Ein Pilgerort für Electronic und Kunst
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Jetzt S+ abonnierenSALTO: Maximilian Pichler, das Festival heißt „Hospiz“, weil die Lokalität so benannt ist – was macht diesen Ort aus technischer und atmosphärischer Sicht zum perfekten Spot für ein Technofestival?
Maximilian Pichler: Das Klösterle St. Florian prägt seit 2019 unsere Identität. Der Name „Hospiz“ – historisch ein Pilgerhospiz – steht für einen offenen Ort des Ankommens und Austauschs. Das Festival versteht sich dabei nicht als reines Technofestival. Elektronische Musik bildet zwar den Schwerpunkt, doch Performances, Installationen und Live-Acts spielen eine ebenso wichtige Rolle. Künstlerinnen und Künstler genießen große gestalterische Freiheit – sei es durch Skulpturen, Visuals, interaktive Elemente, Performances oder Malerei – und interpretieren so das jeweilige Jahresthema. Das Klösterle ist dafür weit mehr als eine Kulisse: Es ist ein Ort der gemeinsamen Arbeit und Kreativität. Dass das diesjährige Motto „Coming Home“ lautet, unterstreicht die besondere Bedeutung unserer Rückkehr an diesen Ort nach der Pause.
Wer steht dieses Jahr auf der Bühne? Welche Acts haben Sie verpflichtet und nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?
Wir haben 28 lokale und internationale Acts eingeladen. Unser Booking folgt dem Grundsatz, ausschließlich Künstlerinnen zu buchen, zu denen wir persönliche Verbindungen aufgebaut haben. Das diesjährige Motto „Coming Home“ spiegelt sich besonders im Line-up wider: Ein Augenmerk lag auf Südtiroler Künstlerinnen und Künstler, die zeitweise im Ausland gelebt haben oder dort aktiv sind, darunter ËSENAIM, David Frisch, {ø_ø}, Leo Cologna, Suri, Luciano di Rimini und Christiane de la Fontaine.
Wie schätzen Sie die aktuelle Techno-Szene in Südtirol ein?
Die Entwicklung stimmt mich sehr positiv. Engagierte Kollektive treiben spannende Projekte voran, und auch kommerziellere Clubs öffnen sich für alternative Formate. Besonders erfreulich ist das neue Vereinslokal des AMA, das Raum für Clubnächte und kulturellen Austausch bietet. Initiativen wie Virus, Placebo, Meranderground und viele weitere motivierte Menschen leisten einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen Kulturlandschaft. Es zeigt sich, wie viel in einer ländlich geprägten Region durch Leidenschaft und Eigeninitiative entstehen kann.
Ist das Publikum für experimentellere oder härtere Sounds offen?
Wir achten auf eine ausgewogene Mischung aus House, Techno, Drum and Bass, Garage, Noise und Performance. Diese Verbindung aus Verlässlichkeit und Überraschung prägt das Festival seit Jahren: Unsere Besucherinnen und Besucher wissen, wofür wir stehen, können sich aber jedes Jahr auf neue Entdeckungen und unerwartete Begegnungen freuen.
Was ist das Schwierigste daran, in Südtirol ein Festival dieser Art auf die Beine zu stellen?
Früher standen für uns vor allem organisatorische und finanzielle Herausforderungen im Vordergrund. Dank der großen Unterstützung der Gemeinde Neumarkt und des Jugendzentrums konnten wir jedoch stets auf ein starkes Umfeld zählen, das viele Projekte überhaupt erst möglich gemacht hat.
Gleichzeitig zeigt uns genau das aber auch, welchen Stellenwert der Verein für uns hat.
Heute hat sich die Situation verändert: Die größte Herausforderung besteht darin, neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen genügend Zeit für die Vereinsarbeit zu finden. Gleichzeitig zeigt uns genau das aber auch, welchen Stellenwert der Verein für uns hat. Gerade durch den Zuwachs neuer Mitglieder entstehen frische Impulse, die uns motivieren und dazu beitragen, den Verein gemeinsam weiterzuentwickeln.
Auf welchen Act oder welchen Moment freuen Sie sich bei dieser Ausgabe am meisten?
