhart in der Gegenwart verankert ist. 

  • (c) Principess

  • Feminismus als gelebte Praxis

    Dass ihre Texte Themen wie Rollenbilder, Hormone oder den Gender Pay Gap verhandeln, war keinem strategischen Masterplan geschuldet. „Es war nie so, dass wir von Anfang an gesagt haben, wir wollen nur feministische Songs schreiben“, erklärt Teresa Staffler im Gespräch. „Es waren einfach die Situationen und Erlebnisse, die wir im Proberaum gemeinsam besprochen haben und aus denen dann Songs entstanden sind.“ 

     

    „Vielleicht hat das mit Südtirol zu tun, mit dem Aufwachsen in Grenzregionen“

     

    Für Maria Moling ist das nur logisch „Wir sind in einer Generation, in der man gewisse strukturelle Probleme hinterfragt und wo man selber erst Sachen realisiert. Da findet viel Austausch statt und das verpacken wir dann in unserer Musik.“ Diese Hartnäckigkeit, gegen den Strom zu schwimmen, führen die Musikerinnen auch auf ihre Herkunft zurück. „Vielleicht hat das mit Südtirol zu tun, mit dem Aufwachsen in Grenzregionen“, reflektiert Moling. „Es ist so ein gewisser Durchsetzungsdruck, den man gewohnt ist.“ 

  • Maria Moling, Teresa Staffler und Julia Viechtl: Foto: Principess
  • Dass die Musikerinnen über ein fundiertes musikalisches Handwerk verfügen, ist unbestreitbar – doch im Studio ist diese Ausbildung fast schon hinderlich. „Alles, was man gelernt hat, zu vergessen, kann genauso ein Vorteil für uns sein“, sagt Moling. „Wenn wir so singen würden, wie wir es gelernt haben, würde das einfach nicht zu unserem Stil passen. Die Sound-Ästhetik einer Band ist eigentlich erst interessant, wenn es eigen klingt.“ Auch bei der Produktion lassen sie sich nicht verbiegen. Zwar ist Nico Sierig als Produzent eng mit der Band verbunden, doch die kreative Hoheit bleibt bei Principess. „Wir geben es nie komplett aus den Händen“, betont Staffler. „Die Maria ist maßgeblich an der ganzen Produktion beteiligt – es ist auf jeden Fall in unseren Händen.“ 

     

    Wir jammen rum. Es ist nie so, dass eine ein fertiges Lied mitbringt. 

     

    Bei der Entscheidungsfindung innerhalb des Trios gibt es keine starren Hierarchien. „Das Songwriting machen wir schon zusammen“, erklärt Moling. „Wir jammen rum. Es ist nie so, dass eine ein fertiges Lied mitbringt. Es gibt immer eine ‚Prinzip-Instanz‘, die entscheidet, ob es nach Principess klingt oder nicht.“ 

  • Die nächsten Live-Termine:

    12.Juni: Aachen, Kimiko Festival

    20.Juni: München, Voices United

    26.Juli: Murnau am Staffelsee, Kulturknall

    31.Juli: Odenwald, Sound of the For.

    27. November 2026 München, Milla

  • Zwischen „Shalala“ und dem Kino-Debüt

    Mit der neuen Single „Shalala“ adressieren sie jene Erschöpfung, die mit dem ständigen Erklären von Feminismus einhergeht. „Wir sind oft müde, das alles immer wieder darzulegen“, sagt Staffler augenzwinkernd. „Aber wenn es sein muss, sagen wir: Okay, wir erklären es dir eben noch einmal. Auch wenn es sich schon fast wie ein Endlosschleifen-Shalala anfühlt – wir machen es.“ 

     

    „Ich finde es auch gut, wenn es ungut was macht mit ihnen, damit die Leute irritiert sind. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Musik nichts macht.“

     

    Dass diese Botschaft ankommt, zeigen die Reaktionen nach den Konzerten. „Mich berührt es immer, wenn Frauen kommen und sich bedanken, dass wir ihre Gedanken aussprechen, über die sie schon seit Jahrzehnten nachdenken“, erzählt Moling. „Ich finde es auch gut, wenn es ungut was macht mit ihnen, damit die Leute irritiert sind. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Musik nichts macht.“ Neben der aktuellen Tournee gibt es im Herbst ein weiteres Highlight: Am 8. Oktober startet im deutschen Kino die Romanverfilmung „Lügen über meine Mutter“, an der Principess sowohl musikalisch beteiligt sind, als auch im Film selbst in Erscheinung treten. 

  • Foto: Principess