„Für Bildung kämpfen, das bleibt“
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Jetzt S+ abonnierenAm Montag blickte der italienische Bildungslandesrat Marco Galateo bereits auf das Schuljahr zurück. Gestern waren die deutsch- und ladinischsprachigen Landesräte Philipp Achammer und Daniel Alfreider mit den dazugehörigen Schulamtsdirektionen - Sigrun Falkensteiner für die deutsche und Schulamtsdirektor Heinrich Videsott für die ladinische Schule - dran.
Der italienische Bildungslandesrat Galateo von Fratelli d’Italia hatte bei seinem Auftritt vor allem über Integration gesprochen und den Medien vorgeworfen, das Thema im April schon zu groß gemacht zu haben. Bei der deutsch- und ladinischsprachigen Schule ging es dagegen gestern vorwiegend um das Bildungsomnibusgesetz, das noch in dieser Woche im Landtag behandelt werden soll.
Darüber hinaus wurden der Bildungsdialog, das Fortbildungsangebot für Lehrpersonal und die Entwicklung der Mehrsprachigkeit an ladinischen Schulen als Erfolg gefeiert.
Andrea Perger, Mitinitiatorin der Protestinitiativgruppe Qualitätsmarke Bildung Südtirol, zog in Hinblick auf das Schuljahr ein etwas anderes Fazit. Für die Lehrerin und Gewerkschafterin sind die entscheidenden Punkte des zu Ende gehenden Schuljahres „der Zusammenhalt der Lehrpersonen, und die Tatsache, dass über Bildung endlich gesellschaftlich diskutiert wurde“. Ob die Protestmaßnahmen im nächsten Schuljahr andauern werden, sei - so Perger - gar nicht so einfach zu beantworten.
Ein etwas anderes Fazit
Bildungslandesrat Philipp Achammer hatte in der Pressekonferenz zunächst das Bildungsomnibusgesetz in den Mittelpunkt gestellt. Unter anderem sieht dieses vor, den Schulen die Möglichkeit zu geben, selbst die Bewertungsphasen festzulegen. Eine Richtlinie, die in letzter Zeit mediales Aufsehen erregte und öffentliche Diskussion hervorrief. Denn sie gibt Schulen die Möglichkeit, das Schuljahr als einen einzigen Bewertungsabschnitt mit einem einzigen Zeugnis zu organisieren – also nicht mehr in zwei Semestern, mit zwei Zeugnissen.
Den Vorwurf, dadurch werde die Leistungsbereitschaft gesenkt, wies Achammer als „stumpfsinniges Argument“ zurück. Ziel sei es, Lernphasen besser zu gestalten und den Druck zu reduzieren, der vor allem zwischen den Semestern entstehe.
Ein Punkt, dem Andrea Perger durchaus zustimmt. Die Möglichkeit, nur einen Bewertungsabschnitt vorzusehen, sieht sie positiv. „Es geht nicht darum, weniger Rückmeldungen zu geben, sondern das Schuljahr pädagogisch zu entzerren und Bürokratiezwänge zu reduzieren. Ein Halbzeitbericht oder pädagogische Rückmeldungen während des Schuljahres können ja weiterhin gemacht werden“, so Perger.
Auch modularer Unterricht und individualisierte Lernwege sollen gestärkt werden. Gerade in der Oberschule entspreche die Jahrgangsstufe nicht immer dem tatsächlichen Lernrhythmus junger Menschen. Deshalb soll es beispielsweise im Triennium möglich werden, Module schneller abzuschließen oder aus einem erweiterten Wahlbereich Fächer wählen zu können. „Hier ist ein Erfolg auf staatlicher Ebene jedoch schwierig“, räumt Achammer ein, aber im Gesetz sei die Planung eines individualisierten Klassenrats enthalten, der über die Lernrhythmen der Schülerinnen und Schüler befindet und Versetzungen beschleunigen kann.
41 Prozent der befragten Lehrpersonen wünschen sich mehr Personal und Ressourcen, 26 Prozent Bürokratieabbau.
Ein Ansatz, den Perger kritisch betrachtet: „Gerade in der Oberschule haben wir die Zentralmatura. Italien rückt davon nicht ab. Individualisierte Lernwege klingen zwar pädagogisch interessant, bringen aber zusätzliche Komplexität in ein System, das bereits stark belastet ist. Mit welchen Ressourcen ist das verbunden? Wer soll das tragen?“ Auch wenn Ansätze oft vielversprechend klingen, setzen sie voraus, betont Perger, dass an den Schulen genügend Zeit, Personal und Unterstützung für deren Umsetzung vorhanden seien.
