Abbassiamo l’asticella!
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Jetzt S+ abonnierenDie Schulreform in Südtirol spricht über Partizipation, Individualisierung des Unterrichts und Inklusion. Man folgt dem Strom der Zeit und stimmt in die Melodie der fortschrittlichen Schule nach europäischer Maßgabe ein.
Zwei Punkte sind indes Südtirols Eigenproduktion: Die Inklusion beschränkt sich nicht auf die Schüler, sondern wird auf die Eltern ausgeweitet, die in den Schulalltag ihrer Kinder inkludiert werden: Der Gesetzesentwurf sah vor, Eltern mit einer finanziellen Strafe von bis zu 150 Euro zu sanktionieren, wenn sie nicht zum Elternsprechtag kommen. Warum nicht gleich 50 Euro, wenn der Rechenpass nicht unterschrieben wird? 25 Euro, wenn die Jause in der Schultasche fehlt?
„Kochen und Brauen sind ein Handwerk, keine Kunst und erst recht keine Wissenschaft.“
Doch so genial die Idee, so schwierig die Umsetzung: Nachdem das italienische Bildungsministerium einen knappen Blick darauf geworfen hatte, strich man den Passus aus dem Text. Eine Geldstrafe sei nicht kompatibel mit dem italienischen Gesetz: Lehrer sind eben keine Polizisten. Mögen sie lieber ihres Amtes walten und stattdessen die Eltern benoten! Die Schulreform sieht vor, dass das Zeugnis nach dem ersten Semester wegfällt, weshalb die Lehrer die gewonnene Zeit darauf verwenden könnten, den Eltern ein Zeugnis auszustellen. Also keine Mehrarbeit, außerdem werden Zeugnisse inzwischen von der KI geschrieben.
Die zweite Perle aus dem Gesetzestext: Die Universität Bozen kann künftig auch ohne Maturaabschluss besucht werden. Es ist dies nichts anderes als die rechtliche Umsetzung einer bestehenden Praxis. Seit Jahren bieten an der Universität Bozen Jäger, Metzger und Köche gemeinsam Seminare an. Das Museion in Bozen zieht nach und veranstaltet Weinverkostungen.
Vom antiken Philosophen Platon bis zu Adorno waren sich ausnahmslos alle Philosophen einig: Kochen und Brauen sind ein Handwerk, keine Kunst und erst recht keine Wissenschaft. Wie sollte auch ein heroischer Apfelstrudel, ein gotischer Wein oder eine axiomatisch bewiesene Kaminwurz schmecken? Wir erklären damit Disziplinen zur Wissenschaft, die seit Jahrtausenden nicht als solche galten; oder wir erschwindeln kurzerhand den Titel: Unzählig sind die Architekten, Ingenieure und Psychologen in Südtirol, die „Dr.“ vor ihrem Namen schreiben, ohne diesen Titel zu besitzen. Bis vor kurzem pflegten auch Landesräte diese schändliche Praxis. Dabei ist die offizielle Regelung inzwischen unmissverständlich: Der Abschluss eines Normalstudiums darf nicht als Dr. geschrieben werden! Diesen Titel zu usurpieren bedeutet, fünf Jahre Arbeit zu stehlen. In Deutschland wird man dafür angezeigt und verliert auf der Stelle nicht nur den Posten, sondern auch das Gesicht. Doch wenn die Mehrheit der Bevölkerung stiehlt, zumal wenn es sich um Akademiker handelt, dann wird Beute zu Eigentum und Unrecht zu Recht. Der gesamte deutschsprachige Raum schüttelt über den sogenannten „Brennerdoktor“ den Kopf, doch wir hocken grinsend und selbstbewusst auf unserem selbstproduzierten Knödel, wie ein Mistkäfer.
Ich schäme mich als Südtiroler … mi viene da cambiare lingua.
Invece di alzare il proprio livello, abbassiamo l’asticella da superare. Questa è l’autonomia della scuola.
