Umwelt | Wasserverlust

Wo rinnt’s denn?

Die Wasserverluste im Bozner Trinkwassernetz sind laut Seab innerhalb von zwei Jahren um mehr als 1,2 Millionen Kubikmeter gesunken. Der Versorger räumt ein: Wie viel davon auf weniger Lecks und wie viel auf genauere Messungen zurückgeht, weiß man nicht.
Seab erklärt den Rückgang der Wasserverluste in Bozen. Realer Verlust bleibt unklar. Bild: Rose Galloway Green/unsplash

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Wie stark sind die Wasserverluste im Bozner Trinkwassernetz tatsächlich gesunken? Umweltlandesrat Peter Brunner versicherte in seiner schriftlichen Antwort auf Paul Köllenspergers Landtagsanfrage, dass die Wasserverluste im Bozner Trinkwassernetz von 32,07 Prozent im Jahr 2023 auf 23,97 Prozent im Jahr 2025 gesunken seien. Ein Rückgang von rund acht Prozent, den Brunner im August noch hauptsächlich mit dem PNRR-Projekt zur Digitalisierung des Bozner Wasserleitungsnetzes in Verbindung gebracht hat. Aber kann Digitalisierung wirklich Lecks stopfen?

Wasserverlust- und Wasserleckexperte Robert Bargolini hatte Zweifel daran geäußert, wie aussagekräftig diese Prozentwerte tatsächlich sind und welcher Anteil lediglich auf die genauere Messung durch die Installation neuer Zähler zurückgeht.

SALTO hat bei Landesrat Peter Brunner und beim Bozner Versorgungs- und Abwasserversorgungsbetrieb Seab nachgefragt, inwiefern der Zweifel berechtigt ist. Auf die Antwort des Landesrats warten wir noch, aber die Seab legt Zahlen offen und räumt ein: So genau, weiß man nicht, wie hoch die realen Verluste sind.

Real, scheinbar, unklar

Seab beziffert den gesamten Wasserverlust im Bozner Trinkwassernetz für 2023 auf rund 3,85 Millionen Kubikmeter, für 2025 auf rund 2,64 Millionen Kubikmeter. Damit sank der ausgewiesene Verlust innerhalb von zwei Jahren um gut 1,2 Millionen Kubikmeter beziehungsweise rund 31,5 Prozent.

Auch die Verlustquote ging deutlich zurück: von 32,07 Prozent auf 23,47 Prozent. Umweltlandesrat Peter Brunner hatte in seiner Antwort auf die Landtagsanfrage für 2025 noch 23,97 Prozent genannt – eine kleine rechnerische Abweichung. Entscheidend ist: Innerhalb von zwei Jahren sank die Verlustquote um rund 8,6 Prozentpunkte.

Doch weiterhin irritierend bleibt, warum die Zahlen immer noch nicht verraten, ob 2025 tatsächlich 1,2 Millionen Kubikmeter weniger Wasser durch kaputte Leitungen im Bozner Untergrund versickert sind.

„Die neuen Zähler haben mit Sicherheit dazu beigetragen, die Genauigkeit der Verbrauchsmessung zu verbessern und folglich die scheinbaren Verluste aufgrund von Messfehlern zu reduzieren.“

Matteo De Grandis, Leiter des Bereichs Wasserkreislauf bei Seab, erklärt, dass „die Verluste nach der Standardmethodik der italienischen Regulierungsbehörde ARERA und der International Water Association berechnet“ würden. Das gesamte Wasserverlustvolumen wird dabei als Differenz zwischen der in das Netz eingespeisten Wassermenge und der abgegebenen Wassermenge definiert. 

Der Gesamtverlust, der durch diese Methodik erhoben wird, bestehe wiederum aus zwei verschiedenen Komponenten: realen und sogenannten scheinbaren Verlusten. „Reale Verluste entstehen etwa durch undichte oder beschädigte Rohrleitungen. Scheinbare Verluste entstehen hingegen unter anderem durch Messfehler bei Wasserzählern oder nicht korrekt erfasste Entnahmen“, erklärt De Grandis.

„Im Zuge des PNRR-Projekts wurde der gesamte Bestand an Wasserzählern durch Smart Meter ersetzt. Die neuen statischen Zähler behalten ihre Messgenauigkeit über längere Zeit besser bei als herkömmliche mechanische Wasserzähler“, erklärt der Seab-Bereichsleiter. Letztere würden mit zunehmendem Verschleiß insbesondere bei geringen Durchflussmengen ungenauer. Die neuen Zähler hätten daher „mit Sicherheit dazu beigetragen, die Genauigkeit der Verbrauchsmessung zu verbessern und folglich die scheinbaren Verluste aufgrund von Messfehlern zu reduzieren“, schildert Matteo De Grandis.

Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, kann das Unternehmen allerdings nicht sagen. Es sei aber „vernünftig anzunehmen“, dass sich die durch Messfehler verursachten scheinbaren Verluste deutlich reduziert hätten.

227 zusätzliche Reparaturen

Die Verbesserung der Wasserbilanz soll aber nicht nur auf genauere Messungen zurückgehen. Wasserbereichsleiter De Grandis erklärt, dass in normalen Jahren durchschnittlich 60 bis 70 Reparaturen am Trinkwassernetz durchgeführt würden. „Im Jahr 2025 kamen durch zusätzliche Mittel aus dem PNRR-Projekt weitere 227 Reparaturen hinzu“, so De Grandis. Welche Reparaturen genau durchgeführt wurden, führt er jedoch nicht aus.

Zudem wurden im Rahmen des Projekts mehr als fünf Kilometer Wasserleitungen ersetzt und der Druck in verschiedenen Bereichen des Bozner Netzes optimiert. Ausgebaut wurde auch die aktive Suche nach Lecks. Bis zu den Jahren vor dem PNRR-Projekt wurden jährlich rund 20 Prozent des Trinkwassernetzes mithilfe sogenannter „Noise logger“ untersucht. Dabei handelt es sich um Sensoren, die Geräusche im Leitungsnetz registrieren und dadurch Hinweise auf mögliche Lecks geben können.

Seit 2025 werde mit dieser Methode nun 100 Prozent des Bozner Trinkwassernetzes untersucht, erklärt De Grandis. Bis dato bleibt der reale Wasserverlust jedoch eine Dunkelziffer unter der Erde.

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