Gesellschaft | Bozen

Die Woche der Zwangsräumungen

Nach fünf Zwangsräumungen entlang des Eisack in drei Tagen folgt nun die nächste. Nach der Räumung eines Gebäudes in der Schlachthofstraße wurden 19 Personen wegen Hausbesetzung und Sachbeschädigung angezeigt.
Bild: Gemeinde Bozen

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Nach einer Zwangsräumung in Bozen kam es gestern (am 2. September) zur Anzeige von 19 Personen, die wegen Hausfriedensbruch, Hausbesetzung und Sachbeschädigung verantwortlich gemacht werden. Nach einer Meldung in der Zentrale räumten Polizeistreifen drei Gebäude in der Schlachthofstraße. Die Beamten hatten festgestellt, dass die Zugänge zu den Gebäuden mit verschweißten Metallgittern versperrt worden waren. Verschiedene Abfälle, persönliche Gegenstände und Zelte deuteten laut der Quästur von Bozen darauf hin, dass die Gebäude unrechtmäßig als vorübergehende Unterkunft genutzt worden waren. Die anwesenden Personen wurden aufgefordert, ihre persönlichen Gegenstände einzusammeln und die Gebäude zu verlassen. Bei einigen Personen habe zudem bereits ein Aufenthaltsverweis aus der Gemeinde Bozen vorgelegen, erklärte die Quästur.

Schock eines obdachlosen Saisonarbeiters: „Sie haben alles weggebracht.“ Bozen Solidale

Die Aktion folgt auf eine Reihe von Räumungsaktionen der Gemeinde Bozen. Die erste davon Ende August, bei der die Zelte von obdachlosen Personen entlang des Eisacks entfernt wurden. Die Organisation „Bozen Solidale“ spricht auf sozialen Medien einige Tage später von der fünften Zwangsräumung in drei Tagen. Bei den wohnungslosen Personen würde es sich oft um Saisonarbeiter handeln, die sich eine Wohnung nicht leisten können. 

Ein Betroffener erzählt im Gespräch mit Bozen Solidale, dass er seit mehr als 10 Monaten in Bozen als Reinigungskraft arbeite: „Ich schlafe unter der Brücke in der Reschenstraße. Gestern bin ich nach der Arbeit wiedergekommen, da waren mein Zelt und meine Kleidung weg. Sie haben alles weggebracht.“ Die Organisation bestätigt, mit eigenen Augen miterlebt zu haben, wie die persönlichen Gegenstände beschlagnahmt und zerstört wurden. Sie fordern den Bozner Bürgermeister, Claudio Corrarati, auf, eine Notfallstruktur für die verwiesenen Personen zu eröffnen.

Die Gemeinde Bozen nennt die „Räumungsarbeiten“ in einer Pressemitteilung hingegen eine Maßnahme, um „die Uferbereiche des Eisack wieder uneingeschränkt zugänglich machen, Verwahrlosung vermeiden und überall die gebührende Sicherheit gewährleisten.“ 

Der gravierende Mangel an leistbarem Wohnraum für Erwerbstätige in Bozen wird schon länger diskutiert. Zimmer in der Reschenstraße werden aktuell für rund 700 Euro angeboten, da bleibt der Platz unter der Brücke für manche die einzige Option.

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