Spanien ist Weltmeister!
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Jetzt S+ abonnierenDie Fußballweltmeisterschaft steht vor der Tür. Doch ein Forscherteam der Universität Innsbruck steht bereits hinter der Tür: Sie simulieren den Ausgang der Spiele. Wir haben es, nota bene, nicht mit einem Spinner in einem halbdunklen Winkel des Wettbüros zu tun, der konvulsivisch seine Zettel mit Zahlen und Namen vollkritzelt; nein: Ein ganzes Team um Dr. Achim Zeileis an der Fakultät für Statistik der Uni Innsbruck stellt datenbasierte Prognosen an, um den Sieger der WM 2026 vorweg zu eruieren.
Die Meisterschaft wurde zu diesem Behuf mit der KI etwa 100.000-mal simuliert. Der Ausgang einer professionellen Meisterschaft wird professionell prognostiziert.
Dass dies niemand seltsam findet, alarmiert mich.
Tatsächlich? Ist das nicht so, als ob Kinder Verstecken spielten, und sich vorab darüber unterhielten, wer sich wo verstecken wird? Ich frage mich: Wozu das Ganze?
Dass sich Menschen professionell damit beschäftigen, den Ausgang eines Fußballspieles zu berechnen, finde ich sinnlos. Dass diese Menschen durch Steuergelder finanziert werden, finde ich schlimm. Dass dies niemand seltsam findet, alarmiert mich.
Sie werden vielleicht sagen: Er übertreibt. Ich übertreibe nicht. Ich untertreibe. Wenn empirische Religionsforscher in Brixen unter Gläubigen beim Wallfahren Fragebögen austeilen, um herauszufinden, ob die Pilger an Gott glauben, oder wenn Forscher der EURAC Skifahrer auf der Piste interviewen, um ihr Sicherheitsgefühl in einer Skala von 1-5 einzuordnen, so finde ich das frei von Sinn. Doch wenn Wissenschaftler ihre Zeit damit verbringen, den Ausgang einer Spiels auszurechen, dessen ungewisser Ausgang allein den Spaß ausmacht, so ist dies gegen den Sinn des Spiels.
Geschätzte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Die Gesellschaft begreift oft nicht, warum sie euch eigentlich braucht. Diese Frage hatte bereits den Philosophen Husserl vor hundert Jahren geplagt. Was würde er angesichts des akademischen Wettbüros der Uni Innsbruck sagen?
Die Universität Innsbruck wird mit 1,7 Milliarden Euro im Jahr finanziert; Steuergelder, versteht sich. Auf die Einwohner Nordtirols aufgeteilt, ergibt das 2.300 Euro pro Kopf im Jahr. Verdenkt es mir nicht, aber ein Zweifel wandelt mich in intermittierenden Abständen an: Gibt es nicht andere Möglichkeiten, wie man das Geld los werden könnte? Einmütig tönen politische Parteien: „Wir müssen mehr in Bildung investieren!“ Ebenso einmütig schweigen sie sich über die eine Frage aus:
In welche Art von Bildung?