Dr. Andrés Carlos Pizzinini
Ja, auf einem „Dr.“…
Ja, auf einem „Dr.“ herumreiten, der keiner ist, gereicht den hiesigen Akademikern wahrlich nicht zur Ehre. Sie sind „laureati“, Magister und Magisterinnen, einige sind wirklich „Doktoren“. Als es kaum Akademiker im Lande gab, war schon die Matura ein Nachweis an „Bildung“, was immer man darunter verstehen mag. Kam man gar mit einem abgeschlossenen „Diplomstudium“ ins Tal zurück, war man der King im Hause, hoch gebildet, vom Rest abgehoben, unangreifbar. Dabei hatte man lediglich die erste Hürde der universitären Qualifikation geschafft - auf die Mühen der anderen konnte man getrost verzichten, man war ja jetzt „Dr.“, ein Prädikat, wofür die österreichischen und deutschen Kommilitonen noch zwei-vier Jahre drauflegen und eine Dissertation verfassen mussten. Alles Mehrarbeit, die in Südtirol - auf dem Papier - keinen Mehrwert brachte - und bringt. Conclusio: Schmück dich nicht mit fremden Federn, gib deinen wahren akademischen Grad an, steh dazu und sorge dafür, dass du durch deine Leistung und Kompetenz zu akademischem Ansehen kommst.
Was die „Bildungsreform“ -…
Was die „Bildungsreform“ - die den Namen nicht Wert ist - mit dem Brennerdoktor zu tun hat, erschließt sich wohl nur dem Autor. Dass mit der Reform ein vollwertiges Studium auch für Handwerker möglich wird, ist eine wirkliche Neuerung, die es im Ausland schon lange gibt. Was das mit irgendwelchen Seminaren an der Uni zu tun hat, versteht wahrscheinlich auch nur der Autor.
Irgendwie entsteht der Eindruck, dass der ganze Vorspann mit der Reform nur dazu dient, schlussendlich über den BrennerDr zu poltern. Der Ärger über die Inflation des Titels, den man selbst so gerne zur Schau stellt und der in Südtirol nicht zur Geltung kommt, da sich fast alle mit dem Dr. schmücken, ist nicht zu übersehen.
Ein Doktortitel - sei er nun durch Promotion verdient oder nur der Übersetzung des dottore geschuldet - schützt eben nicht vor Kleingeistigkeit.
Zur Information. Laut…
Zur Information. Laut österreichischem Außenministerium handelt es sich bei der „laurea“ um ein sog. Magistraldoktorat, abgekürzt Dr. magistralis. Wer also die italienische laurea hat, egal ob direkt an einer italienischen Universität erlangt oder über die Gleichstellung (der österreichische Titel wird an einer italienischen Universität als gleichwertig anerkannt und die laurea verliehen) kann die laurea mit Dr. xy (z.B. Dr. Arch., den Titel gibt es im restlichen deutschsprachigen Ausland nicht) übersetzen. In Südtirol ist die Verwendung von Dr. also vollkommen legitim, auch im Ausland, wenn auch die Ehrlichkeit es gebietet, dort den österreichischen Titel, als Mag. oder D.I. zu verwenden. Das. Forschungsdoktorat in den technischen Fächern wird übrigens mit Dr. Techn. abgekürzt. Das mit dem abwertenden „Brennerdoktor“ ist einfach eine Neiddebatte.
Antwort auf Zur Information. Laut… von Robert Hölzl
Ich empfehle hier die…
Ich empfehle hier die Lektüre der Wikipedia Seite https://de.wikipedia.org/wiki/Brennerdoktor?wprov=sfti1#
Groß- und Kleinschreibung macht schon einen Unterschied! Es ist weder legitim noch korrekt dottore mit Dr. zu übersetzen! Es ist schlicht Hochstapelei (und hochgradig peinlich nebenbei) sich Dr. zu nennen, keine Zeile für eine Dissertation geschrieben zu haben, von eigenständiger Forschungsarbeit natürlich keinen blassen Schimmer, und was ein Rigorosum ist, weiß man auch nicht. Und nebenbei: eine Dissertation ist keine Bachelor- oder Masterarbeit (früher Diplomarbeit).
