Wirtschaft | Innovation

Lkw-Leerfahrten vermeiden

Das erste Südtiroler Logistiknetzwerk Slon wächst mit lokalen Partnern: Harald Kofler und Ivan Weitgruber optimieren so den Gütertransport und sparen gleichzeitig CO₂-Emissionen.
Harald Kofler und Ivan Weitgruber v.l.: Die beiden leiten das Südtiroler Logistiknetzwerk, ihr Ziel ist weniger Verkehr auf der Straße. Bild: SLON

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Wie Waren an den richtigen Zielort gelangen, fasziniert Ivan Weitgruber schon seit seiner Kindheit. Er und Harald Kofler leiten Slon, das erste Südtiroler Logistiknetzwerk, ich treffe ihn im Büro in Bozen Süd. Seit nunmehr 25 Jahren ist er in der Logistikbranche tätig und führt neben Slon auch das Speditionsunternehmen Weitsped.

„Solange Transportkosten niedrig bleiben, fehlt für die Wirtschaft der Anreiz umzudenken.“

Als Weitgruber im Alter von sechs Jahren von einem Freund der Familie einen Spielzeug-Lkw geschenkt bekam, war die Neugierde in ihm geweckt, auch weil sein Vater mit seinem Unternehmen Vetter Italia als Einkäufer für den internationalen Lebensmittelgroßhandel tätig war. Heute arbeiten Kofler und er an der Umsetzung ihrer Idee, Logistik nicht länger isoliert von einzelnen Unternehmen aus zu denken. Täglich fahren Tausende Lkw durch Südtirol, viele Fahrzeuge sind teils wenig ausgelastet. Gleichzeitig organisieren viele Betriebe ihre Transporte unabhängig voneinander. Weitgruber weiß, dass im Warentransport jeder Cent zählt und gleichzeitig Lkw-Leerfahrten bis heute zum Geschäft gehören.

Digitale Lösung für weniger Verkehr?

„Muss ein Lkw ohnehin nach Sterzing fahren und hat noch freie Kapazität, warum sollte er nicht Waren eines weiteren Unternehmens mitnehmen?“, beschreibt Weitgruber das Prinzip. „Es geht nicht darum, mehr Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, sondern die vorhandenen besser zu nutzen.“ Die digitale Plattform vernetzt Unternehmen mit Transportbedarf und regionale Transportunternehmen, entwickelt wurde sie von Harald Kofler. Bestehende Fahrten werden gemeinsam genutzt, freie Kapazitäten sichtbar gemacht und Lieferungen – wo möglich – gebündelt. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern reduziert auch unnötige Kilometer und CO₂-Emissionen.

„Slon versteht sich bewusst nicht als anonyme Online-Vermittlungsplattform.“

„Slon versteht sich bewusst nicht als anonyme Online-Vermittlungsplattform. Hinter jedem Transport stehen regionale Partner und persönliche Ansprechpartner“, erklärt Weitgruber. Kunden sollen sich darauf verlassen können, dass ihre Ware sicher ankommt und auch bei Unvorhergesehenem rasch reagiert wird. Waren es in den vergangenen Jahren nur eine Handvoll Lieferungen, werden heute rund 150 Lieferungen pro Woche über Slon abgewickelt. Finanziert wird das 2020 gegründete Unternehmen über Nutzungsgebühren, außerdem erhält es Förderungen über das Südtiroler Amt für Innovation und Technologie. 

Stau auf der Autobahn: Lkw-Leerfahrten gehören zum Tagesgeschäft. Seehauserfoto

Im Gespräch mit dem Slon-Geschäftsführer wird klar, dass er nicht nur Lkw-Fahrten optimieren will, sondern auch die regionalen Kreisläufe stärken. „Solange Transportkosten niedrig bleiben, fehlt für die Wirtschaft der Anreiz umzudenken“, meint Weitgruber. Doch die erhöhten Rohstoffpreise und globale Verwerfungen könnten das bald ändern. „Durch die Wasserknappheit in Süditalien etwa und die hohen Spritpreise könnte es sich in Zukunft wirtschaftlich lohnen, auch in Südtirol mehr Gemüse und verschiedene Obstsorten anzubauen“, erklärt Weitgruber. „Im Gespräch mit Bauern merke ich, dass hier gerade ein Umdenken stattfindet.“ 

Das hätte auch positive Effekte für Anrainerinnen und Anrainer an viel befahrenen Straßen: Ob sie an einer Autobahn leben oder im Stadtgebiet, durch eine neue Verkehrsplanung sei vieles möglich – für mehr Klimaschutz und Lebensqualität.