Ich freue mich auf alle Acts unseres diesjährigen Line-ups – von den Hospiz-Residents Toni Telefoni, Bossifunk und Luciano di Rimini, oder die neue achtköpfige Band FIRRI, bis hin zu internationalen Gästen wie Alberta Balsam, Archetype und Rorschack. Besonders schön ist, dass viele dieser Künstlerinnen und Künstler über persönliche Kontakte und unser stetig wachsendes Netzwerk zum Festival gefunden haben. Auch unsere neueren Vereinsmitglieder haben das Programm aktiv mitgestaltet und mit der Sisyphos-Resident Elli Altenberger sowie dem Schlagwerker und Sound Artist Alberto Anhaus das Programm um zwei spannende Acts erweitert.
Wer ist das Zielpublikum? Erwarten Sie eher das lokale Stammpublikum oder ziehen die Location und das Line-up auch Leute von außerhalb an?
Die besondere Atmosphäre des Alten Hospizes zieht nicht nur Gäste aus der Region an, sondern auch Leute aus dem übrigen Italien, Österreich und Deutschland. Genau dieses Zusammenspiel aus regionaler Verankerung und überregionaler Ausstrahlung macht den Charakter des Hospiz Festivals aus – bei dem wir bewusst ein kompaktes, zweitägiges Format mit starkem Bezug zur Region bleiben.
Über das Interview
Dieses Interview wurde mit Maximilian Pichler (Gründungsmitglied und ehemaliger Präsident) geführt. Bei der Beantwortung der Fragen unterstützten Manuel Zwerger (Schriftführer) sowie das aktuelle Präsidium mit Greta Cazzanelli (Präsidentin) und Stefan Gabalin (Vizepräsident).
Wie wichtig ist Ihnen der Austausch zwischen den lokalen Künstlern und den internationalen Gästen?
Der Austausch zwischen lokalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern ist ein zentrales Element des Hospiz Festivals – und seine Wirkung reicht weit über die Festivaltage hinaus. Internationale Gäste bringen neue Perspektiven und musikalische Einflüsse mit, die inspirieren und kreative Impulse setzen. Gleichzeitig ist uns wichtig, dass dieser Austausch in beide Richtungen funktioniert: Lokale Acts erhalten die Möglichkeit, sich einem neuen Publikum zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen, die über Südtirol hinausreichen. Genau aus diesem Wunsch nach Vernetzung ist das Festival entstanden. Bis heute prägt dieser Gedanke unser Booking und die Art und Weise, wie wir das Programm gestalten.
Wann: 12. Juni (19:00–04:00) & 13. Juni 2026 (17:00–04:00)
Wo: Klösterle St. Florian, Neumarkt
Line-up: Alberta Balsam, Alberto Anhaus, Alyra, Archetype, Bossifunk, Burro & Kakao, Christiane de la Fontaine, David Frisch, DJ Fedl, Elm, Elli Altenberger, Ësenaim, Federico Rossi, Firri, Greta Cazzanelli, Leo Cologna, Luciano di Rimini, Manu Mischkonsum, Mew Fang, Montelemon, Mx Terrible, {ø_ø}, [Ruins], Rorschack, S[h]ook Yong, Suri, Toni Telefoni, Ya Ria.
Weitere Infos & Tickets: www.hospiz.it
Welche Vision verfolgt ihr mit dem Hospiz Festival für die nächsten Jahre?
Die diesjährige Ausgabe markiert für uns einen wichtigen Neustart nach einer einjährigen Pause und bietet die Chance, neue Impulse für die Zukunft zu setzen. Wohin die Reise langfristig geht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Mit neuen Mitgliedern kommen auch neue Ideen und Perspektiven – sowohl für das Festival als auch für den Verein insgesamt. Aktuell arbeiten wir zudem daran, ein eigenes Vereinslokal in der Region zu finden. Damit möchten wir die Möglichkeit schaffen, das ganze Jahr über Veranstaltungen und kulturelle Begegnungen zu organisieren und unsere Aktivitäten nachhaltig weiterzuentwickeln.