Politik | Tourismuspolitik

Welche Maßnahmen gegen Übertourismus?

Geht es mit dem Tourismus in Südtirol auch 2026 nach oben? Auch 2026 mehr Ankünfte und Nächtigungen, noch mehr Staus und Überlastung? Oder knapp gefragt: ist der Tourismus eine Naturgewalt, die nichts bremsen kann?

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Hanna Battisti

Dieser Frage ist die neue POLITiS-Studie Nr. 29-26 nachgegangen, die „Alternativen zum Übertourismus“ betrachtet. Sie geht vom unverkennbaren Umstand aus, dass die tourismusintensivste Provinz Italiens und der Zentralalpen längst Systemgrenzen erreicht hat, auch wenn es weder die hiesige Tourismusindustrie noch die Landesregierung wahrhaben wollen. In anderen von Übertourismus heimgesuchten Städten und Regionen Europas ist das anders. Dort werden seit Jahren Einschränkungen und Begrenzungsmaßnahmen getestet oder umgesetzt. 

Die neue Studie zeigt an 9 Beispielen, wo diese Städte und Regionalverwaltungen ansetzen, um den Besucherandrang wieder unter Kontrolle zu bekommen oder gar etwas zu senken. Am weitesten geht hier Barcelona, das bis 2028 die Lizenzen für touristische Kurzzeitvermietungen von Wohneinheiten auslaufen lässt. Andere Destinationen wie Dubrovnik, Santorin, Palma de Mallorca und Venedig haben sich zumindest zur Begrenzung der täglichen Invasionen von Kreuzfahrtschiffen durchringen können. Wieder andere, wie die schwer betroffenen Kanaren setzen richtigerweise, aber mit wenig Erfolg bei der Begrenzung des Hotelbaus und des touristischen Bettenangebots insgesamt an. Amsterdam versucht sich im „Demarketing“ und verzichtet auf jede Art aktiver Bewerbung, im Unterschied zu Südtirol, das über die IDM immer noch mindestens 20 Mio. Euro im Jahr in die Tourismuswerbung pumpt. Für einen Vergleich – so die Studie – sei es allerdings noch zu früh, doch gangbare Wege werden aufgezeigt.

Auf 20 derartige Maßnahmen geht die Studie näher ein, die zum größten Teil auch im Zuständigkeitsbereich des Landes lägen. Dabei geht es nicht nur ums Besuchermanagement von bestehenden Hotspots vom Pragser Wildsee über die Seiser Alm bis Meran, sondern um strukturelle Eingriffe, die den Nachfragedruck eindämmen könnten. Dies beginnt beim einfachsten Hebel, den das Land zur Hand hat, nämlich auf den Verzicht auf die steuerfinanzierte Tourismuswerbung mit dem Ziel neue „Quellmärkte“ aufzubauen, wie Amsterdam, Venedig und Barcelona. Langfristig wirksam wäre die echte Limitierung der Aufnahmekapazität. Nun ist nicht nur das Bettenstoppkonzept bis 2025 krachend gescheitert, es wurde vor zwei Monaten sogar weiter aufgeweicht. Nicht einmal bei der touristischen Kurzzeitvermietung hat die Landesregierung wirklich ansetzen können oder vielmehr wollen. Die Studie betrachtet weitere Maßnahmen, wie z.B. Möglichkeiten der Begrenzung des touristischen Freizeitverkehrs, um damit das Südtiroler Verkehrssystems zu entlasten. 

Theoretisch könnten derartige Maßnahmen etwas Druck aus dem Kessel nehmen, doch zum einen ist die Branche selbst auf Wachstum programmiert, weil sich millionenschwere Investitionen in die Strukturen nur mit weiterer Zunahme der Ankünfte amortisieren lassen; zum anderen ist das politische Gewicht dieser Zunft immer noch ausschlaggebend für die konkret umgesetzte Tourismuspolitik des Landes. Konkretes Handeln ist dennoch überfällig.

Die Studie kann hier frei heruntergeladen werden.