Abgang einer Visionärin
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Jetzt S+ abonnierenZwei Tage nach ihrem Ausscheiden aus der Landespolitik macht Elide Mussner, ehemalige Co-Vorsitzende der Grünen, mit einer spitz formulierten Aussendung auf sich aufmerksam. Alleine der Titel spricht für sich: „Kapitalisierung des öffentlichen Raumes: ein Paradox.“
Ob die Hochzeit des Amazon-Gründers Jeff Bezos`in Venedig im Juni 2025 oder jene der Sängerin Dua Lipa vor wenigen Tagen in Palermo – die Absperrung ganzer Plätze aus Privatinteresse zeige einen neuen Trend auf, der die Stadt mit ihrem öffentlichen Raum „zu einer puren Szenographie degradiert“, so Mussner, die als Grüne im Gemeinderat von Abtei sitzt.
„Am Berg veranstaltet man Konzerte und DJ-Sets und der Hofburggarten in Brixen wird zum Vergnügungspark umgestaltet.“
In der vorigen Amtsperiode war sie als Gemeindereferentin für Tourismus, Mobilität, Jugend und Chancengleichheit zuständig. Bei den Parlamentswahlen 2022 kandidierte sie für die Links-Koalition Grüne/Sinistra, PD, +Europa und war auch bei den Landtagswahlen 2023 für die Grünen im Rennen.
Jetzt zieht sie sich offenbar von der großen politischen Bühne zurück und hinterlässt mit der Aussendung gewissermaßen einen Abschiedsbrief an die Öffentlichkeit, in dem sie über den Südtiroler Tellerrand schaut. Sie kritisiert aber nicht nur das geplante Luxusressort der US-Präsidententochter Ivanka Trump mit ihrem Ehemann Jared Kushner auf der Insel Sazan im Naturschutzgebiet Zvernec in Albanien, sondern auch die Entwicklungen in unserem gelobten Land.
„Auch bei uns in Südtirol lassen die Zeichen eine ähnliche, wenn auch in kleinerem Maße stattfindende Kapitalisierung des Gemeinwohls erkennen“, so Mussner. „Am Pragser Wildsee kann man Slots für private Hochzeitsevents mieten, auf den Dolomitenpässen bietet man Rennfahrten mit privater Escorte an, am Berg veranstaltet man Konzerte und DJ-Sets und der Hofburggarten in Brixen wird zum Vergnügungspark umgestaltet. Als wäre der öffentliche Raum privates Gut!“
Gerade deswegen bleibt zu hoffen, dass kritische, junge Frauen wie sie nicht verstummen, egal welcher Partei sie angehören.
Der Tenor sei klar: Wer bezahlt, kann haben. Für die ehemalige Co-Vorsitzende der Grünen ein gravierendes Zeichen von sozialer Verarmung. Sie fordert, dass der öffentliche Raum keinen Preis haben soll und darf. Doch bei einer ausgewogenen Wirtschaftspolitik hat die Südtiroler Landesregierung seit Jahren Schwierigkeiten, mutige Versuche wie der Bettenstopp oder das neue Raumordnungsgesetz werden im Nachhinein aufgeweicht.
Auch in der Opposition mussten ambitionierte Figuren wie der ehemalige Grüne Co-Vorsitzende Felix von Wohlgemuth zurückstecken. Bei der letzten Landesversammlung am vergangenen Samstag in Bozen hat die Ladinerin ihr Amt der Co-Vorsitzenden gemeinsam mit Luca Bertolini an den Landtagsabgeordneten Zeno Oberkofler und die Eppaner Gemeinderätin Kathrin Werth übergeben.
Wie aus Parteikreisen zu erfahren ist, haben beide auf eine zweite Amtszeit verzichtet. Gerade deswegen bleibt zu hoffen, dass kritische, junge Frauen wie sie nicht verstummen, egal welcher Partei sie angehören.
Aus der Redaktion
In unserem Format „Aus der Redaktion / Dalla redazione“ kommentieren wir aus der SALTO Redaktion aktuelle Themen der Politik, Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft und Kultur.
„Einen großen Dank an ELIDE…
„Einen großen Dank an ELIDE MUSSNER !!!“
„Sie hat den Schutz der Heimat vor der gierigen Meute die ALLES verwursten will, sehr mutig + mit viel Einsatz weiter getragen!“
Hoffentlich bleibt ihre Stimme für den Einsatz zum Schutz der Natur im Hintergrund erhalten!
VIELE DANK ELIDE! Dein Mut…
VIELE DANK ELIDE!
Dein Mut und dein Einsatz sind bewundernswert und gewiss nicht umsonst, auch wenn es in der Auseinandersetzung mit der Gier und materiellen Unersättlichkeit oft so erscheinen mag.