Gesellschaft | Soziales

Protest nach Suizid im Gefängnis

Nach dem Suizid letzte Woche im Bozner Gefängnis wehren sich die Insassen gegen die unmenschlichen Haftbedingungen. Eine anonyme Initiativgruppe zeigt Solidarität.
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Nach dem Suizid eines Häftlings im Bozner Gefängnis letzte Woche haben sich die Proteste der Insassen in der Nacht von vergangenem Sonntag heute bis in den frühen Morgenstunden fortgesetzt. Wie in vielen anderen italienischen Gefängnissen ist auch die Bozner Struktur überfüllt. Das Gefängnis in der Landeshauptstadt ist für 88 Personen ausgelegt, derzeit leben dort rund 120 Häftlinge. 

 

„Das Gefängnis muss ein isolierter Ort bleiben.“

 

In den Sommermonaten kommt es unter anderem wegen fehlender Klimatisierung in den Zellen und eingeschränktem Kursprogramm immer wieder zu Unruhen. Die Trommelschläge auf Metallgegenständen waren heute Nacht mehrere Häuser weiter zu hören.

Haftanstalt in der Landeshauptstadt: Wie viele andere italienische Gefängnisse ist die Struktur seit langem überfüllt. SALTO

Eine Bozner Initiativgruppe kritisiert in einer SALTO vorliegenden Solidaritätsbekundung den Zustand in der Haftanstalt. Zudem sei abzulehnen, dass entlang des Gefängnisses Zäune errichtet und weitere Überwachungskameras installiert wurden. 

Die Botschaft der polizeilichen und institutionellen Repression sei klar: „Das Gefängnis muss ein isolierter Ort bleiben. Solidarität von außen wird nicht toleriert, und folglich darf die Stimme eines Teils der Gesellschaft in der sogenannten Zivilgesellschaft keinen Platz haben“, so die Initiativgruppe. In der Einrichtung würden größtenteils Menschen mit Suchterkrankungen und psychischen Problemen leben, die eher eine Therapie als eine Haftstrafe bräuchten.

Italiens Haftanstalten

Die italienischen Gefängnisse haben laut einem 2026 veröffentlichten Bericht der Organisation Antigone 51.265 benutzbare Plätze für 64.436 Inhaftierte. Das entspricht einer Überbelegung von 139,1 Prozent im Landesdurchschnitt. Die Organisation schätzt die Anzahl der Selbstmorde im Jahr 2025 auf 82, in den ersten Monaten des Jahres 2026 auf 24. Im Bozner Gefängnis sind laut der Neuen Südtiroler Tageszeitung in den vergangenen elf Monaten vier Häftlinge ausgebrochen. 

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