Gesellschaft | Gebäude-Leerstand

Was tun mit alten Flüchtlingsheimen?

Während der Flüchtlingskrise 2015 suchte Südtirol händeringend Gebäude für Asylsuchende. Heute stehen einige davon leer. SALTO hat sich Beispiele in Bozen, Mals und Kastelruth genauer angeschaut.
Schwefelbad
Foto: Seehauserfoto
  • Im Jahr 2015 kamen viele Flüchtlinge nach Südtirol. In kurzer Zeit stellte das Land gemeinsam mit Gemeinden und gemeinnützigen Organisationen wie der Caritas mehrere Aufnahmeeinrichtungen in verschiedenen Orten zur Verfügung, um die geflüchteten Menschen unterzubringen und zu betreuen. 

    Als die Zahl der Neuankünfte in den folgenden Jahren sank und die Einrichtungen nicht mehr ausgelastet waren, verlangten viele Gemeinden ihre Gebäude zurück. SALTO hat in drei Fällen nachgefragt, was aus diesen ehemaligen Unterkünften in den letzten zehn Jahren geworden ist.

  • Stillstand beim Schwefelbad: Wer entscheidet?

    Das ehemalige Schwefelbad-Hotel in Bozen wurde während der Flüchtlingskrise als Flüchtlingsheim und Aufnahmezentrum genutzt. Seit 2022 steht das Gebäude, welches sich im Eigentum des Instituts für sozialen Wohnbau (WOBI) befindet, leer. Wie das Gebäude künftig genutzt wird, steht derzeit aber noch in den Sternen.

    Laut Wilhelm Palfrader, Generaldirektor des WOBI, soll die „Frage der weiteren Zweckbestimmung auf Ebene des Landes und der Gemeinde Bozen geklärt werden“. Bereits im Februar dieses Jahres wurde die Schwefelbad-Thematik in einem Treffen zwischen WOBI und Gemeinde Bozen erörtert: Der Vorschlag, dort ein Arbeiterwohnheim mit 35 Plätzen zu realisieren, lag auf dem Tisch. Eine Entscheidung sollte, laut Presseaussendung, innerhalb desselben Monats getroffen werden, passiert ist bis jetzt nichts.

  • Wohnbau-Landesrätin Ulli Mair: Noch gibt es keine definitive Entscheidung über die künftige Nutzung des Schwefelbad-Areals. Foto: LPA/Fabio Brucculeri
  • Wohnlandesrätin Ulli Mair lässt verlauten, dass „noch keine definitive Entscheidung über die künftige Nutzung des Areals“ getroffen worden sei. Weitere Gespräche mit der Gemeinde Bozen seien notwendig, „um die verschiedenen bereits evaluierten Möglichkeiten abschließend zu bewerten und einen gemeinsamen Weg festzulegen“.

    Bozens Vizebürgermeister Stefan Konder spielt den Ball an das WOBI zurück: „Wenn sie dort Arbeiterwohnheime errichten möchten, dann werden wir das gerne aufnehmen. Falls sie etwas anderes planen, werden sie uns darüber in Kenntnis setzten. Die Entscheidung liegt beim WOBI.“ 

    Seit dem letzten Treffen mit dem WOBI im Februar habe die Gemeinde nichts mehr gehört. „Wir sind so verblieben, dass wir uns wieder zusammensetzen, sobald es Neuigkeiten gibt, um die weiteren Schritte zu besprechen.“ Der Entscheidungsprozess scheint ins Stocken geraten zu sein.

  • Mals: Jugendherberge geplant

    Im Vergleich zu Bozen hingegen scheinen in Mals die Steine ins Rollen gekommen zu sein: hier wurde das Haus Ruben während der Flüchtlingskrise geflüchteten Menschen als Unterkunft zur Verfügung gestellt. Eigentümerin ist die Stiftung Martinsheim. Seit rund zehn Jahren steht das Gebäude leer, erschwerend hinzu kommt, dass es bufällig ist.

    Das soll sich nun aber ändern: Die Umnutzung zu einer Jugendherberge ist geplant, eine Machbarkeitsstudie liegt bereits vor. Laut dem Malser Bürgermeister Josef Thurner soll das Projekt möglicherweise noch im kommenden Herbst ausgeschrieben werden. „Dann könnte das Projekt 2027 auf den Weg gebracht werden. Mit dem Haushalt 2028 könnte die Finanzierung auf die Beine gestellt werden, um die Jugendherberge zu realisieren“, meint Josef Thurner.

    Die Umwidmung sei möglich, da in Mals aktuell kein akuter Notstand bei der Unterbringung von Flüchtlingen bestehe, so Bürgermeister Thurner. Die Gemeinde stelle bereits Unterkünfte zur Verfügung, in denen aktuell etwas mehr als ein Dutzend ukrainische Geflüchtete untergebracht seien. Deren Betreuung laufe allerdings über die Bezirksgemeinschaft.

  • Kastelruth: Seniorenheim für betreutes Wohnen

    Auch in Kastelruth erhält die ehemalige Flüchtlingsunterkunft Haus Anna bald eine neue Bestimmung: die Gemeinde Kastelruth will ein ein Seniorenheim daraus machen. Das Gebäude wurde zwischen 2015 und 2019 als Flüchtlingsunterkunft von der Caritas betrieben. Zuvor war es im Besitz der Tertiärschwestern. Nachdem die Struktur 2019 geschlossen wurde und der Vertrag der Caritas ausgelaufen war, hat die Gemeinde Kastelruth das Gebäude kurz darauf erworben. 

    Laut der Bürgermeisterin von Kastelruth, Cristina Pallanch, werden fünf bis sechs Millionen Euro sofort bereitgestellt, der Rest soll über einen Nachtragshaushalt abgedeckt werden. Derzeit steht das Gebäude leer, da statische Proben durchgeführt werden und deshalb das Betreten des Gebäudes derzeit nicht erlaubt ist. 

    Geplant ist, im kommenden Sommer das Projekt für zehn Wohnungen für betreutes Wohnen für Seniorinnen und Senioren auszuschreiben. Pallanch berichtet, dass außerdem eine Garage und ein Garten vorgesehen sind. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren gerechnet.