Wann genügt ein Kind, ein junger Mensch?
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Jetzt S+ abonnierenDas Schulende steht vor der Tür und damit auch der Sitzungsmarathon der Bewertungskonferenzen. Für mich ein Balanceakt; viele Jugendliche messen ihren Wert an Zahlen. Dabei sollte Schule ein Ort sein, an dem sie lernen und wachsen dürfen.
Druck überlagert die Freude am bloßen Lernen.
Die Bleistiftzeichnungen berühren. Aufgefädelt auf einem roten Faden hängen sie im Raum der Sozialpädagogin. Sie beschreiben den Weg einer Vierzehnjährigen durch unser Bildungssystem, zeugen vom Druck, der die Freude am bloßen Lernen immer öfter überlagert, zeugen von Angst, nicht zu entsprechen, zeugen von der Furcht, zu scheitern. Zeichnungen anstatt Worte. Schwarzweiß.
„Die Menschen denken zu viel an das, was sie nicht können und zu wenig an das, was sie können.“ Zitat von Vera F. Birkenbihl, aufgestöbert im Netz, als ich nach einem Fernsehinterview mit der Managementtrainerin, Sachbuchautorin und Pionierin des gehirn-gerechten Lernens suche, in dem sie über die Bewertung von Kindern und Jugendlichen in der Schule spricht und darüber, wie sehr diese Bewertung die Lust am Lernen nehmen kann.
Sitzenbleiben ist eine kriminelle Handlung.
Gefunden habe ich dieses Interview nicht, dafür aber auf der Webseite Lernen der Zukunft ein Video, indem sie sagt, dass das Sitzenbleiben eine kriminelle Handlung sei. Weil man den Anschluss verliere. Weil man das ein Leben lang nicht verwinden könne. Weil es im Wiederholungsjahr in der Regel keine besseren Noten gebe.
ALCHEMILLAndo
Alchemilla ist der lateinische Name des Frauenmantels. Diese Pflanze ist die Namensgeberin des feministischen Vereins „Alchemilla“ mit Sitz in Bozen. Seit beinahe 30 Jahren geben die Alchemillen den Südtiroler Frauenkalender heraus.
Die SALTO-Reihe „ALCHEMILLAndo“ leitet sich vom Vereinsnamen ab. Sie greift Themen des Kalenders auf, dient als feministischer Auf- und Zwischenruf und lädt zum Nachdenken und Vertiefen ein. Sie erscheint ab nun am 8. Tag jeden Monats; alle Texte sind von Alchemillen für SALTO verfasst unter der Koordination von Heidi Hintner.
Unser Schulsystem baut aber auf Bewertungen auf. Positive Noten erreichen, möglichst in allen Fächern. Positive Noten, um weiterzukommen. In die nächste Klasse. In die nächste Bildungsstufe.
Wie viel einfacher wäre es doch, Stärken zu stärken und die Schwächen beiseitezuschieben.
Die Bewertungskonferenzen sind für mich jedes Jahr aufs Neue ein Balanceakt. Weil dort über Lebenswege entschieden wird. Weil dort gemessen werden muss. Weil Kinder und Jugendliche auf Ziffern reduziert werden. Und auf das, was sie nicht können. Wie viel einfacher wäre es doch, Stärken zu stärken und die Schwächen beiseitezuschieben. Weil Gerechtigkeit niemals bedeuten kann, dass alle dieselbe Aufgabe lösen müssen. Ich versuche zu leiten, zu erfassen, zu verstehen gemeinsam mit dem Klassenrat die richtige Entscheidung zu treffen.
Es gelingt ganz oft. Weil Lehrpersonen über die Grenzen des Systems hinauszudenken vermögen. Weil sie ihr Fach nicht als das Maß aller Dinge betrachten. Weil sie verstanden haben, dass Lernwege selten geradlinig verlaufen. Ganzheitlich bewerten, die individuellen Lernfortschritte in den Fokus rücken. Wann ist eine Leistung genügend? Wann genügt ein Kind, ein junger Mensch?
Auf meinem Schreibtisch liegt das Buch „Jugend unter Druck“ von Caroline Culen und Golli Marboe, erschienen im September 2025. Ich habe Golli Marboe vor vier Jahren kennengelernt, als er in der Stadtbibliothek Brixen sein Buch „Notizen an Tobias – Gedanken eines Vaters zum Suizid seines Sohnes“ vorgestellt hat.
Lernen ist nicht etwas, das man tut, sondern etwas, das passiert.
