Umwelt | Extremwetter

„Gott sei Dank ist nichts passiert“

Mure im Ahrntal: Bürgermeister Markus Gartner lobt die Rettungskräfte und die rasche Hilfe der Bagger beim Umleiten der Wassermassen. Auch Urlaubsgäste wurden evakuiert.
Markus Gartner: „Wir wurden bereits gegen Mitternacht von einer Schutzhütte alarmiert.“ Bild: Gemeinde Ahrntal

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SALTO: Herr Gartner, wie ist die Lage nach dem Murenabgang zwischen St. Johann und Luttach?

Markus Gartner: Heute Mittag konnten wir die Straße wieder einspurig öffnen, jetzt muss noch der Gehsteig gesäubert und geräumt werden. Alle Evakuierten sind wieder in ihre Häuser zurückgekehrt. Gott sei Dank ist nichts passiert, es sind keine Personen und auch keine Gebäude zu Schaden gekommen. 

„Heute, man glaubt es ja nicht, ist das Wetter wieder wunderbar und die Welt schaut schon wieder anders aus.“

Angesichts des Ausmaßes ist das beeindruckend… 

Wir wurden bereits gegen Mitternacht von einer Schutzhütte alarmiert, dass es oben am Berg wild zugeht. So konnten wir frühzeitig reagieren und den Flusslauf des Rotbachs durch die Baggerarbeit in den Morgenstunden in die Ahr leiten. So wurden weder das danebenstehende Hotel noch die umliegenden Häuser überschwemmt, allerdings einige Zufahrtswege von Almen und Bauernhöfen. Die Firmen aus dem Tal haben Schwermaschinen zur Verfügung gestellt und mithilfe der Rettungsorganisationen konnten wir rechtzeitig Schlimmeres verhindern. 

Wie lief die Evakuierung mitten in der Nacht ab? 

Bei diesen Wassermengen war es wichtig, alle umliegenden Wohnhäuser und das Hotel zu evakuieren. Die Hotelgäste reagierten mit Verständnis und haben mit der Bevölkerung im Zivilschutzzentrum in Luttach übernachtet, dort steht eine Mehrzweckhalle für Katastrophenfälle zur Verfügung. 

Murenabgang zwischen Luttach und St. Johann: Ein heftiges Gewitter mit Starkregen mit 50 Litern pro Quadratmeter hat gegen 22.30 Uhr am 5. August einen starken Murgang ausgelöst. LPA / Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost in der Agentur für Bevölkerungsschutz

Wie geht es jetzt mit den Aufräumarbeiten weiter? 

Wie wir am Vormittag mit dem zuständigen Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung vereinbart haben, wird das angeschwemmte Material genutzt, um den Schutzdamm entlang des Rotbachs auf der orografisch linken Seite des Tals zu erhöhen. 

Passiert es öfters, dass der Rotbach übergeht? 

Nein, in diesem Ausmaß nicht, auf keinen Fall. Es gibt bei uns im Ahrntal viele Seitenbäche und wir arbeiten seit Jahrzehnten daran, diese sogenannten Gießbäche (reißender Wildbach, Anm. d. Red.) zu verbauen und das werden wir in Zukunft fortführen. 

„Aber das Risiko ist nirgends so groß, dass man dringend umsiedeln muss.“

Wie ist jetzt die Stimmung im Tal? 

Die Stimmung ist nach dem Schock wieder positiv. Heute, man glaubt es ja nicht, ist das Wetter wieder wunderbar und die Welt schaut schon wieder anders aus. 

Werden durch den Klimawandel Umsiedlungen im Tal notwendig werden?

Es stehen zwar viele Gebäude laut Gefahrenzonenplan der Gemeinde in der roten Zone, aber das Risiko ist nirgends so groß, dass man dringend umsiedeln muss. Denn durch die Verbauung der letzten Jahre konnte das Risiko stark reduziert werden und das stellte eine große Sicherheit dar. Außerdem zeigen Beispiele wie heute, dass unsere Gemeindeleitstelle für die Koordinierung bei Katastrophenfällen funktioniert. Sie wurde schon vor rund zehn Jahren eingerichtet.

Zur Person

Martin Gartner (SVP) ist Bürgermeister der Gemeinde Ahrntal, zuvor war er mehr als zehn Jahre lang Vizebürgermeister. Im Gemeindeausschuss ist er weiterhin für Zivilschutz zuständig.