Umwelt | Klimawandel

Klima Club fordert radikale Wärmewende

Extremwetter zeigen die Folgen der Klimakrise: Der Klima Club Südtirol ruft zum schnellen Heizungswechsel auf und verweist auf attraktive Förderangebote des Landes.
Bild: Documerica und Julian Hochgesang, Unsplash; Montage: SALTO

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In einer Pressemitteilung spricht der Klima Club Südtirol den Betroffenen der jüngsten Extremwetterereignisse in Europa ihr Mitgefühl aus. Angesichts von mehr als 10.000 zusätzlichen Todesfällen durch die Westeuropa-Hitzewelle Ende Juni und mehr als 300.000 Menschen in Europa, die laut aktuellen Daten aufgrund von Waldbränden derzeit auf der Flucht sind, fordert der Verein eine „radikale Wärmewende“. 

Konkret drängt der Klima Club auf einen schnellen Ausstieg aus fossilen Heizungen in Südtirol – und verweist dabei auf die Landesförderung, die bis zu 80 Prozent der Kosten übernimmt.

Die jüngsten Extremereignisse würden die immer gravierender werdenden Auswirkungen des Klimawandels zeigen: Katastrophen wie Hitzewellen und Waldbrände nehmen aufgrund der fortschreitenden Erderwärmung zu, wie wissenschaftliche Studien belegen. Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden, brauche es daher jetzt „entschlossenes und rasches Handeln“. Der Verein verweist darauf, dass rund 80 Prozent der Erderwärmung auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückzuführen sind.

Wetter in extremis: An Bilder flächendeckender Waldbrände in Südeuropa im Sommer hat man sich bereits gewöhnt. (Symbolfoto) Özgür Sürmeli/Pexels

„Großer Handlungsbedarf“ in Südtirol

Auch bei uns müssten mehr Gegenmaßnahmen gesetzt werden, mahnt der Klima Club: Mehr als 50 Prozent aller Heizungen in Südtirol werden noch immer mit fossilen Energieträgern betrieben – insbesondere mit Erdgas. Deswegen fordert der Verein „einen konsequenten und möglichst schnellen Ausstieg aus fossilen Heizsystemen“. Innerhalb der Südtiroler Bevölkerung zeige sich auch Interesse daran: Immer mehr Haushalte im Land ersetzen ihre Gasheizung durch klimafreundliche Alternativen. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Landesförderungen für Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen deutlich gestiegen. Bis Ende Juni seien bereits 1.750 Förderanträge eingereicht worden – „rund 450 mehr als ursprünglich erwartet“, hieß es von Seiten der Provinz in der vergangenen Woche. Gegenüber dem Vorjahr entspreche dies einem Anstieg von 16 Prozent, im Vergleich zu 2024 sei das eine Verdoppelung.

Die Nachfrage nach Landesförderungen für Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen soll deutlich gestiegen sein. SALTO / Alin Sellemond

Der Klima Club merkt an, dass das Land Südtirol bereits mit mehr finanziellen Mitteln auf diese Entwicklung reagiert habe: Aus dem Nachtragshaushalt des Landtages – der am 22. Juli beschlossen wurde – seien aufgrund der hohen Nachfrage 32 Millionen Euro in die Aufstockung der Fördermaßnahmen im Energiebereich abgezweigt worden.

Der Landesrat für Energie und Klimaschutz, Peter Brunner (SVP): „Die hohe Zahl an Förderanträgen zeigt, dass die Südtirolerinnen und Südtiroler bereit sind, in Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu investieren.“ LPA / Fabio Brucculeri

Der zuständige Landesrat Peter Brunner (SVP) zeigt sich erfreut über die zusätzlichen Gelder: „Für 2026 haben wir die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, damit alle Anträge, die die Förderkriterien erfüllen, berücksichtigt werden können“, sagt Brunner. Über die Ausgestaltung der Förderungen in den darauffolgenden Jahren werde jeweils im Rahmen der Haushaltsplanung und unter Berücksichtigung der verfügbaren Mittel entschieden. Der Landesrat erklärt, dass die derzeitige Förderquote Teil der aktuell geltenden Förderregelung sei, die auf mehrere Jahre angelegt wurde. 

Immer mehr Extremwetterereignisse

Auch zu den Murenabgängen am vergangenen Wochenende äußert sich Landesrat Brunner: „Die Bilder und Berichte der vergangenen Tage haben mich tief betroffen gemacht. Mein erster Gedanke galt den betroffenen Menschen, den Einsatzkräften und allen, die in kurzer Zeit mit einer äußerst schwierigen Situation konfrontiert waren.“ Extremwetterereignisse werden künftig aller Voraussicht nach häufiger und intensiver auftreten. Darauf verwies auch der Klimaexperte und Wissenschaftler Georg Kaser in einem SALTO-Artikel: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass in naher Zukunft lokale extreme Niederschläge Hochwasser, Muren und Steinschläge nach sich ziehen, vor denen verbaute Zonen nicht mehr schützbar sein werden.“

Nicht der erste Murenabgang 2026: Bereits Anfang Juli kam es oberhalb von Meran zu schweren Verwüstungen durch Schlamm und Geröll. DO/SALTO

Kasers Forderung, „Schutzstrategien neu denken“ zu müssen, scheint Landesrat Brunner nachkommen zu wollen: „Für ein gebirgiges Land wie Südtirol bedeutet das, dass wir uns noch stärker mit Fragen der Klimaanpassung und des Risikomanagements auseinandersetzen müssen“.

Deshalb verfolge die Landesregierung zwei Ansätze: Einerseits müsste der Klimaschutz konsequent vorangetrieben werden. „Andererseits müssen wir unsere Gemeinden, Infrastrukturen und Siedlungsräume widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen“, so Brunner. Dazu zähle eine vorausschauende Raumplanung, Investitionen in Schutzmaßnahmen, die Sicherung natürlicher Retentionsräume sowie eine fundierte Analyse von Naturgefahren.

Der konkrete Appell

Der Klima Club Südtirol wiederholt diesbezüglich die Empfehlung, dass alle Südtiroler Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer „möglichst rasch auf erneuerbare Heizsysteme“ umsteigen und die „sehr großzügigen Landesförderungen von bis zu 80 Prozent in Anspruch“ nehmen sollten. Vor allem beim Heizen habe das Land alle Voraussetzungen für eine schnelle Energiewende – von ausgereifter Technik über Fachwissen bis hin zu starken Förderungen. „Jetzt gilt es, diese Chancen konsequent zu nutzen – für den Klimaschutz, für mehr Versorgungssicherheit und für die kommenden Generationen“, schließt der Klima Club.