Exklusive Politik
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Jetzt S+ abonnierenNach der Politika-Einleitung von Günther Pallaver, Elisabeth Alber und Alice Engl, die auch für die Herausgeberschaft verantwortlich zeichnen, folgt zunächst ein Essay von Alberto Stenico. So steht es geschrieben. Alle drei und auch Stenico sind bei der heutigen Vorstellung dabei. Am Podium sitzen außerdem der Politiker Angelo Gennaccaro und Theresia Morandell.
Besondere Schwierigkeiten zeigen sich bei rechten Parteien, wo Männer teilweise dreimal höhere Chancen haben, gewählt zu werden.
Im Hauptteil widmet sich Politika verschiedenen Aspekten der Gemeindewahlen: Untersucht werden unter anderem die Funktion kommunaler Wahlen, die Wahlergebnisse und politischen Dynamiken in Südtirol, die Rolle von Frauen und Geschlechterquoten, die Bedeutung von Bürgerlisten, Fragen der Migration und politischen Repräsentation sowie die Vertretung der Sprachgruppen in den Gemeinderäten. Weitere Beiträge analysieren die Wahlen in den Städten Bozen und Meran sowie die Entwicklungen im Trentino.
Im Panorama-Teil des Jahrbuchs stehen Themen zur Südtiroler Autonomie und zu Gesellschaft im Mittelpunkt. Behandelt werden unter anderem fünfzig Jahre Sozialautonomie, Fragen der Grundsicherung, die Ergebnisse des Referendums vom Juni 2025, die Reform des Autonomiestatuts sowie lokale Identitäten zwischen Authentizität und Hybridität. Den Abschluss bilden die Beiträge zur Politischen Persönlichkeit des Jahres Gottfried Ugolini sowie Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren. Diese sind in alphabetischer Reihenfolge: Elisabeth Alber, Hermann Atz, Marco Brunazzo, Andrea Carlà, Katharina Crepaz, Alessia Donà, Alice Engl, Florian Gasser, Katharina Gruber, Esther Happacher, Theresia Morandell, Francesco Palermo, Günther Pallaver, Chiara Paris, Elisa Piras, Sophia Schönthaler, Alberto Stenico, Karl Tragust, Jakob Volgger, Maximilian Walder, Zoe Krueger Weisel und Giorgia Zogu.
Ein weiterer Schwerpunkt war die politische Repräsentation von Frauen.
Bei der Pressekonferenz wurde auch die sprachliche Zusammensetzung der Gemeinderäte angesprochen und analysiert. Dabei zeigt sich eine starke Überrepräsentation der deutschsprachigen Bevölkerung in den Gemeinderäten des Landes. Rund 85 Prozent der Gemeinderatsmitglieder sind deutschsprachig, während italienischsprachige Personen mit nur etwa acht Prozent deutlich unterrepräsentiert sind. Ladinerinnen und Ladiner erreichen knapp sieben Prozent. Als Ursachen wurden mehrere Faktoren genannt: die allgemein niedrige Wahlbeteiligung, die Konzentration der italienischsprachigen Bevölkerung in urbanen Zentren sowie das Wahlverhalten selbst.
Ein weiterer Schwerpunkt der Präsentation war die politische Repräsentation von Frauen. Seit 2022 gilt in Südtirol eine neue Regelung, wonach maximal zwei Drittel der Kandidierenden demselben Geschlecht angehören dürfen. Diese sogenannte „harte Quote“ sollte die Beteiligung von Frauen in der Politik erhöhen. Die Analysen zeigen messbare positive Effekte: Der Frauenanteil in den Gemeinderäten stieg 2025 erstmals auf über 30 Prozent und liegt nun bei 30,7 Prozent. Auch die Zahl der Bürgermeisterinnen erreichte einen historischen Höchststand. Dennoch bestehen weiterhin deutliche strukturelle Probleme.
Die Studien zeigen, dass Frauen trotz der Quote geringere Wahlchancen haben als Männer. Die Erfolgsquote männlicher Kandidaten lag bei über 51 Prozent, jene von Frauen lediglich bei etwa 38 Prozent. Besondere Schwierigkeiten zeigen sich bei rechten Parteien, wo Männer teilweise dreimal höhere Chancen haben, gewählt zu werden. Bessere Ergebnisse erzielen Frauen hingegen bei der großen Sammelpartei im Land, bei Bürgerlisten und bei ökologisch-sozialen Gruppierungen.
Die einzige bei der Politika-Vorstellung anwesende Politikerin war Brigitte Foppa von den Grünen. „Die Quote ist ein Element. Die Quote ist ein Teil eines größeren Systems. Wenn man sieht, dass Frauen 38 Prozent der Erfolgschancen haben und Männer 51 Prozent, dann sieht man, wie hart es noch ist“, meinte sie gegenüber SALTO. „Es gibt eigentlich viele Beispiele von Gemeinden, wo das sehr gut gelungen ist und wo man sehen kann, dass die Quote die Frauenbeteiligung fördert und vielleicht auch dazu beitragen kann, die politische Kultur zu verändern, aus der Komfortzone auszusteigen oder neue Wege der Rekrutierung von Kandidatinnen und Kandidaten zu finden“, sagte Alice Engl auf Nachfrage von SALTO.
Verhandelt wurde bei der Pressekonferenz auch der Vorschlag der doppelten Vorzugsstimmen, ein System wie es in einigen Gemeinden des Trentino angewandt wurde und wird.
Abschließend wurde zudem die politische Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund thematisiert. Rund fünf Prozent der Kandidierenden bei den Gemeindewahlen stammen aus dem Ausland. Dies wird einerseits als Zeichen wachsender gesellschaftlicher Vielfalt gesehen, andererseits bleibt auch diese Gruppe gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil deutlich unterrepräsentiert. „Insgesamt erscheint politische Inklusion in Südtirol weniger als spontanes Ergebnis gesellschaftlicher Öffnung denn als institutionell strukturierter Prozess“, heißt es im Vorwort des Bandes.
Es bleibt noch viel zu tun.