Kinderspielplätze gefährdet?
-
Eine Presseaussendung der Bürgerliste Natz-Schabs sorgt am heutigen Montagmorgen für Aufruhr: Laut ebenjener ging aus einer Auswertung der Daten der Südtiroler Sanitätsbehörde durch PAN Europe (Pesticide Action Network) von Ende März hervor, dass bei zwei Kinderspielplätzen in Natz-Schabs – Viums und Natz (Hintersun) – eine erhöhte Konzentration des Pestizids Fluazinam vorherrscht. Jeweils 0,023 mg/kg und 0,015 mg/kg wurden nachgewiesen. „Die starke Giftbelastung auf den zwei Spielplätzen ist nicht nur eine Gefährdung für die Kinder, sondern auch aufgrund der Überschreitung der EU-Grenzwerte für Lebensmittel schädlich für das Gemüse/Obst aus den Privatgärten im Umfeld der betroffenen Spielplätze“, heißt es in der Presseaussendung.
-
In der Mitteilung an die Medien wird auch der Präsident von PAN Europe, Koen Hertoge, mit folgenden Worten zitiert: „Die Grasproben aus Natz-Schabs bestätigen, dass weder die Spielplätze noch die privaten Gärten im Umfeld der Spielplätze ausreichend vor Abdrift und Pestizidrückständen geschützt sind. Dringender Handlungsbedarf ist geboten.“ In seiner ursprünglichen Pressemitteilung richtete Hertoge seinen Appell insbesondere an die Landesregierung: Diese müsste sofort handeln und wirksame Maßnahmen ergreifen.
Die Bürgerliste Natz-Schabs wirft hingegen dem Bürgermeister Alexander Überbacher (SVP) in dieser Angelegenheit Untätigkeit vor: Trotz mehrfacher Nachfragen habe es bisher keine Antwort und keine Reaktion des Bürgermeisters gegeben.
Der Bürgermeister dementiert dies auf Nachfrage von SALTO: Weder er noch die Gemeinde habe eine offizielle Mitteilung des Sanitätsbetriebs oder von PAN Europe bezüglich der Erhebungen erhalten. „Das ist typisch: Die Bürgerliste macht Aussendungen und unterstellt mir unwahre Dinge. Falls Übertretungen vorhanden sein, werden wir informiert werden“, meint Überbacher. Nachdem er von mehreren Pressevertretern kontaktiert wurde, habe er den zuständigen Landwirtschafts-Referenten Helmut Plaikner angewiesen, sich der Sache anzunehmen. „Danach werden wir evaluieren, ob unmittelbarer Handlungsbedarf vorliegt oder nicht“, so Überbacher.
-
Im Juni 2025 wurden die Pestizid-Werte an Kinderspielplätzen in mehreren Südtiroler Gemeinden vom Südtiroler Sanitätsbetrieb untersucht. Laut der Auswertung von PAN Europe vom März 2026 waren 60 % der untersuchten Grasproben belastet. Das Fungizid Fluazinam wurde besonders häufig nachgewiesen. „Das liegt daran, dass dieses Pestizid Anfang Juni im Obstbau eingesetzt wird“, erläutert Plaikner gegenüber SALTO. Laut PAN Europe sei aber insbesondere der Zeitpunkt der Belastung alarmierend: Gerade im Juni würden die Spielplätze intensiv genutzt werden und es sei nicht akzeptabel, dass Kinder auf Spielplätzen mit Pestizidmischungen in Kontakt kommen können.
Die Werte in Natz-Schabs und in den anderen Südtiroler Gemeinden seien laut Landwirtschaftsreferent Plaikner knapp über der Nachweisgrenze, welche bei 0,01 mg/kg liegt. Die EU legt grundsätzlich Grenzwerte fest: Bei Tomaten liegt die Höchstgrenze beispielsweise bei 0,3 mg/kg, bei Zwiebeln 0,5 mg/kg und bei Äpfeln bei 0,05 mg/kg. „Die in Natz-Schabs gemessenen Werte sind überall deutlich unter allen anderen Grenzwerten für Obst und Gemüse“, meint Plaikner. Allerdings wurde für Salat kein Grenzwert festgelegt, da die Herstellerfirma von Fluazinam keine Zulassung für jenes Gemüse bei der EU veranlasst hat, weswegen automatisch die Nachweisgrenze gilt. „Koen Hertoge, der Präsident von PAN Europe, orientiert sich an ebenjener Kultur ohne eigens festgelegte Grenzwerte und bezeichnet die Konzentration als gefährlich. Hier wurde der Grenzwert zwar überschritten, aber von mir aus gesehen hat das aufgrund der fehlenden Festlegung nichts mit Gefährlichkeit zu tun“, so Plaikner.
-
Die Aussagen von Hertoge von PAN Europe genauso wie die der Bürgerliste seien laut ihm „typische Panikmache“ und es wird versucht eine Gefahr zu suggerieren, die gar nicht vorhanden sei, um daraus politisches Kapital zu schlagen.
Bei anderen Spielplätzen in Obstbaugemeinden (insbesondere im Unterland) seien die Werte im Vergleich zu Natz-Schabs höher, wenn auch weiterhin im niedrigen Bereich. In der Umgebung der Spielplätze von Natz-Schabs gebe es zwar einige Obstbauanlagen, aber nicht direkt angrenzend. „Es gab keine Regelverstöße von Obstbauern, weil die Abstände zu den Spielplätzen zu groß sind. Deswegen kann man hier nicht von einem Versäumnis sprechen, insbesondere wenn der Sanitätsbetrieb die Werte als unbedenklich einstuft. Die Gemeinde kann die Spritzmittel nicht verbieten und hat daher in dieser Sache keinen Handlungsspielraum“, sagt Plaikner.
-
Weitere Artikel zum Thema
Umwelt | SilandroFluazinam is in the air
Umwelt | FitosanitariCancerogeno anche a basse dosi
Umwelt | InquinamentoTroppi pesticidi nelle acque/2
Die Obstbauern in der…
Die Obstbauern in der Gemeinde Natz-Schabs müssen Gift spritzen, damit sie ihre Äpfel verkaufen können. Wenn das Gift dann zufällig auch auf den Kinderspielplätzen und in den privaten Gemüsegärten landet, dann ist das ein sogenannter Kollateralschaden, den die Natzner opferwillig hinnehmen müssen, wenn sie nicht das Einkommen ihrer Obstbauern gefährden wollen.
Antwort auf Die Obstbauern in der… von Hartmuth Staffler
Bitte kennzeichnen Sie Ihren…
Bitte kennzeichnen Sie Ihren Kommentar als Satire. Oder doch ernst gemeint?
Antwort auf Bitte kennzeichnen Sie Ihren… von Stereo Typ
Ist bestimmt nicht Satire!
Ist bestimmt nicht Satire!
Antwort auf Bitte kennzeichnen Sie Ihren… von Stereo Typ
Es ist eine sehr ernst…
Es ist eine sehr ernst gemeinte Satire.
... nicht nur die eigenen…
... nicht nur die eigenen Äpfel, die Dörfer werden gleichzeitig mit-geduscht ...!!! ...???