Umwelt | Kräuterwissen

Drei Brunnen belebt durch Herbatio

In Trafoi erobern Kräuterkundige ein verfallenes Militärgebäude. Das Festival Herbatio zeigt, wie aus einer ehemaligen Kaserne ein Zentrum für ökologische Autonomie wird.
Herbatio

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

An den Heiligen Drei Brunnen in Trafoi fand vergangenes Wochenende das Festival Herbatio statt. Veranstaltungsort war das ehemalige Sommerheim der italienischen Polizei – ein Gebäude mit wechselvoller Geschichte, das ursprünglich als Militärunterkunft der Landesschützen diente. Heute ist der Komplex ein verwaistes Relikt, doch das Herbatio-Team nutzt genau diesen Kontrast, um eine neue Form der Wissensvermittlung zu etablieren. 

 

„Dort wachsen Pflanzen, die auf den umliegenden Weiden längst zertrampelt werden“

 

Georg Gapp, der Organisator des Festivals, sieht das Gelände in der Nähe der Wallfahrtskirche als Resonanzboden. Seit das Gebäude vor Jahrzehnten aufgegeben wurde, hat sich die Natur das Areal zurückgeholt. „Dort wachsen Pflanzen, die auf den umliegenden Weiden längst zertrampelt werden“, sagt Gapp. Dass genau hier, wo früher militärischer Drill und später die staatliche Urlaubsverwaltung der Polizei herrschten, nun Kräuterkunde, Permakultur und handwerkliches Wissen praktiziert werden, ist für die Veranstalter kein Zufall. Gapp und sein Team nutzen das Areal, um den Ort aus seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf zu holen und mit neuen, gemeinschaftlichen Inhalten zu füllen. 

Georg Gapp, Organisator von Festival Herbatio.: Herbatio

Gapp, der an einer der ältesten Kräuterakademien Österreichs unterrichtet, ist es wichtig, das Thema aus der „Esoterik-Ecke“ zu holen. Er betont, dass es beim Herbatio nicht um eine Abkehr von der Wissenschaft geht, sondern um die Rückgewinnung von Eigenverantwortung. „Wenn ich Husten habe, gehe ich nicht sofort zum Arzt, sondern schaue, was ich aus der Natur nutzen kann“, so Gapp. Das Festival fungiert als Brücke zwischen modernem Wissen – etwa der Krebsforschung, die Pflanzeninhaltsstoffe neu entdeckt – und der überlieferten Volksheilkunde. 

 

„In den Apotheken ist das Kräuterwissen mit den 70er-Jahren ausgestorben“

 

Auffällig ist die Zusammensetzung des Publikums und der Akteure: Es sind fast ausschließlich Frauen. Dass sich das Feld der Heilkunde heute in weiblicher Hand befindet, ist für Gapp eine logische Konsequenz der Entwicklung. „In den Apotheken ist das Kräuterwissen mit den 70er-Jahren ausgestorben“, erklärt er. Wer früher in den 50ern die Ausbildung machte, musste Pflanzen kennen, Herbarien anlegen und Salben rühren – danach sei das Wissen stark zurückgegangen. Heute wird dieses Thema wiederentdeckt, allerdings vorwiegend von Frauen. „Männer sind als Referenten einfach schwierig zu finden“, räumt Gapp ein, eine Tendenz, die er auch in seinen Fachkursen beobachtet. 

Männer sind als Referenten einfach schwierig zu finden.: Herbatio

Da das Gebäude keine Infrastruktur bietet, müssen Strom und Wasser für die Dauer des Fests jedes Jahr neu installiert werden. Für die Organisatoren und Mitstreiter – darunter Florian Platzer, der für die künstlerische Gestaltung zuständig ist – ist das aufwendig, aber alle stehen hinter dem Festival. Es geht nicht darum, Geld zu machen, sondern darum, die besten Produkte aus der näheren Umgebung zu zeigen. Ob Wein von der lokalen Winzerin, Bio-Apfelsäfte oder Waren aus der Bürgergenossenschaft: Alles stammt aus einem Umkreis von maximal einer halben Stunde Fahrt. 

Gapp und sein Team nutzen das Areal, um den Ort aus seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf zu holen und mit neuen, gemeinschaftlichen Inhalten zu füllen.: Herbatio

Auffällig ist die Zusammensetzung des Publikums und der Akteure: Es sind fast ausschließlich Frauen. Dass sich das Feld der Heilkunde heute in weiblicher Hand befindet, ist für Gapp eine logische Konsequenz der Entwicklung. „In den Apotheken ist das Kräuterwissen mit den 70er-Jahren ausgestorben“, erklärt er. Wer früher in den 50ern die Ausbildung machte, musste Pflanzen kennen, Herbarien anlegen und Salben rühren – danach sei das Wissen stark zurückgegangen. Heute wird dieses Thema wiederentdeckt, allerdings vorwiegend von Frauen. „Männer sind als Referenten einfach schwierig zu finden“, räumt Gapp ein, eine Tendenz, die er auch in seinen Fachkursen beobachtet.