Das bessere Gemeinschaftshaus
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Die Gemeinschaftshäuser werden nun nach und nach eröffnet, die Zweifel bleiben. In einem Beitrag auf salto.bz wurde den Ärzten im Kommentarbereich vorgeworfen, dieses Projekt zu „sabotieren“.
Wir Ärzte sabotieren das Konzept nicht. Wir weisen auf die Fehler im Konzept hin, um zu vermeiden, dass die Südtiroler Gemeinschaftshäuser zum Millionengrab werden, was nicht unrealistisch ist, wie manche Beispiele aus anderen Regionen zeigen.
Aus meiner Sicht würden zwei Anpassungen im Konzept die Erfolgschancen der Gemeinschaftshäuser deutlich steigern:
Lösung Nr 1: fixes ärztliches Personal statt Rotationssystem!
Warum:
- echte Entlastung für Hausärzte anstatt Zusatzbelastung durch Dienstplan
- die Öffnungszeiten der Hausärzte und deren Ressourcen für Heim- und Hausbesuche bleiben unangetastet
- bessere Kommunikation zwischen den Ärzten und Gesundheitsberufen im Gemeinschaftshaus und besserer Aufbau von Expertise durch Wiederholung
Lösung Nr. 2: Keine 24/7 - Öffnung, sondern Fokus auf Mo-Fr(-Sa) 7-19!
Warum:
- deutlicher finanzieller Vorteil durch Ersparnis von Personal und Nachtzuschlägen
- attraktivere Arbeitszeiten für Personal (in Zeiten von Fachkräftemangel entscheidend)
- die nächtlichen Fallzahlen geben eine Nachtöffnung nicht her, außerdem werden viele Fälle in der Nacht dann sowieso in die Erste Hilfe weiter verwiesen, weil es z.B. weiterführende Diagnostik bräuchte.
Ergänzend zu der Überlegung mit den Öffnungszeiten: In Graz gab es bis vor einigen Jahren eine hausärztliche Nachtambulanz, die ähnlich konzipiert war wie die Gemeinschaftshäuser. Sie wurde dann aber auch aufgrund der oben beschriebenen Probleme wieder geschlossen. Die nächtlichen Fallzahlen waren einfach zu niedrig und Graz hat etwa 300.000 Einwohner!
Die wahre Entlastung durch Gemeinschaftshäuser entsteht durch die Qualitätssteigerung in der Versorgung chronisch kranker Patienten. Diese profitieren von der interdisziplinären Betreuung, die ein (gutes) Gemeinschaftshaus gewährleisten kann, ein normaler Hausarzt aber nicht. Dadurch reduzieren sich dann auch die Krankenhauskontakte.
Auch hier kommen wir wieder zu Punkt 1. Diese interdisziplinäre Betreuung funktioniert nicht, wenn die Gesundheitsberufe jeden Tag mit einem anderen Arzt zusammenarbeiten müssen. Ein fixes Ärzteteam könnte hingegen Expertise aufbauen und dadurch auch zu einem wichtigen Ansprechpartner für die Hausärzte in der Peripherie werden.
Da ich als Allgemeinmediziner etwa drei bis vier Jahre in einem österreichischen Primärversorgungszentrum (vergleichbar mit Gemeinschaftshaus) gearbeitet habe, weiß ich, welches Potenzial dieses Konzept hat und auch wo die Stärken und Schwächen liegen. Leider sehe ich in der Südtiroler Konzeption einige Problematiken.