Politik | Alter

„Der Fehler liegt im System“

Erhöhte Tarife im Seniorenwohnheim: Das Team K schlägt sich auf die Seite der Betreiber und Familien, die Landesregierung zeigte zuletzt kein Verständnis für die Kritik.
Maria Elisabeth Rieder
Foto: Team K
  • Die Landtagsabgeordneten des Team K schlagen Alarm: Die Tariferhöhungen der letzten Jahre in Südtirols Seniorenwohnheimen bringen viele ältere Menschen und ihre Familien an die Belastungsgrenze. Grund dafür ist die derzeitige Finanzierungsstruktur, die dazu führt, dass ein Teil der gestiegenen Personalkosten über höhere Tagessätze – also direkt über die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner – finanziert wird. 

    Maria Elisabeth Rieder (Team K) hat deshalb im Landtag einen Beschlussantrag eingebracht, in dem sie verlangt, kollektivvertragliche und inflationsbedingte Personalkostensteigerungen zukünftig vollständig durch öffentliche Mittel zu finanzieren. Diesem Vorschlag hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher zuletzt eine klare Absage erteilt. „Eine Reihe von Pflegeheimen scheut sich vor der Kostenwahrheit in der eigenen Struktur und will den Grundtarif nicht anheben. So finanzieren wir aber auch den Heimplatz für jene, die einen Ferrari in der Garage stehen haben“, so Kompatscher gegenüber SALTO. 

  • Aktuelle Lage

    Im Dezember 2024 wurden die Finanzierungsparameter der Seniorenwohnheime neu festgelegt. Das Land übernimmt rund 90 Prozent der Mehrkosten, etwa 10 Prozent bleiben bei den Einrichtungen. Was auf dem Papier nach einer Entlastung aussehe, führe in der Praxis zum Gegenteil: Pflege im Heim werde teurer – und zwar deutlich stärker als die Inflation. Am Beispiel des Bürgerheims „ÖBPB zum Hl. Geist“ in Brixen zeigt sich die Entwicklung deutlich: Der Tagessatz für ein Einzelzimmer stieg von 62,73 Euro im Jahr 2024 auf 77,90 Euro im Jahr 2026 – ein Plus von über 24 Prozent.

  • Höhere Gehälter in der Pflege: Für viele Familien steigt so die finanzielle Belastung. Foto: LPA / Claudia Corrent
  • „Es ist wichtig und richtig, dass Lohnerhöhungen für das Pflegepersonal gemacht werden. Aber es ist falsch, diese Kosten über die Tagessätze an die Betroffenen abzuschieben. Gerade pflegebedürftige Menschen haben keine Alternative und auch Angehörige sind oft verpflichtet, die steigenden Kosten mitzutragen. Der Fehler liegt hier klar im System“, so Rieder. 

    Auch der Verband der Seniorenwohnheime Südtirols, Vertreter verschiedener Rentnergewerkschaften und der Verbraucherschutzverein Robin teilen die Kritik von der Team-K-Politikerin: „Wenn selbst Einrichtungen, Interessenvertretungen und der Verbraucherschutz Alarm schlagen, kann die Politik nicht länger wegsehen.“