Es wird geheiratet
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Es war Landesrat Luis Walcher, der den überschwänglichsten Begriff für die heute endgültig beschlossene Fusion der Bergmilch Südtirol (Mila) und des Milchhofs Brixen (Brimi) nannte: „Alles Gute zur Hochzeit!“ Nur um gleich nachzuschießen: „Aber Vorsicht, nach der Hochzeit kommen oft erst die Überraschungen!“
Doch davon wollte man sich heute nicht allzu sehr beirren lassen, erst mal stand die Fusion der beiden bereits jetzt größten Sennereigenossenschaften des Landes zu einem Koloss mit rund 3.000 Mitgliedern an. Gemeinsam vereinen sie rund drei Viertel aller Sennereigenossen Südtirols und ebenso rund drei Viertel der Kühe.
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480 Millionen Euro Umsatz
Nachdem am 29. April über 90 Prozent der Brimi-Mitglieder für die Fusion gestimmt hatten, zogen an diesem 8. Mai die Mila-Genossen „nach kritischer und manchmal hitziger Diskussion“ mit einem ähnlichen Ergebnis nach. Nach einer Vorbereitungsphase soll Ende 2026 die neue Genossenschaft „Milchhof Südtirol“ entstehen, mit einem geschätzten Umsatz von rund 480 Millionen Euro. Auf der Südtirolkarte wird es nur mehr wenige Flecken geben, in denen der zukünftige Milchhof Südtirol keine Melkmaschinen stehen hat: Burggrafenamt und unterer Vinschgau verbleiben beim Milchhof Meran, das Wipptal beim Milchhof Sterzing und der äußerste Osten bei der Sennerei Drei Zinnen, dazu noch einige kleinere Sennereien.
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Unterschiedliche Sortiments
Die drei Produktionsstandorte in Bozen, Brixen und Bruneck (ex-Senni) bleiben bestehen, ebenso soll es keinen Stellenabbau geben, „wir brauchen alle Kräfte“, sagte Matthias Baumgartner (Geschäftsführer Bergmilch Südtirol / Mila) angesichts des Fachkräftemangels. Die Marken Mila und Brimi sollen erhalten bleiben, „und werden langfristig in einem gemeinsamen starken Markenauftritt weiterentwickelt werden“. Was das genau bedeutet, wollte Martin Mair (Geschäftsführer Milchhof Brixen / Brimi) nicht sagen, er bestätigte lediglich die Einführung einer neuen Absendermarke, ohne Details dazu zu nennen.
Es wurde aber auch nicht vergessen, auf die Risiken hinzuweisen: andere Unternehmenskulturen und Kirchturmdenken. Die beteiligten Beratungsunternehmen ROI und pwc hätten die Fusion klar empfohlen, doch die eigentliche Arbeit beginne jetzt erst, sagten die beiden Geschäftsführer.
Annemarie Kaser, die Direktorin des Sennereiverbands, sagte, die Fusion ändere nichts am Rollenverständnis des Sennereiverbands Südtirol, man bleibe „Sprachrohr und verlässlicher Dienstleister“ aller Mitglieder. Wie das in der Praxis funktioniert wird sich zeigen, wenn eine einzige Mitgliedsgenossenschaft drei Viertel der Verbandsmitglieder vertritt.
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Groß trifft Klein
Auch im neuen Milchhof Südtirol gibt es ein Ungleichgewicht, dort haben die Mila-Menschen ein Übergewicht, sie sind mit 2.100 zu 1.000 Mitgliedern, 180 zu 95 Millionen Kilogramm Milch, 500 zu 230 Mitarbeiter und 331 zu 148 Millionen Euro Umsatz doppelt so große wie die Mila. Nur beim Viehbestand sind beide mit durchschnittlich 15 Kühen pro Mitglied gleich groß. Doch das solle kein Problem werden, das Sortiment sei sehr unterschiedlich, man ergänze sich gut mit Mila als Spezialist für Milch, Joghurt, Mascarpone und Käse, Brimi als Spezialist für Mozzarella, Ricotta und Butter. Bei Logistik, Einkauf und Verwaltung könne man Kräfte bündeln und habe mehr Verhandlungsmacht mit den Handelsketten. Auch wurde betont, dass es keine Übernahme gewesen sei, kein Groß frisst Klein, sondern eine Fusion auf Augenhöhe
Auch die Cheffrage ist noch nicht geklärt, im Jänner oder Februar sollen ein neuer Obmann und sein Vize gewählt werden, sagten Mila-Obmann Joachim Reinalter und sein Brimi-Amtskollege Klaus Faller. Die beiden Geschäftsführer Matthias Baumgartner (Bergmilch Südtirol) und Martin Mair (Milchhof Brixen) sollen beide im Amt bleiben und den Fusionsprozess begleiten, so Reinalter. Wer danach das Sagen haben wird, blieb offen. Ob sich da dann manche an Walchers Hinweis auf den Kater nach der Hochzeitsnacht erinnern werden?
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