Aldo, der Hausmeister aus Marokko
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Jetzt S+ abonnierenAbdelouahed Bouslim wird in Italien von den meisten „Aldo“ genannt. Der 65-Jährige wanderte vor rund 30 Jahren aus Marokko aus und arbeitet seit 1997 in der „Villa Tivoli“ in Meran. Das Vier-Sterne-Hotel mit individuell gestalteten Gästezimmern und Apartments führt Rudi Defranceschi, Mitglied der Meraner HGV-Ortsgruppe.
Der Fotograf und ich treffen Defranceschi und Bouslim in der Eingangshalle des Hauptgebäudes mit schweren Sofamöbeln und grünen Topfpflanzen. Das Hotel besteht aus drei Gebäuden, Schwimmbädern und Park und wurde 1880 ursprünglich als „Restaurant Café Nussdorf“ eröffnet. In den 1920er Jahren gab ihm ein italienischer Unternehmer den Namen „Tivoli“ in Anspielung an seine Geliebte aus Tivoli bei Rom.
Es ist kurz nach 15 Uhr, Schichtbeginn für Bouslim. Der Marokkaner packt als Hausmeister überall an, wo es seine Hilfe braucht. Er trägt die Koffer der Urlaubsgäste in die Zimmer, reinigt das Schwimmbad, spült abends das Geschirr des Restaurants und entsorgt die Abfälle. Feierabend hat er erst, wenn alles getan ist, meist zwischen 23 und 24 Uhr.
Der Weg von Khouribga nach Meran
Bouslim bestellt bei seinem Chef für uns zwei Gläser Mineralwasser, wir setzen uns im Frühstücksbereich gegenüber. Als Hausmeister ist er jeden Tag im Hotel, das sich am Ende der Meraner Verdistraße befindet, eng angeschmiegt an den bewaldeten Hang des Küchelbergs. Einen freien Tag hat er nicht.
„Wenn das Hotel im Jänner und Februar geschlossen ist, nehme ich mir zwei Monate Urlaub, um nach Marokko zu meiner Familie zu fahren“, sagt Bouslim auf Italienisch. Der gelernte Mechaniker fand in seinem Herkunftsland keine Arbeit und beschloss mit Ende 20 nach einem Urlaubsaufenthalt in Italien, auszuwandern. Anfangs arbeitete er als Hilfskoch in Kalabrien und in der Emiglia-Romagna.
Als er in der „Villa Tivoli“ Arbeit fand, beschloss er seine Freundin aus Marokko nachzuholen. 1998 heirateten die beiden und bekamen drei Kinder, die Familie lebt seitdem in Lana. Die jüngste Tochter besucht eine italienische Privatschule in Casablanca in Marokko, 120 Kilometer entfernt von Khouribga – die Stadt, in der Bouslim aufgewachsen ist.
„Meine 18-jährige Tochter hatte hier in der Schule Schwierigkeiten und wir haben deshalb entschieden, dass sie ihre Matura in Marokko abschließen wird“, erklärt er. Die zweite Tochter studiert in Ferrara, der Sohn sucht hier Arbeit als Mechaniker. Bouslim wirkt zufrieden, wenn er über seine Kinder spricht.
Er selbst ist seit seinen ersten Hilfsjobs in der Küche im Gastgewerbe hängen geblieben. Vor rund zehn Jahren hat er die italienische Staatsbürgerschaft erhalten. „Der Tourismus ist wichtig, ohne ihn gibt es hier keine Arbeit für mich“, sagt er. Waren ein Kollege und er Ende der 90er Jahre die einzigen Ausländer im Personal, so sei die Situation heute umgekehrt. Bis auf die Rezeptionistin und die Ehefrau des Hoteliers kommen alle im Team aus dem Ausland, aus Marokko, dem Senegal, Bangladesch und Albanien.
Schwieriger Arbeitsmarkt
„Vor allem während der Pandemie war es schwierig, einheimisches Personal zu finden. Heute ist es einfacher. Auch wenn es vorkommt, dass junge Leute im Sommer die Hälfte der Praktikumszeit wegen ihres eigenen Urlaubs ausfallen lassen“, meint der Meraner Hotelier Defranceschi. „Die Hotellerie und Gastronomie sind sehr vielseitig. Auch mein ältester Sohn arbeitet seit einigen Jahren in dem Bereich und verdient überdurchschnittlich gut. Ich wundere mich immer wieder, welche Forderungen er seinem Arbeitgeber stellen kann.“
Der Hausmeister von Defranceschi sieht die Entwicklung aus Sicht des Zugewanderten. Seit seiner Ankunft in Italien hat sich der Arbeitsmarkt rasant verändert. „In der Hotellerie, in der Landwirtschaft und in der Fabrik arbeiten meistens wir Ausländer. Wir machen die Arbeit, die für die Einheimischen zu schwer ist. Sie erwarten sich immer ein perfektes Büro oder nicht?“, fragt Bouslim mit einem Lachen.
Wieder ernst sagt er, dass er sich Sorgen mache – wegen der Kriege, aber auch wegen der teuren Mieten im Land und der steigenden Inflation. Auch Defranceschi sieht einiges aus dem Gleichgewicht geraten. Wir stehen in der Parkanlage seines Hotels neben den Liegestühlen und dem blau schimmernden Schwimmbad, vor uns erstreckt sich die Stadt. „Ich spreche hier gegen meine Kategorie, aber der Tourismus hat mittlerweile wirklich ein Akzeptanzproblem. Und das ist schade“, sagt der HGV-Vertreter Defranceschi.
Für Bouslim hat der Arbeitsplatz in der „Villa Tivoli“ ohne Zweifel neue Türen geöffnet. Von seiner Arbeitsdisziplin könnte ich mir jedenfalls etwas abschauen und denke insgeheim an meine nächste Kaffeepause.
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Den letzten Satz sollten…
Den letzten Satz sollten sich Tourimusgegner aufmerksam durchlesen....
Antwort auf Den letzten Satz sollten… von Herbert B.
Ich habe den ganzen Bericht…
Ich habe den ganzen Bericht aufmerksam durchgelesen, und verstehe nicht, was Sie mit Ihrem Kommentar sagen wollen.
Könnten Sie das vielleicht genauer ausführen?
Danke