Antwort auf Ich empfehle hier die… von Ernst Aschbacher
Ja, sehr nett. Haben Sie die…
Ja, sehr nett. Haben Sie die Quellen des Wikipedia-Artikels gesehen? Ihre Antwort geht mit keinem Wort auf meine Ausführungen ein. Aber Ihre Meinung sei Ihnen belassen. Interessanterweise kümmern sich die paar Träger des Dr. techn., die ich persönlich kenne, keinen Deut, darum dass in Südtirol laurea und dott. mit Dr. übersetzt wird genauso wenig wie die italienischen Inhaber eines Forschungsdoktorates etwas daran auszusetzen haben, dass Inhaber einer laurea sich dott. nennen.
Antwort auf Ja, sehr nett. Haben Sie die… von Robert Hölzl
Also konkret: Ich störe mich…
Also konkret: Ich störe mich an Ihrer Aussage, dass eine italienische laurea (dott., dott.mag.), erlangt durch Anerkennung, z.B. eines österreichischen Studientitels oder direkt erlangt an einer italienischen Hochschule, legitim mit „Dr.“ ins Deutsche übersetzt werden kann. Ich zitiere: „Zu beachten ist, dass der italienische Grad “dottore„ (Dott.) auf Deutsch nicht mit “Doktor„ (Dr.) übersetzt werden darf. Der Grad “Doktor„ steht nämlich nur den Absolventen eines Doktoratsstudiums (PhD) zu.“ Quelle: https://www.unibz.it/de/services/recognition-foreign-qualifications/spe…
Die Führung italienischer Grade in Österreich ist ebenso klar geregelt, s. https://www.bmfwf.gv.at/wissenschaft/anerkennung/akademische-grade/akad….
Es gebietet also nicht nur die Ehrlichkeit den Titel richtig zu führen, egal wo, sondern auch das Gesetz („Titelanmaßung“, in Österreich im Universitätsgesetz geregelt, in Deutschland im Strafgesetz, ebenso in Italien im Strafgesetz). In der Kolumne des Hr. Pizzinini ist der „Brennerdoktor“ als Beispiel eines unerhörten Missbrauchs des höchsten akademischen Grades in Südtirol genannt. Mich stört dieser Missbrauch: Es ist respektlos denen gegenüber, die jahrelang nach dem Diplomstudium hart dafür arbeiten und respektlos der Institution Universität gegenüber (jetzt kennen Sie zumindest indirekt einen Dr. techn. den dies stört). Letztlich schadet diese „Inflation“ einer Gesellschaft massiv - wir werden nicht besser oder bestehen leichter im internationalen Wettbewerb, wenn wir uns durchschwindeln und es uns möglichst leicht machen!
Antwort auf Also konkret: Ich störe mich… von Ernst Aschbacher
Abgesehen davon, dass Sie…
Abgesehen davon, dass Sie nicht auf die Auskunft des österreichischen Außenamtes eingehen und schon diese die Neiddebatte um den Brennerdoktor den Boden entzieht, weiße ich auf folgendes hin: In Südtirol ist der „Dr. Ing.“ die rechtlich korrekte, staatlich genehmigte deutsche Übersetzung eines italienischen Universitätstitels. Und somit kann jemand, diesen Titel vollkommen zu Recht führen. Ein Problem würde sich erst ergeben, wenn jemand diese Übersetzung im Ausland verwenden würde. Und haben Sie überhaupt kein Mitleid mit dem italienischen Inhaber eines Forschungsdoktorates, der sich den Begriff „dott.“ mit dem „laureato“ teilen muss. Außer natürlich er führt den ganzen Begriff an oder weicht auf den amerikanisch/lateinisch Begriff PhD aus.
