Kunst | Ausstellung

Unausgesprochenes

In der St. Leonhard-Kirche in Kollmann werden drei Kunstpositionen ausgestellt. Die Ausstellung nicht zu besichtigen oder zu besprechen wäre fatal. Fast eine Sünde.
Bild: Zwischenwachen

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„ich halte es für angemessen und zugleich für eine ehre, euch über die ausstellung in der leonhardkirche in kollmann in kenntnis zu setzen“, schreibt der Künstler Peter Verwunderlich in seinem vor wenigen Tagen verfassten Schreiben – in ausführlichen Worten und Kleinbuchstaben – an Galeristen, Kuratoren, Interessierte und Journalisten.

Zum Künstlerbund-Monopolismus

Magdalena Penn: Freischaffende Künstlerin aus Südtirol. Arbeitet im Geist der Art Brut. „Meine Malerei entsteht aus dem Moment heraus – intuitiv, roh und ohne akademische Vorgaben. Ich arbeite mit Acryl und erweitere die Malfläche durch unkonventionelle Materialien wie Kaffee, Sand und Tinte, die den Bildern eine körperliche, fast archaische Textur geben.“ Privat

Wenig verwunderlich bekommt dann erst einmal der Südtiroler Künstlerbund sein Fett weg, wenn Verwunderlich über den „großen, gemischten und durchaus richtungsweisenden gesellschaftlichen verbund“ schreibt und dessen „Außenstellen“ Galerie Unterland, Rathausgalerie Brixen und ECK Bruneck auflistet. Es hätte doch jemand von den Verantwortlichen, so der Wortlaut Verwunderlichs, „den weg nach kollmann finden können“, denn „in der leonhardkirche in kollmann ausstellen zu dürfen, war für mich eine besondere ehre und große freude.“

Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Künstlerin Magdalena Penn – sie hat sich bereits zweimal um die Aufnahme in den Südtiroler Künstlerbund beworben und wurde beide Male abgelehnt – sowie den Künstler Kurt Mayrgündter.

„ich darf auch erwähnen“, schreibt Verwunderlich weiter, „dass diese ausstellung frei von jeglichen verboten, einschränkungen oder sonstigen vorgaben stattfinden konnte“, etwas, das in den oben genannten, mit öffentlichen Geldern geförderten Galerien und Institutionen in dieser Form kaum möglich sei. „entsprechende erfahrungen habe ich im laufe der jahre mehr als ausreichend gesammelt.“

Pedevillas unter sich

Peter Paul Pedevilla alias Peter Verwunderlich: „ich habe mich selbst nie vergessen und bin trotzdem künstler und mensch geblieben.“ Zwischenwachen

Peter Paul Pedevilla alias Peter Verwunderlich ist es nun ein besonderes Anliegen, „die kompetente“ Kunst- und Kulturwelt Südtirols mit Nachdruck daran zu erinnern, dass bereits in den Jahren 1668 bis 1740 ein Maler namens Nikolaus Pedevilla gelebt und gearbeitet hat.

„zum ersten mal wurde ich im jahr 1980 während meiner ausstellung ismus im ehemaligen friseursalon, den heutigen räumen der rathausgalerie brixen, von prof. Karl Gruber (1943–2022), priester, kunsthistoriker und professor für christliche kunst und denkmalpflege in brixen, darauf hingewiesen. Dieser sagte unter anderem, er hätte bereits einmal über einen Maler Pedevilla geschrieben, und über einen zweiten werde er nicht mehr berichten'.“ Gruber erwarb stattdessen die Tuschezeichnung der frauliche baum in pumphosen (1979) sowie das Ölgemälde der vermauerte augenblick (1978).

„diese erinnerung erfüllt mich bis heute mit besonderer zufriedenheit. denn sie zeigt, dass ich – wenn auch zeitlich um jahrhunderte versetzt – denselben namen in einer eigenständigen, zeitgenössischen und künstlerischen ausdrucksweise weiterführen durfte“, schreibt ein verwunderter Verwunderlich und weist kritische Stimmen zurück: „wer an der namensgleichheit zweifelt, dem empfehle ich einen blick in die gemeindeunterlagen von enneberg.“ Ob das etwas über „die christlich geprägte malerische ausdrucksweise“, die sich „auf ihre eigene weise mit einer historischen tradition verbindet“, aussagt? Vielleicht.

Zwischenwachen

Kurt Mayrgündter: Seine Arbeiten „erscheinen nicht als dekorative Objekte, sondern als rätselhafte Relikte“, heißt es in der Aussendung. Privat

Nun aber zur Ausstellung. Sie versammelt drei künstlerische Positionen, „die sich im Spannungsfeld von Material, Imagination und Erinnerung bewegen“. Im Zentrum steht eine archaisch wirkende Bild- und Formsprache. Gemeinsam ist den Arbeiten ein Interesse am Unausgesprochenem, an emotionalen, gesellschaftlichen und imaginären Zwischenräumen, die sich einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen. „Kunst wird hier zur Übersetzung innerer Zustände, kollektiver Prägungen und spekulativer Erinnerungen in eine eigenständige visuelle Sprache.“ 

Mit seinem Schreiben macht einer der Künstler jedenfalls ausdrücklich darauf aufmerksam, die Ausstellung in der St.-Leonhard-Kirche in Kollmann zu besuchen. Sie ist noch bis einschließlich 6. August zugänglich.

Abschließend sei angemerkt, dass es viele Möglichkeiten gibt, auf eine Ausstellung aufmerksam zu machen. Doch diese aus dem Hause Verwunderlich erscheint durchaus selbst als performatives Kunstwerk. Alle Achtung.

Mehr Interesse als an einer Hl. Messe

Die Vernissage wurde mit einer musikalischen Intervention des Baritons Pierangelo Sabbadini begleitet. Geöffnet bleibt die Ausstellung bis 7. August (jeweils mittwochs und freitags von 15 bis 17 Uhr in der Leonhardskirche Kollmann, St. Leonhard 22).