Politik | Hass im Netz

Alle bitte mal abkühlen!

Ob Frauen-Schwimmen in Salurn oder die Auseinandersetzung einer Politikerin mit dem Siegesdenkmal: Frauen werden im Netz oft mit Hass überzogen. Abkühlung täte hier gut.
Vor allem Frauen werden im Internet mit Hass überzogen: auch, wenn sie nur ins Schwimmbad gehen. Rupert Kittinger-Sereinig/ Pixabay

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Angesichts der jüngsten Vorfälle sah sich Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer genötigt, in einer Pressemitteilung den besseren Schutz für Menschen - sprich Frauen - einzufordern, die aufgrund ihrer öffentlichen Tätigkeit zum Ziel von Hass im Netz werden. Auch Politik sei Arbeit und müsse wie jede andere Arbeit frei von Beleidigungen, Drohungen und Einschüchterungen ausgeübt werden können, betont Hofer. „Es darf nicht sein, dass die Ausübung eines öffentlichen Mandats Risiken mit sich bringt, die in keinem anderen Beruf hinnehmbar wären“.

Die Gleichstellungsrätin stellt sich hinter die Forderungen des Landesbeirats für Chancengleichheit vom 31. Juli. Dazu gehören unter anderem eine Social-Media-Policy für Institutionen und digitale Medien sowie leicht zugängliche Anlauf- und Mediationsstellen für Betroffene digitaler Gewalt.

Auslöser der Stellungnahme sind die verbalen Angriffe gegen mehrere politisch engagierte Frauen in Südtirol, darunter Auers Gemeinderätin Fatima Ezzahra Ziyani, Vizepräsidentin der ANPI Silvia Pomella und Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa

Das erste, was man spürt, ist Scham.

Die Grünen-Politikerin erlebte erst vor einigen Tagen wieder eine Welle von Hasskommentaren unter ihrem Instagram-Post zum Bozner Siegesdenkmal. Darin spricht sie sich dafür aus, das Monument im Rahmen der europäischen ATRIUM-Route (Architecture of Totalitarian Regimes in Europe’s Urban Memory) als Teil einer kritischen Erinnerungskultur zu vermitteln. Was darauf folgte, war eine Flut an Beleidigungen sowie Verherrlichungen des Faschismus. Foppa hat nun gegen einige der Kommentare Anzeige erstattet.

Wie das denn so ist, wenn man Hassposts bekommt, wollte SALTO von Brigitte Foppa wissen und hat bei der Landtagsabgeordneten der Grünen nachgefragt: „Das erste, was man spürt, ist Scham“, sagt Foppa. „Aber ich habe gelernt, dass der Hater eigentlich immer von sich selbst spricht, und habe dann die Botschaften einfach umgedreht. Er beschimpft nicht mich, sondern sich“, so Foppa. 

Verwundert zeigt sich Foppa darüber, dass ein für sie harmloser und unpolemischer Post über das Siegesdenkmal eine solche Hasswelle ausgelöst hat. „Die heftigen Reaktionen haben mich dann wirklich überrascht. Die Kommentare waren sexistisch, frauenfeindlich und hasserfüllt“. 

Aus diesem Grund habe Brigitte Foppa diesmal nicht nur Anzeige wegen Bedrohung erstattet, sondern auch wegen faschistischer Wiederbetätigung. „Anzeige zu erstatten“, so Foppa, „ist eigentlich nicht so mein Ding, weil ich gewohnt bin, mich selber zu wehren. Aber ich habe mir dann irgendwann gesagt: Es geht hier nicht nur um mich, sondern auch darum, dass hier gegen Gesetze verstoßen wird.“

 

Wurde schon oft Opfer von Hass: Brigitte Foppa. „Ich habe gelernt, dass der Hater eigentlich immer von sich selbst spricht“ SALTO

Hass im Netz trifft Frauen besonders häufig. Die verbalen Angriffe richten sich meist nicht gegen bestimmte politische Positionen, sondern gegen das Geschlecht selbst – etwa durch herabwürdigende und sexistische Kommentare und Einschüchterungsversuche. Auch Angehörige der LGBTQIA+ Community, Menschen mit Migrationsgeschichte, sprachliche Minderheiten sowie andere öffentliche engagierte Personen sind zunehmend von digitaler Gewalt betroffen.

Mehrere betroffene Frauen haben in den vergangenen Monaten die sexistischen Beschimpfungen und Drohungen in den sozialen Medien öffentlich gemacht. Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer ermutigt alle Betroffenen, digitale Angriffe zu teilen und dadurch Sichtbarkeit zu schaffen für ein lange unterschätztes gesellschaftliches Problem. Darüber zu sprechen sei keine Schwäche, sondern der erste Schritt, um die Isolation zu durchbrechen.

So wie das etwa im Falle des Schwimmbades Salurn geschehen ist. Dort findet montagabends nach Schwimmbadschließung ein Frauenschwimmen statt. Als bekannt wurde, dass auch muslimische Frauen die Stunde nutzen, war der Aufschrei im Netz groß. „Parallelgesellschaft statt Inklusion“, „Wer sich integrieren will, hat so was nicht nötig“, lauteten die lautstarken Vorwürfe, die vor allem von Männern - aber nicht nur - vorgetragen wurden. Die Lega veranstaltete gar eine Pressekonferenz, um auf den vermeintlichen Missstand hinzuweisen - direkt vor dem Schwimmbad in Salurn.

SALTO hat an der Frauenschwimmstunde am vorvergangenen Montag teilgenommen und musste feststellen, dass es überhaupt keinen Grund zur Aufregung gab. Am vorgestrigen Montag nahm übrigens auch Brigitte Foppa am Frauenschwimmen in Salurn teil und erzählt: „So viel Frauensolidarität zu sehen, war einfach schön. Die Schwesterlichkeit war spürbar. Wenn Frauen zusammenhalten, haben sie eine Stärke, die man nicht so leicht bricht.“

In diesem Sinne kann man wirklich nur hoffen, dass sich die Gemüter in Zukunft nicht mehr so leicht erhitzen lassen. Auch, wenn noch weitere Hitzewellen übers Land ziehen. Abkühlung tut uns allen in jeder Hinsicht gut.