Antwort auf Abgesehen davon, dass Sie… von Robert Hölzl
Bezüglich des „Dr…
Bezüglich des „Dr. magistralis“ finde ich halt leider gar nichts, weder auf der Seite des österreichischen Außenministeriums, noch auf der Seite des Wissenschaftsministeriums. Ich kriege nur die Information, dass dies kein anerkannter Titel ist. Vielleicht können Sie mir eine Referenz geben? Es würde mich wirklich sehr interessieren. Können Sie mir weiters eine Referenz geben bez. der Korrektheit der Übersetzung von „dott. ing.“ zu „Dr. Ing.“? Hier wird „dott.“ zu „Dr.“, dies ist nicht korrekt, s. Referenz oben. Es ist in Südtirol „üblich“, ich weiß, ist es deswegen korrekt? Ich meine nein. Ich verstehe auch nicht, wieso der italienische „Forschungsdoktor“ mein Mitleid bräuchte: Falls ihm etwas daran liegt, benutzt er einfach die offizielle Abkürzung dott.ric. / dott.ssa.ric. (dottore/dottoressa di ricerca). Dies ist auch nicht umständlicher als z.B. Dr.techn. oder Dr.rer.nat.
Antwort auf Bezüglich des „Dr… von Ernst Aschbacher
Da Südtirol zu Italien…
Da Südtirol zu Italien gehört, gilt die italienische Rechtssprechung. Dr. Ing. wäre nur dann nicht korrekt, wenn diese Übersetzung in Österreich verwendet würde. Die laurea ist ein Magistraldoktorat, übrigens genauso wie der Dr. med. univ., der in Österreich aus historischen Gründen akzeptiert ist und so verliehen wird. Die Auskunft des Aussenamtes bzgl. des Magistraldoktorates wurde auf Anfrage eines österreichischen Gemeindeamtes erteilt, da ein italienisches Universitätdiplom (laurea) bei einer Eheschließung vorgelegt wurde (ein Unititel wird in Österreich Teil des Namens). Und zu Ihrer Bemerkung bzgl. des italienischen Forschungsdoktorates, dass dieser eben den gesamten Titel anführen soll, heißt dies, dass er eben denn „dott.“ mit dem laureato teilen muss, etwas, das für Sie, dem deutschsprachigen Forschungsdoktor nicht zugemutet werden kann. Und nochmals, wir befinden uns in Italien, womit das italienische Recht zur Anwendung kommt und nicht das österreichische oder deutsche oder schweizerische.
Antwort auf Da Südtirol zu Italien… von Robert Hölzl
In Südtirol führen auch die…
In Südtirol führen auch die Berufskammern den Dr. ohne Promotion, steht so sogar auf dem Stempel der Mitglieder.
Antwort auf Da Südtirol zu Italien… von Robert Hölzl
Also gut: Ich stelle fest,…
Also gut: Ich stelle fest, dass Sie mir keine Referenz (Gesetzestext, o.ä.) bez. der Korrektheit der Übersetzung von „dott.mag.“ auf „Dr.“ geben können. Weiters ist offenbar der Universität Bozen die italienische Rechtsprechung, zumindest was dieses Thema betrifft, auch nicht ganz geläufig. Nur so erklärt sich der von mir oben zitierte Hinweis der Universität bez. der Unkorrektheit der Übersetzung. Ich sehe, dass der „Brennerdoktor“ in Südtirol fest verteidigt wird und man bez. Übersetzungen doch etwas lockerer geworden ist, zumindest dann, wenn vom Italienischen ins Deutsche übersetzt wird. Die ganze Angelegenheit erinnert mich an ein Liedchen einer meiner Heldinnen aus vergangenen Tagen: „2 mal 3 macht 4, widdewiddewitt und 3 macht 9e, ich mach' mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“ Pippi. L.
Non è nemmeno il caso di…
Non è nemmeno il caso di commentare una situazione del genere. Aggiungiamo adesso che assumeremo sempre più insegnanti senza titoli o con un titolo di studio non corrispondente alla disciplina di insegnamento. Mancano docenti nella scuola tedesca? Come previsto, non è con un aumento di stipendio che si risolve il problema - di cui comunque ringrazio perché ne beneficio anch’io - si risolverebbe con finalmente la valutazione del merito e delle competenze.