Bücher | Bibliophile Fragen

„Wieso nicht meines?“

Rut Bernardi war gestern eine der 15 Autorinnen und Autoren beim Lesereigen "Alpine Poesie der Gegenwart". Und sie hat die "immer gleichen Fragen" von SALTO beantwortet.
ZeLT

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SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

Rut Bernardi: Pippi Langstrumpf. Ihre Unabhängigkeit und Freiheit, und vor allem ihre Tiere haben mich insofern geprägt, dass ich mein Leben danach eingerichtet habe. Sie hatte ein Äffchen und ein Pferd und ich hätte mir immer einen Hund gewünscht. Doch meinen Wunsch nach Tieren konnte ich nur zum Teil erfüllen.

Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

Der letzte Satz von Giacumbert Nau. Hirt auf der Greina von Leo Tuor (1988): „Giacumbert miera cu el vul e buca cu la stria vul. El vegn a murir ella gonda cun ses tiers.“ Deutsch (1994): „Giacumbert stirbt, wenn er will, und nicht wenn die Hexe will. Er wird in der Geröllhalde sterben, bei seinen Tieren.“
 

Die „Maschinen“ machen mich nervös und das Lesen ist für mich eine beruhigende Tätigkeit.

Alpine Poesie der Gegenwart: Zwei Tage Literatur mit 15 Autorinnen und Autoren aus Ladinien, Graubünden und Friaul. Dazu Live-Musik von Liedermacherinnen und Liedermachern aus den drei beteiligten Sprachräumen. Im Bild: Rut Bernardi am Lesepult bei der ZeLT-Veranataltung gestern in Brixen. ZeLT

Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

Reimen ist überhaupt nicht doof. Im Gegenteil. Ich liebe die Form beim literarischen Schreiben. Metrik und Reim geben der Lyrik die Ästhetik für die Sprachkunst. Und um André Gide zu zitieren: „L’art a besoin de contraintes, la liberté totale la perd.“ = Die Kunst braucht Einschränkungen bzw. Regeln, die völlige Freiheit verliert sie.
Und das Buch, oder die Bücher, auf die ich mir nie einen Reim machen konnte, sind Harry Potter von Rowlings.

Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

Ich kenne leider keine Lokalkrimis und habe auch keine gelesen. Doch ich respektiere die Liebe für Krimis, lokale wie internationale. Gute Krimis sind alles andere als banal.

Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?

Ich merke gerade, dass ich mich gar nicht an Buch-Tipps orientiere. Wie ich sonst meine Bücher auswähle, habe ich mich noch nie so richtig gefragt. Ich halte mich eher an Autorinnen und Autoren.

Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?

Eines der vielen Kochbücher, mit denen ich nichts anfangen kann, obwohl ich gern gut esse.

Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

Ich würde kein einziges Buch am E-Book-Reader lesen. Ich lese nur gedruckte Bücher. Die „Maschinen“ machen mich nervös und das Lesen ist für mich eine beruhigende Tätigkeit.

Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen?

Wieso nicht meines: „Totgeschwiegene Leben“, das 2021 in der Edition Raetia auf Deutsch erschienen ist? Darin werden 5 Menschen aus Südtirol von 1800 bis heute porträtiert. Man kann sich aus unterschiedlichen Epochen ein Bild Südtirols von damals bis in unsere Zeit machen.