Umwelt | Tourismus

„Diese Hubschrauberplage“

Ein offener Brief an Landeshauptmann Arno Kompatscher bringt die Diskussion um touristische Hubschrauberflüge erneut auf die politische Agenda. Die Zuständigkeiten zwischen Mobilität- und Umweltressort sind unklar.
Canva

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

Ein Facebook-Post der Grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa hatte Anfang Mai eine politische Diskussion ausgelöst: Auf dem von ihr geposteten Foto waren zwei Personen zu sehen, die – inmitten einer idyllischen Alpenkulisse – gerade aus einem Hubschrauber ausgestiegen sind. Mit den Worten „Und jetzt gehn sie Mittagessen“ begann die Anprangerung Foppas am Fall einer Hubschrauberlandung auf einer Wiese oberhalb von Flaas in der Gemeinde Jenesien

Was zunächst wie eine Episode des Luxustourismus wirkte, entwickelte sich binnen weniger Tage zu einer Debatte über die Grenzen touristischer Hubschrauberflüge, den Schutz der Bergwelt und die begrenzten Zuständigkeiten des Landes Südtirol. SALTO berichtet bereits seit 2025 immer wieder über die Zunahme von touristischen Hubschrauberflügen in Südtirol. Nun, da die Autonomiereform neue Handlungsspielräume eröffnen könnte, werden die Forderungen nach strengeren Regeln erneut laut.

Neuer Handlungsaufruf

Der Grüne Bozner Gemeinderat Rudi Benedikter ruft in einem offenen Brief Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) zum Handeln auf: „Am 6. Mai des Jahres haben Sie angekündigt, dank neuer Kompetenzen im Bereich Umwelt- und Lärmschutz nach der Autonomiereform, auch gegen die Plage der privaten Hubschrauberflüge direkt eingreifen zu wollen.“ Die Landesregierung bzw. der Landtag hätten alle notwendigen rechtlichen Voraussetzungen, um „diese Hubschrauberplage aus Umwelt-, Lärm-, und Landschaftsschutzgründen“ zu unterbinden. Benedikter drängt auf eine baldige Umsetzung der angekündigten Maßnahmen in seiner Funktion als Gemeinderat der Landeshauptstadt, da die Flüge insbesondere Bozens Nachbargemeinden Ritten, Jenesien und Eppan beträfen.

Gemeinderat Rudi Benedikter: „Nun haben Sie tatsächlich alle notwendigen rechtlichen Instrumente dazu in der Hand und könnten dank der Autonomiereform diese Hubschrauberplage aus Umwelt-, Lärm-, und Landschaftsschutzgründen beenden.“ Privat

Laut Benedikter könne das Land mit den neuen Zuständigkeiten nach der Autonomiereform künftig selbst festlegen, wo Hubschrauberlandeplätze zulässig sind und wo Landungen untersagt werden sollen. Zuvor fielen entsprechende Entscheidungen weitgehend in die Zuständigkeit der staatlichen Vorgaben und der Luftfahrtbehörde ENAC. Gestützt auf die Kompetenzen im Umwelt-, Landschafts- und Lärmschutz könne die Landesregierung aber nun bestehende Regelungen verschärfen und insbesondere zum Schutz „ruhiger Gebiete auf dem Land“ gegen touristische Hubschrauberflüge vorgehen. Auch die Gemeinden könnten dem Land aus Gründen des Lärmschutzes entsprechende Vorschläge unterbreiten.

Politischer Dauerbrenner im Luftraum

Während der Bürgemeister Jenesiens, Paul Romen, die von Foppa dokumentierte Hubschrauberlandung als Einzelfall einordnete, kritisierte Carlo Zanella, der Präsident des CAI Alto Adige, die zunehmende Nutzung von Hubschrauberflügen in Südtirol als „Tourismusinstrument“.

Umweltlandesrat Brunner: verweist auf laufende Arbeiten an einer Gesetzesnovelle zu touristischen Flügen, sieht den Großteil der Zuständigkeit jedoch bei einem anderen Ressort. USP/Bruccoleri

Umweltlandesrat Peter Brunner (SVP) – der bereits im Januar 2025 eine strengere Regelung für touristische Flüge angekündigt hatte – sagte im Mai dieses Jahres, dass sein Ressort bereits den Entwurf für die Gesetzesänderung ausgearbeitet habe, soweit sie in seinen Zuständigkeitsbereich der Schutzgebiete falle. „Der Hauptteil der Gesetzesnovelle wird jedoch vom Ressort des Landesrats Daniel Alfreider (SVP) ausgearbeitet, das für den überwiegenden Teil des Landesgebiets zuständig ist“, so Brunner vor einem Monat. Aus dem Büro von Landesrat Alfreider kam jedoch die gegenteilige Antwort: Die Arbeitsgruppe sei von Brunners Ressort koordiniert worden, und in diesem Sachbereich habe man „praktisch nur wenige Zuständigkeiten“.

Drohnen verboten, Hubschrauber erlaubt?

Im Mai hatte der Facebook-Post von Foppa auch im Landtag für Diskussionen gesorgt. Mehrere Oppositionspolitikerinnen und Politiker kritisierten die aus ihrer Sicht widersprüchliche Regelung für Flugbewegungen im alpinen Raum, insbesondere im Zusammenhang mit touristischen Hubschrauberflügen. Diese würden in sensiblen Gebieten weiterhin unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, während andere Nutzungen der Luft deutlich strenger geregelt seien.

Auffällig sei etwa, dass in manchen Gemeinden wie Jenesien touristische Hubschrauberlandungen im Einzelfall möglich sind, während der Einsatz von Drohnen dort zugleich stark eingeschränkt oder untersagt ist. Diese unterschiedliche Behandlung sei schwer nachvollziehbar.

Landeshauptmann Kompatscher verwies in der Debatte auf die damals laufende Autonomiereform. Er kündigte an, entsprechende rechtliche Schritte nach Inkrafttreten der neuen Kompetenzen zu prüfen und ein Landesgesetz auf den Weg zu bringen.