Politik | Landesregierung

„Zug ist gezwungen, stehen zu bleiben“

Landesrat Daniel Alfreider äußert sich bei der Sitzung im Bezirk Überetsch-Unterland zu den Verspätungen bei der Bahn und verteidigt die Pläne der BBT-Zulaufstrecke.
Daniel Alfreider
Foto: LPA / Fabio Brucculeri
  • Bei der Sondersitzung der Landesregierung im Bezirk Überetsch-Unterland kamen im Gespräch mit den Bürgermeistern gleich mehrere heikle Themen auf den Tisch: Etwa die Verteilung der Flüchtlingsfamilien, die Zulaufstrecke für den Brennerbasis-Tunnel (BBT) im Unterland und das Schotterwerk in Auer

    Für Bezirkspräsident Hansjörg Zelger (SVP) war das Treffen in der Fachoberschule für Landwirtschaft Auer Gelegenheit, Einigkeit bei wesentlichen Fragen zu zeigen. „Wie bekannt sind die Gemeinden wenig begeistert darüber Flüchtlinge aufzunehmen, auch wenn einige im Bezirk nun Bereitschaft zeigen“, erklärt der Bezirkspräsident. Insgesamt werden den 18 Gemeinden im Überetsch-Unterland 16 Familien zugewiesen werden.

  • Ausbaupläne und Untertunnelung

    Als Bürgermeister von Terlan kennt Zelger außerdem nicht nur die Ausbaupläne für das zweite Bahngleis zwischen Meran und Bozen, sondern auch die Untertunnelung der Zulaufstrecke von Salurn bis nach Branzoll. Beides sind Projekte deren Umsetzung noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. 

    Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider (SVP) erklärt: „Durch das fehlende zweite Bahngleis und Komplikationen bei der Ein- und Ausfahrt von Zügen am Bozner Bahnhof kommt es leider immer wieder zu Verspätungen auf der Bahnlinie von Meran nach Bozen. Die Züge sind dann gezwungen stehen zu bleiben, alleine um die Sicherheit auf dem Gleis zu garantieren. Genau das ist der Grund, wieso wir immer wieder sagen, dass es einen Ausbau der Meraner Linie braucht.“ Der Trassenverlauf wurde nach langen Verhandlungen mit den Gemeinden festgelegt, zu der auch die Gemeinde Terlan des Bezirks Überetsch-Unterland gehört. 

  • Hansjörg Zelger: „Wir sind sehr zufrieden mit dem heutigen Treffen und werden auf die Punkte aufbauen, die wir gemeinsam vereinbart haben.“ Foto: LPA / Fabio Brucculeri
  • Wie bei der BBT-Zulaufstrecke will das Land dem Schienennetzbetreiber RFI einen Vorschlag für die Trassenführung vorlegen. Zuvor muss aber die Bauleitplanänderung in den Gemeinden formal abgeschlossen werden. War es in Terlan vor allem der Widerstand der Grundeigentümer, rechnet die Politik im Unterland mit dem Protest der Umweltverbände. „Wir unterstützen das Unterland bei der Forderung, die Zulaufstrecke in den Berg zu versetzen und nicht durch das Tal laufen zu lassen“, stellt der Mobilitätslandesrat in Auer klar. Noch seien in Rom aber keine Geldmittel für das Vorhaben vorgesehen.

    Zudem sollen im Überetsch in den nächsten Wochen die Bauarbeiten für die neue Ein- und Ausfahrt der Schnellstraße MeBo starten und die Arbeiten für die dritte Bus-Fahrspur ausgeschrieben werden. Das in den vergangenen Jahren entwickelte Projekt für den Umfahrungstunnel im Bereich Pillhof überarbeite das Land gerade im Hinblick auf das Radwegenetz und die Anregungen der Teilnehmenden des Infodays. 

  • Urlaubsgäste statt Schotterwerk

    Streitpunkt zwischen Gemeinde und Land bleibt hingegen das Schotterwerk in Auer, auch wenn die Töne versöhnlicher werden. „Es war uns eine große Freude, die gesamte Landesregierung in Auer begrüßen zu dürfen“, sagt der Bürgermeister von Auer, Martin Feichter von der Bürgerliste, nach der außerordentlichen Sitzung. Wie bereits bekannt steht seine Gemeinde dem Schotterwerk ablehnend gegenüber, auch wenn es nun als Gewerbegebiet von Landesinteresse gilt.  

    Da bestehende Steinbrüche im Unterland bis zum Jahr 2026 schließen, müsse die Landesregierung reagieren. Ansonsten müsste das nötige Baumaterial im Tal aus anderen Bezirken oder der Provinz Trient angeliefert werden. In der bestehenden Schottergrube „Gamberoni 2“ sollen in Zukunft Recyclingmaterialien und Schotter verarbeitet und Beton hergestellt werden. Angesichts des Widerstands der Gemeinde will die Landesregierung auf die Kritik eingehen, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP).

  • Sondersitzung der Landesregierung in Auer: Weitere Treffen folgen in der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern und ab Herbst in den Bezirken Burggrafenamt, Bozen, Gröden / Gadertal und Eisacktal. Foto: LPA / Fabio Brucculeri
  • Im Bezirk soll zudem entlang der Etsch nach Flächen gesucht werden, um das Flussufer zu verbreitern und für Hochwasser vorzubereiten. „Wir geben dem Thema höchste Priorität“, erklärt Kompatscher, in der Landesregierung zuständig unter anderem für den Zivilschutz. Durch die steigende Häufigkeit von Wetterextremen durch den Klimawandel sei die Investition für die Zukunft notwendig, da im Etschtal und Unterland rund 23.500 Personen in potenziellen Überflutungszonen leben.

    Einen letzten Kommentar zur Debatte des sogenannten Bettenstopps lies sich Kompatscher beim Treffen in Auer nicht nehmen: Wie die Bürgermeister ihm hinter verschlossenen Türen mitgeteilt haben, sei der Andrang von Urlaubsgästen im Unterland äußerst gewünscht. Im Vergleich zu anderen Gemeinden zählt die Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland im vergangenen Jahr laut ASTAT rund 2,5 Millionen Nächtigungen, das Burggrafenamt 7,8 Millionen und der Bezirk Pustertal als Spitzenreiter ganze 11,7 Millionen Nächtigungen.