Hey Alda!
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In diesem Schuljahr haben sich lediglich zehn Schüler an der Schule Hannah Arendt für die Pflegeausbildung eingeschrieben. Und tatsächlich: Die Ausbildung zum Pflegehelfer, die heute auf verschiedene Landesteile verteilt ist, steht kurz vor dem aus.
Bedarf gäbe es indes genug. In den kommenden Jahren werden über 600 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt. Seniorenheime und Sozialdienste leiden unter massiven Personalmangel. „Die Pflege braucht junge Menschen“ sagt Maria Elisabeth Rieder. Doch für die jungen Einsteiger ins Leben sind die Gebrechen der Lebens-Aussteiger nicht das spannendste Thema. Vor etwas mehr als 100 Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 49 Jahren. Heute sind wir bei 82 Jahren. Im Jahr 2100 werden wir in Europa voraussichtlich im Schnitt 90 Jahre alt werden. Die Ärzte bleiben ihrem hippokratischen Eid treu und verlängern die Lebenszeit ad infinitum; die katholische Lehre ist ausnahmsweise im Trend der Zeit und empfiehlt künstliche Lebensverlängerung, verbietet aber künstliche Lebensbeendigung.
„Für Nicht-Philosophen: shit happens + Dinge sind wertvoll, nicht trotz, sondern wegen ihres Endes.“
Doch wer finanziert die ewige Hetz auf Erden? Die Nachgeborenen gewiss nicht, zumal sich die Bevölkerung gerade halbiert. In Italien liegt die Fruchtbarkeitsrate inzwischen bei 1,1 Kind pro Frau. Außerdem: Die arbeitende Bevölkerung besitzt immer weniger, wohingegen das Vermögen älterer Menschen zum Zeitpunkt ihres Ablebens im Vergleich zu vor 60 Jahren umein Drittel gestiegen ist.
Kurzum, es gibt immer mehr zu pflegende Menschen und immer weniger Menschen und Ressourcen, um zu pflegen. Die Quelle trocknet aus, doch wir brauchen mehr Wasser. Kein Politiker traut sich ein Wort zu sagen. Wir fiedeln lieber auf dem Deck der Titanic und singen im Takt des Wellenganges erbauliche Lieder über das weltpolitische Geschehen. Doch unsere Zehen stehen bereits unter Wasser.
Philosophen wie Heidegger, oder Heilige wie Franz von Assisi erinnern uns daran, dass der Tod zum Leben gehört. Für Nicht-Philosophen: shit happens + Dinge sind wertvoll, nicht trotz, sondern wegen ihres Endes. Wenn wir auch den Tod nicht zu umarmen vermögen, so können wir zumindest akzeptieren, dass er im schlimmsten Fall eintreten könnte: Skifahren ohne Helm, Baugesetze mit niedrigeren Sicherheitsstandards (Gebäudeklasse E in Deutschland) – das würde auch das leistbare Wohnen unterstützen, ästhetischere Gestaltung der Friedhöfe als Anreiz für die neue Bleibe und Ähnliches.
Wir könnten auch mehr mit alten Menschen quatschen, anstatt die gesamte Energie in deren unendliche Lebensverlängerung zu pumpen. Welche Bereicherung, aus ihrer Erfahrung zu lernen! Die Senioren ihrerseits litten nicht mehr an Einsamkeit, könnten einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und hätten ein würdiges Ableben.Und was können Jugendliche dazu beitragen? Mein Tipp: Werft das Handy aus dem Fenster, fahrt mit dem Moto in die Disco, schmeißt euch ein paar shots rein, springt zu zweit in einen Busch, um ihn zu dritt wieder zu verlassen. Das ist doch nicht zu viel verlangt.
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„Vor etwas mehr als 100…
„Vor etwas mehr als 100 Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 49 Jahren.“
Der Durchschnitt hat sich allerdings ergeben, weil die Kindersterblichkeit so hoch war. Auch damals wurden die Menschen schon älter, 70-80-90 Jahre waren keine Seltenheit.
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