Beschleunigte Schmelze
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Jetzt S+ abonnierenDie Katastrophe in Nepal hat uns die Gefahren der Gletscherschmelze drastisch vor Augen geführt. Verursacht durch hohe Temperaturen, zerstörte die Sturzflut Infrastrukturen und Dörfer und führte zum Tod von mehr als 1.000 Menschen.
Im Himalaya sind die höchsten Sommertemperaturen im Vergleich zum restlichen asiatischen Kontinent gemessen worden. Laut Experten sind die Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf die Himalaya-Gletscher besonders deutlich spürbar. Die hohe Empfindlichkeit der Gletscher auf Temperatur und Niederschlag kann - wie die Sturzflug in Nepal gezeigt hat - gravierenden Folgen haben.
Die Hälfte der Masse der Alpengletscher soll bis 2050 verschwunden sein.
Auch Südtirols Gletscher bleiben von den Auswirkungen des Klimawandels nicht verschont. In den letzten 20 Jahren ist ihre Fläche bereits um 39 Prozent geschrumpft. Laut Schätzungen soll die Hälfte der Masse der Alpengletscher bis 2050 verschwunden sein. Eine der schwerwiegendsten Folgen wird die zunehmende Wasserknappheit darstellen.
Am Ende dieses Sommers zeigen neuste Daten, dass der Marmolatagletscher um 23 Meter geschrumpft ist - das Dreifache im Vergleich zu Vorjahr. Die Gesamtfläche des Gletschers ist von 92 auf 83 Hektar gesunken. Ein ähnlich starker Rückzug wurde zuletzt nach dem Felssturz im Jahr 2022 verzeichnet.
Beim Gletschersturz an der Marmolata im Jahr 2022, kamen elf Menschen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Im Juli 2026 kam es zu einem Gletscherabbruch am Suldenferner, dem zweitgrößten Gletscher Südtirols.
Der Präsident der Fondazione Ghiacciologia Italiana und Glaziologe Valter Maggi warnt nicht nur vor den Gefahren extremer Hitze, sondern auch vor Regenwasser, da Regen eine große Menge an Wärme mit sich bringt, die auf die Gletscher übertragen wird und die Schmelze deutlich beschleunigt. „Alle Gletscher in den Alpen schmelzen, Südtirol bildet da keine Ausnahme: Sie schmelzen und verlieren dadurch an Masse“, erklärt Maggi.
Sind Südtirols und Nepals Gletscher vergleichbar? „Jein“
Können die Gletscher der Alpen und des Himalayas trotz der großen geographischen Distanz und unterschiedlichen geologischen und klimatischen Bedingungen miteinander verglichen werden?
Der Himalaya bildet eine massive Gebirgskette mit höheren Lage, die problemlos über 8.000 Meter erreichen. Er weist allerdings hinsichtlich des Breitengrads und des Klimasystems bedeutende Unterschiede auf: der Himalaya liegt etwas niedriger als die Alpen und unterliegt dem Monsunsystem. Daher kann er vor allem im Sommer sehr warmen Luftmassen ausgesetzt sein. „Außerdem sind Nepals Gletscher viel größer, und zahlreiche davon sind zudem mit Geröll bedeckt, was dazu beiträgt, die Gletscher zu schützen. Es handelt sich also nicht um vergleichbare Situationen“, so Valter Maggi.
Jedoch bestehen auch Ähnlichkeiten zwischen den Gletschern, beispielsweise darin, wie sie gleichermaßen auf klimatische Einflüsse reagieren. Laut dem Glaziologen ziehen sich die Gletscher natürlich bei steigenden Temperaturen und abnehmenden Niederschlagsmengen sowohl in den Alpen als auch im Himalaya und in jedem anderen Gebirgszug zurück. Die geografischen und klimatischen Gegebenheiten mögen unterschiedlich sein, doch der Mechanismus und die Dynamik der Reaktion der Gletscher auf den Klimawandel sind ähnlich.
Wie sieht die Zukunft aus?
Naturkatastrophen wie in Nepal oder kleinere Gletscherabbrüche sind mit dem heutigen Wissensstand meistens nicht vorhersehbar. Um die notwendigen Informationen dafür zu gewinnen muss eine kontinuierliche Überwachung und Untersuchung der verschiedenen Gebiete durchgeführt werden. Dadurch lässt sich erkennen, wann und wie sich die Gletscher zu bewegen beginnen und welche Dynamik die Situation aufweist, erläutert Glaziologe Maggi.
In Gefahrensituationen und bei Risiken für die öffentliche Sicherheit wird in die Überwachung investiert, was mit Kosten verbunden ist. „Auch wenn es nie einbricht, ist das Geld nie umsonst ausgegeben. Das Ereignis könnte jederzeit eintreten“.
In Südtirol werden die Gletscher vom hydrografischen, hydrologischen und glaziologischen Dienst des Land Südtirols direkt überwacht. Die Provinz Bozen führt diese Arbeit durch, sodass interne Informationen vorliegen und die Entwicklung einzelner Gletscher gezielt beobachtet werden kann. Um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, werden zudem besonders gefährdete Gebiete und Felswände von Wanderwegen umgeben.
Laut Valter Maggi sagen alle Modelle trotz Überwachung und kontinuierlicher Kontrolle voraus, dass Extremereignisse verschiedenster Art, sowohl meteorologischer als auch anderer Natur, zunehmen werden, sofern sich an den Emissionen von Treibhausgasen in die Atmosphäre nichts ändert.
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