„Werte, die aufgefrischt werden müssen“
Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!
Jetzt S+ abonnierenOb beim Einkauf, in der Landwirtschaft, im Kreditwesen, in der Pflege, im Wohnbau oder bei sozialen Diensten. Genossenschaften gehören in Südtirol zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag. Zwischen anderen Unternehmen sind sie unauffällig, und doch zeichnet sie in der Wirtschaftslandschaft eine Besonderheit aus: ein Unternehmertum, das den Menschen ins Zentrum stellt. Ob nach außen gerichtet, wie etwa im Pflege- und Sozialbereich, oder in genossenschaftsinternen Strukturen von Arbeitsgenossenschaften mit unternehmerischer Ambition – Menschlichkeit und Solidarität sind zentral, Entscheidungen werden demokratisch getroffen.
Zum Internationalen Tag der Genossenschaften am heutigen 4. Juli verweist das Amt für Genossenschaftswesen deshalb auf ihre Bedeutung für Arbeit, regionale Kreisläufe und sozialen Zusammenhalt.
Der Blick auf die Zahlen zeigt allerdings auch einen Rückgang. Waren 2015 noch 1.046 Genossenschaften im Landesregister eingetragen, sind es Ende 2025 noch 811. Das entspricht einem Minus von 235 Genossenschaften – also rund 22 Prozent in zehn Jahren. 789 davon gelten laut Land als aktiv, 22 befinden sich in Liquidation.
Dennoch gibt es Anlass zum Optimismus, sagt Coopbundpräsidentin Monica Devilli: „Wir gehen mit Zuversicht in die Zukunft. Wichtig ist, dass wir als Verbände zusammenhalten und schauen, dass unsere Genossenschaften für die Zukunft gewappnet sind. Dazu müssen wir uns auch mit den jungen Generationen auseinandersetzen!“
Optimismus trotz rückläufiger Zahlen
Besonders stark fällt der Rückgang bei den Wohnbaugenossenschaften aus. Ihre Zahl sank von 187 im Jahr 2015 auf 64 im Jahr 2025. Auch bei den Raiffeisenkassen beziehungsweise Kreditgenossenschaften ist ein Rückgang zu verzeichnen: von 47 auf 41. Landwirtschaftliche Anlieferungs- und Zuchtgenossenschaften gingen von 96 auf 84 zurück, Konsumgenossenschaften von 15 auf 11.
Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen das Genossenschaftsmodell gewachsen ist. Produktions- und Arbeitsgenossenschaften stiegen im selben Zeitraum von 181 auf 308. Auch Sozialgenossenschaften legten zu: von 208 im Jahr 2015 auf 233 Ende 2025. Davon sind 71 Sozialgenossenschaften des Typs B, die gezielt die Arbeitsintegration von Menschen mit Benachteiligungen fördern. Das Modell bleibt also gerade dort stark, wo soziale Dienstleistungen, Pflege, Integration oder auch Regionalentwicklung ineinandergreifen. Bereiche, in denen rein marktwirtschaftliche Modelle an Grenzen stoßen.
Diese Qualitäten bieten trotzdem Anlass zum Optimismus, erklärt Monica Devilli, Präsidentin des Genossenschaftsverbands Coopbund Alto Adige Südtirol.
Wertevermittlung durch Genossenschaften
Für Monica Devilli ist der Rückgang nicht eindeutig als Schwächung des Genossenschaftswesens zu lesen. „Es könnten in den Jahren auch Fusionen entstanden sein oder Unternehmen, die die harten letzten Jahre nicht geschafft haben, sind aufgelöst worden, so ist das nunmal in der Unternehmenswelt. Zudem sind auch nicht aktive Genossenschaften aussortiert worden“, sagt Devilli. Hier sei Kontrolle nicht nur eine formale Aufgabe, sondern auch ein Schutz für die Glaubwürdigkeit des Modells.
Gerade diese Glaubwürdigkeit ist für Devilli zentral. Genossenschaften stünden für Demokratie, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und Solidarität. Werte, die durch das Genossenschaftswesen hervorragend vermittelbar seien. „Das sind Werte, die müssen wir auffrischen“, sagt die Coopbund-Präsidentin.
„Genossenschaften verbinden wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung. Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich ihre besondere Stärke.“
Während die Landeszahlen insgesamt rückläufig sind, verweist Devilli für den eigenen Verband auf eine andere Entwicklung. Coopbund vertrete über 250 genossenschaftliche Unternehmen und in den vergangenen fünf Jahren seien im Umfeld des Verbands jährlich rund 15 bis 20 neue Genossenschaften gegründet worden. Auch sie bestätigt, dass die Entwicklung vor allem im sozialen Bereich besonders stark sei. Rund 80 Prozent der Südtiroler Sozialgenossenschaften würden von Coopbund vertreten, betreut oder begleitet.
Gerade dort sieht Devilli die Zukunft des Genossenschaftsmodells. Sozialgenossenschaften seien in vielen Bereichen tätig: Kinderbetreuung, Altenpflege, sanitäre Dienste, Schule, Arbeitsintegration und soziale Dienstleistungen im weiteren Sinn. Bereiche, in denen die Nachfrage seit Jahren größer ist als das Angebot. Das Potenzial, zukünftig Arbeitsplätze zu sichern, lokale Kreisläufe zu stärken und zur Versorgungssicherheit beizutragen, sei beträchtlich, so Devilli.
Dies hebt auch Soziallandesrätin Rosmarie Pamer hervor: „Genossenschaften verbinden wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung. Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich ihre besondere Stärke.“
Erwirtschaftete Werte in den…
Erwirtschaftete Werte in den Genossenschaften gehören den Mitgliedern + müssen / sollten über die wirtschaftliche Gestaltung den Mitgliedern zukommen.
Leider gibt es immer wieder schräge Fälle in denen der Vorstand oder Geschäfts-Führer + im schlimmsten Fall sogar beide versagen.
Im krassesten Fall hat ein Geschäftsführer nicht nur über Jahre den Betrieb Grotten-schlecht geführt, mit der ...??? Hilfe des Obmannes hat er sich die Vermarktung an die Gastronomie, zu 1/30stel des tatsächlichen Wertes unter den Nagel gerissen.