Was mir damals unter die Haut gegangen ist, ist seine Aussage, dass wir alle viel zu wenig über psychisches Wohlbefinden wissen und noch viel weniger darüber reden. „Die Gesellschaft lernt erst allmählich, auf das Thema mentale Gesundheit zu achten. Das Bildungssystem ist ein Spiegel dieser Gesellschaft – und damit gibt es auch hier noch viel zu lernen“, meinte Golli Marboe in einem heute-Interview. Er hat die Mental Health Days initiiert und ist damit an Österreichs Schulen unterwegs. Verstehen, wo die Probleme liegen. Weil Jugend unter Druck auch bedeutet, dass die Gesellschaft, die Eltern, die Pädagoginnen und Pädagogen unter Druck sind.
Lernen ist nicht etwas, das man tut, sondern etwas, das passiert. Emotionen, positive wohlgemerkt, sind das Fundament, Lehrpersonen die Wegweiser. Und der Rahmen ein Bildungssystem, das nicht starr ist. Damit ganzheitliche Bewertung genügen kann. Und Bleistiftzeichnungen hoffnungsvoll bleiben.
Danke für diese tiefe…
Danke für diese tiefe Einsicht!
Ich hab selbst kurze Zeit in Schule gearbeitet und empfand die starren Schulstrukturen, als „nicht artgerecht“, - verglichen mit den Prinzipien der Tierhaltung (Platz, Bewegung, Sozialverhalten) Schule muss endlich ein weiterentwickeltes Menschenbild anstreben und vorleben!
Es geht um den Übergang von einer „Belehrungsanstalt“ hin zu einem „Lebensort“, an dem Menschen ganzheitlich – körperlich, sozial und kognitiv – artgerecht gefördert werden.
- Wenn Bildung weiterhin primär auf Funktionalität und Leistung statt auf Persönlichkeitsbildung, Kooperation und Verantwortung ausgerichtet ist, verliert die Gesellschaft langfristig ihren sozialen Zusammenhalt....
„Lernen ist nicht etwas, das…
„Lernen ist nicht etwas, das man tut, sondern etwas, das passiert.“
Klingt schön, stimmt aber nur teilweise. Lernen passiert vor allem durch das Tun. Und das ist oftmals richtig anstrengende Arbeit. Leider wird das in den Schulen mittlerweile oft übersehen und man stellt das Wohlbefinden in den Mittelpunkt. Harte Arbeit führt auch zu Wohlbefinden, Zufriedenheit und vor allem zu Fortschritten. Ohne Schweiß keinen Preis! Was früher selbstverständlich war, ist in der modernen Pädagogik kaum mehr vorhanden. Sobald die Jugendlichen dann in die Arbeitswelt kommen, gibts die große Überraschung :-(
„Wie viel einfacher wäre es…
„Wie viel einfacher wäre es doch, Stärken zu stärken und die Schwächen beiseitezuschieben.“
Ja, das ist richtig. Man nehme einen Jannik Sinner. Er hat seine Stärken perfektioniert, ist nun das Maß aller Tennis-Dinge. Sicher hat er auch fehlende Skills, abseits des Tennis-Court, seinen Erfolg machen aber nun mal die Stärken aus.
Ohne es auf die Spitze treiben zu wollen: Die Stärken zu stärken, zahlt sich im Leben allemal aus. Und an den Schwächen zu arbeiten, macht einen Menschen erst vollkommen.
In der jetztigen Zeit „wo…
In der jetztigen Zeit „wo das -W I S S E N- zu-jeder-Zeit ab-RUF-bar zur Verfügung steht,“ sollte die -B I L D U N G- nicht auf das -E I N - B L E U E N- von Daten + Fakten bewegen, „die man im Berufs-Leben, aber auch im Ruhestand nie mehr braucht.“
„Die -A U S B I L D U N G- sollte sich mehr auf die positiven -m e n s c h l i c h e n- EIGENSCHAFTEN: - EHRLICHKEIT - TOLERANZ - friedliches miteinander AUSKOMMEN usw. verlegt werden“ + „-n i c h t- die -l a n g s a m e r e- AUFFASSUNG mit -n e g a t i v- NOTEN oder -g a r- mit dem sehr schlimmen SITZEN-bleiben zu -b e s t r a f e n-!“
Durch den jährlichen Lehrerwechsel, „kann das Miteinander nicht können“ zwischen Schüler:In + Lehrer:In das häufig vorkommt, etwas ausgeglichen werden!