"Wir haben 240 Highlights"
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Jetzt S+ abonnierenZwei Jahrzehnte voller Leidenschaft, Lachen, Poesie und einem unglaublichen Kulturmix. Was vor 20 Jahren als visionärer Versuch begann, hat sich zu einer festen Größe im Südtiroler Kulturkalender entwickelt. Zum großen Jubiläum verwandelt sich Meran einmal mehr in eine pulsierende Bühne, auf der internationale Straßenkunst den Alltag in den Hintergrund drängt.
Es ist ein besonderes Jahr für das Team rund um den Kunstverein Kallmünz. „Asfaltart“ feiert sein 20-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das weit über die bloße Zahl hinausgeht. Seit zwei Jahrzehnten bringen Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt Musik, Akrobatik, Clownerie und visuelle Kunst mitten in die Straßen und Plätze der Kurstadt. Es ist ein Fest, das Grenzen überwindet: zwischen den Generationen, zwischen Kulturen und zwischen den Sprachen.
Begonnen hat alles mit einem Funken, der bei einem Kinderstadtfest übersprang. Joachim Elmenreich, Vizepräsident des Festivals, erinnert sich an die Anfänge „Wir haben damals Künstler eingeladen, um Aufführungen zu machen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich einfach dachte: Eigentlich möchte ich ein Straßenkünstlerfestival machen, wie man sie kennt.“
Er suchte den Kontakt zu Meinhard Khuen, dem Präsidenten des Kunstvereins Kallmünz. „Wir haben den Verein damals sozusagen wieder aktiviert und noch fünf andere Mitstreiter gefunden. Wir haben ein nach Geld gesucht und uns gefragt: Probieren wir es mal“, blickt Elmenreich zurück. Rückendeckung gab es damals von der Meraner Gemeindeverwaltung. Heidi Siebenförcher als Wirtschaftsassessorin und der damalige Bürgermeister Günther Januth waren von der Idee sofort begeistert. „Das hat uns natürlich geholfen, Sponsoren zu finden. Dass die Gemeinde uns so unterstützt hat, war für den Erfolg extrem wichtig“, so Elmenreich.
„Asfaltart“ als Konstante
Heute hat das Festival eine Größe erreicht, die sich organisch in das Stadtbild einfügt. Mit über 240 Shows und mehr als 30 Artistik-Gruppen, die dieses Jahr die Stadt auf den Kopf stellen, hat das Festival seinen Platz gefunden. Meinhard Khuen betont, dass es nicht immer um ein „Höher, Schneller, Weiter“ gehen muss „Die Größe, die wir jetzt erreicht haben, passt. Wir sind klein gestartet und sind jetzt eigentlich an dem Niveau, wo wir sagen können: Das ist jetzt Asfaltart, wie es auch in Zukunft weiter sein kann. Wir müssen nicht immer nur an mehr denken.“ Dass das Festival heute so reibungslos funktioniert, liegt an einer klaren Struktur. „Das Team ist auf zwölf Personen angewachsen, weil die Bereiche immer komplexer werden“, erklärt Khuen. „Der große Vorteil unseres Vereins ist, dass jede Abteilung – von der Technik über die Freiwilligen und die Gastronomie bis zur Öffentlichkeitsarbeit – eigenverantwortlich und selbstständig agieren kann.“
„Wir wollen alles bieten: Musik, Akrobatik, Jonglage, Clownerie und Marionetten.“
Das künstlerische Herzstück bilden die Shows, die längst international beachtet werden. Über 500 bis 600 Anfragen erreichen die künstlerische Leitung jährlich. „Die Künstler reisen durch die ganze Welt“, erklärt Elmenreich. „Wenn jemand aus Australien kommt, macht er nicht nur Meran, sondern eine ganze Tournee. Deswegen fängt die Planung schon im Herbst des Vorjahres an.“ Dabei gehe es den Verantwortlichen um ein Gleichgewicht „Wir wollen alles bieten: Musik, Akrobatik, Jonglage, Clownerie und Marionetten.“ Zu den Highlights zählt in diesem Jahr die Inszenierung auf dem Thermenplatz am Samstagabend. „Das ist ein Highlight, aber eigentlich haben wir 240 davon“, schmunzelt Elmenreich. Besonders hervorzuheben sei zudem das „Fokus Catalunya“, eine Kooperation mit dem Institut Ramon Lull, das den kulturellen Austausch auf eine neue Ebene hebt.
„Asfaltart“ ist seit einigen Jahren ein zertifiziertes „Green Event“ und setzt bei der Kulinarik auf das Motto „Less is more – more is bio“. Doch die wohl wichtigste Maxime des Festivals bleibt die soziale Komponente. Khuen ist es wichtig zu betonen „Wir wollen es für alle zugänglich machen. Es soll weder an finanziellen Mitteln, noch an der Sprache scheitern. Es ist wurscht, woher du kommst – du kannst teilnehmen. Das war immer unsere Maxime.“ Dass dies gelingt, liegt auch an der Unterstützung durch die lokale Wirtschaft, von den Hotelpartnern bis hin zur Freiwilligenarbeit. „Über 150 Freiwillige helfen mit. Dass viele dieser Leute jedes Jahr wieder dabei sein wollen, zeigt, wie sehr das Festival ein Teil der Stadt geworden ist“, so Khuen.
Asfaltart Festival 2026
Zeitraum: 12. bis 14. Juni 2026
Auftakt: Pre-Festival am 11. Juni in Schenna
Abschluss: After-Festival am 15. Juni in Dorf Tirol
Zugang: Alle Aufführungen sind kostenlos, niederschwellig und barrierefrei, damit jede und jeder am Festival teilhaben kann.
Infos und Details zum Programm finden Sie auf der offiziellen Webseite des Festivals. www.asfaltart.it
Der Blick in die Zukunft
Nach 20 Jahren stellt sich für die beiden Gründer auch die Frage nach dem „Danach“. Eine „ordentliche Hofübergabe“ ist das erklärte Ziel. „Wir überlegen langsam, das in jüngere Hände zu geben“, sagt Elmenreich. „Wir wollen da keine Zeit nennen, wir werden es begleiten, solange es gewünscht ist, aber wir möchten, dass das Festival auch die 30, 40 und 50 feiert – natürlich ohne uns.“
Wir haben das 20 Jahre lang maßgeblich geprägt, aber jetzt ist es an der Zeit, dass auch andere Menschen das weiterführen können.
Es geht den Gründern nicht um Eitelkeit, sondern um den Fortbestand einer Idee. „Uns ist wichtig, dass es weiterhin besteht“, ergänzt Khuen. „Es kann auch ohne uns weitergehen. Wir haben das 20 Jahre lang maßgeblich geprägt, aber jetzt ist es an der Zeit, dass auch andere Menschen das weiterführen können.“ Zum 20-jährigen Jubiläum wird Meran also nicht nur Straßenkunst sehen, sondern auch den Geist eines Projekts spüren, das es geschafft hat, Kunst, soziale Verantwortung und ein Stück Stadtgeschichte zu einer unvergesslichen Einheit zu verschmelzen. Ob als „Pre-Festival“ in Schenna oder beim großen Ausklang in Dorf Tirol – Meran ist bereit für drei Tage voller Staunen.