Umwelt | Mobilität

„Sind Umfahrungen immer sinnvoll?“

Lärm, Abgase, Stau: Umfahrungsstraßen seien nicht immer die beste Lösung, meint Klauspeter Dissinger der Umweltinitiative „Oldies for Future“. Der Vorsitzende der Rentnergruppe plädiert in einem offenen Brief für umweltschonendere und moderatere Maßnahmen.
Verkehrsstaus in Mauls: Über die geplante Umfahrung wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Bild: Seehauserfoto

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

Vorbeirauschende Autos, Abgase und Lärmbelästigung: Dass Anrainerinnen und Anrainer unter stark befahrenen Straßen leiden, ist für die Südtiroler Umweltinitiative „Oldies for Future“ nachvollziehbar. Ihr Vorsitzender Klauspeter Dissinger versteht den Wunsch nach Entlastung, stellt in einem offenen Brief aber die Frage: Sind neue Umfahrungsstraßen immer die beste Lösung?

Nein, meint er. Bei stark befahrenen Straßen seien Umfahrungen durchaus sinnvoll – trotz erheblicher Eingriffe in Natur- und Kulturlandschaft und trotz Flächenversiegelung. Bei Straßen mit geringerem Verkehrsaufkommen gäbe es allerdings häufig umweltschonendere und kostengünstigere Alternativen.

Dafür bringt der Umweltschützer zwei Beispiele: Mauls und Schabs.

Die Oldies for Future: fordern umweltschonendere und kostengünstigere Alternativen zu Umfahrungsstraßen. Ludwig Thalheimer

Nach Angaben des Vorsitzenden der Rentnerinitiative passieren den Ort Mauls durchschnittlich rund 5.000 Fahrzeuge täglich. An  Sommerwochenenden steige das Verkehrsaufkommen infolge von Überlastung auf der Brennerautobahn auf bis zu 12.000 Fahrzeuge an. Anstatt in die Natur einzugreifen und eine weitläufige Umfahrung durch die Wiesen entlang des Eisacks zu errichten, schlägt Dissinger vor, den Ausweichverkehr bereits an der Autobahn einzuschränken. Als Vorbild nennt er Nordtirol, wo an stark belasteten Wochenenden die Ausfahrt nur für den Zielverkehr erlaubt wird. Zusätzlich genüge es, die Gehsteige zu erweitern sowie Tempo 30 im Dorf einzuführen, um die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern, meint der ehemalige Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz.

Auch die geplante Umfahrung der Zufahrtsstraße zwischen Brixen und der Pustertaler Straße, die Schabs vom Durchgangsverkehr entlasten soll, sehen die „Oldies“ kritisch. Nach Dissingers Einschätzung würde die neue Trasse in Kultur- und Naturlandschaft eingreifen – auch hier sei die Einführung einer 30er Zone eine wesentliche Entlastung.

Darüber hinaus fordert er einen stärkeren Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie eine bessere finanzielle Unterstützung für Elektromobilität, um Schadstoffe und Lärmbelastung deutlich zu reduzieren und dem Klima- und Mobilitätsplänen gerecht zu werden.