Gesellschaft | Social-Media-Verbot

Mit KI und VPN leicht zu umgehen

Landesrat Philipp Achammer bringt ein Social-Media-Verbot für Südtirol erneut ins Gespräch. Das ist aber leichter gesagt als getan.
Mädchen am Tablet: Inhalte ohne Hass, Gewalt und Pornographie und ohne süchtig machende Mechanismen Bild: Vitaly Gariev/ Unsplash

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Landesrat Philipp Achammer spricht sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder aus. Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen seien auch für Südtirol nötig. Kinder und Jugendliche müssten  vor den Gefahren, die von zahlreichen Social-Media-Plattformen ausgehen, besser geschützt werden. „Es geht hier vor allem um das Recht der Kinder auf ein gesundes Aufwachsen – besonders was die mentale und seelische Gesundheit betrifft. Darum bin ich für ein Verbot, denn der Kinderschutz steht über allem“, so Achammer

Frankreich hat zuletzt ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren eingeführt, Österreich strebt ein Nutzungsverbot von süchtig-machenden Plattformen für unter 14-Jährige an. 

„Die Plattformen haben ja kein Interesse am Verbot, daher sind die Kontrollen relativ lax.“

Manuel Oberkalmsteiner, Co-Koordinator Digitale Lebenswelten beim Forum Prävention in Bozen gibt auf Anfrage von SALTO allerdings zu bedenken, dass ein solches Verbot bestimmte technische Hürden überwinden müsse. Die Erfahrungen, die man in Australien mit dem Social-Media-Verbot mache, zeigten nämlich, dass es verhältnismäßig leicht umgangen werden könne, beispielsweise mit VPN (Virtual Private Network). Der Datenverkehr wird in diesem Fall verschlüsselt und über einen Server in einem Land geleitet, in dem die Plattformen erlaubt sind. Auch mithilfe KI-generierter Ausweise ließe sich ein Verbot umschiffen. „Die Plattformen haben ja kein Interesse am Verbot, daher sind die Kontrollen relativ lax“, so Oberkalmsteiner. 

Hinzu komme die Privacy-Problematik. „Wie kann man sicherstellen“, fragt Oberkalmsteiner, „dass Jugendliche ihr Alter preisgeben und sonst nichts?“ Hier brauche es zuverlässige technische Lösungen.

Signalwirkung gut, technische Umsetzung schwierig: Manuel Oberkalmsteiner vom Forum Prävention findet ein wirksames Social-Media-Verbot leichter gesagt als getan. Forum Prävention

Gut an der Diskussion um ein Verbot findet Oberkalmsteiner die gesellschaftliche Signalwirkung, die davon ausgehe. „Das Signal für Jugendliche lautet: Passt auf und geht vorsichtig mit sozialen Medien um, für Eltern heißt es: beschäftigt euch bitte mit den Inhalten, die eure Kinder konsumieren.“

Der beste Weg einer Regulierung von Sozialen Medien ist für Oberkalmsteiner aber der, den die EU zu gehen versucht, und zwar über den so genannten Digital Services Act. „Die EU will die Plattformen und ihre Algorithmen und Mechanismen regulieren“, so Oberkalmsteiner. Die Plattformen müssten demnach dafür sorgen, dass sie sicher sind. Sie stünden in der Verantwortung, Inhalte ohne Hass, Gewalt und Pornographie und ohne süchtig machende Mechanismen bereit zu stellen. 

Aufgabe des Staates ist es dann „nur“ noch zu kontrollieren, ob sich Meta & Co. auch an diese Auflagen halten und Strafen zu erlassen, wenn das nicht der Fall ist.