Dass genau bei den Ressourcen der Schuh drückt, zeigt der von Achammer vorgestellte Bildungsdialog. Mehr als 1.300 Rückmeldungen gingen bei einer Umfrage unter Lehrpersonen ein. 41 Prozent nennen Personal und Ressourcen als wichtigsten Faktor für guten Unterricht. 26,2 Prozent sehen im Bürokratieabbau eine vordringliche Aufgabe. Hinzu kommen Sprachförderung, Integration, Teamunterricht, weniger Sitzungen und Digitalisierung.
Andrea Perger sieht diese Punkte als Hauptschwächen der Schulen in Südtirol. Vor allem beim Punkt Integration reiche das Personal nicht.
Integration überfordert im Schulalltag
Landesrat Achammer erklärt, dass eine Überarbeitung der Ressourcen für Lehrpersonal im Integrationsbereich geplant sei. Zudem führt er aus: „Bereits jetzt haben die Bildungsdirektionen aber immer ein Notkontingent, um kurzfristig auf neue Situationen vor oder während des Schuljahres reagieren zu können.“ Schulamtsleiterin Sigrun Falkensteiner vereist darauf: „Gute Begleitung bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind in jeder Stunde von jemandem begleitet werde. Ziel ist auch, Kinder und Jugendliche möglichst zur Selbstständigkeit zu befähigen.“
Perger sieht das anders: „Wenn eine Lehrperson allein vor der Klasse steht, kann sie nicht gleichzeitig ein Kind mit Reizüberflutung begleiten und die restliche Klasse beaufsichtigen. Auch kann eine Schülerin mit Panikattacken beispielsweise nicht einfach alleine auf die Toilette geschickt werden.“
„Viele Lehrpersonen arbeiteten deshalb Teilzeit, weil sie eine Vollzeitstelle psychisch nicht mehr schaffen.“
Teamunterricht ist für Perger hier zielführend. Vor allem in Mittel- und Oberschulen stehe die Lehrperson häufig allein vor der Klasse. Multiprofessionelle Teams an Schulen wären ein fruchtbarer Ansatz. „Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, sozialpädagogisches Personal oder psychologische Fachkräfte könnten Klassendynamiken beobachten, Krisen auffangen, Kinder in Auszeiten begleiten und Lehrpersonen entlasten“, betont Perger. Gerade.
Perger attestiert dass der Ressourcenmangel mittlerweile dramatische Auswirkungen habe. „Viele Lehrpersonen arbeiteten deshalb Teilzeit, weil sie eine Vollzeitstelle psychisch nicht mehr schaffen. Unterricht bedeutet permanente Konzentration, Gleichzeitigkeit und emotionale Stabilität. Angesichts der exponentiell ansteigenden Diagnosen braucht es hier Hilfe“, betont sie.
Gehen die Proteste im nächsten Jahr weiter?
Was die Protestmaßnahmen der Lehrpersonen betrifft, blickt Andrea Perger mit einer gewissen Vorsicht in die Zukunft.: „Ich glaube die Lehrer haben das Bedürfnis, dass wieder Ruhe einkehrt. An vielen Schulen wird sicher einiges wieder stattfinden. Aber das wird sich von Schule zu Schule unterscheiden. Autonom und basisdemokratisch werden die einzelnen Schulen selbst entscheiden, welche Aktivitäten sie wieder aufnehmen – und welche nicht. Viele Lehrpersonen haben die Ruhe der vergangenen Monate auch als Entlastung erlebt. Wir ermutigen Kolleginnen und Kollegen, sich darauf zu besinnen und zu überlegen: Was ist wirklich gut für den Bildungserfolg“.
Die Masse an Vorträgen und externen Aktivitäten sei im Vorfeld des Protests zu viel geworden. „Viele werden sich in Zukunft auf das Wesentliche konzentrieren, jetzt, wo wir wissen, dass diese Aktivitäten keine Selbstverständlichkeit sein müssen“, erklärt Perger.
„Wir müssen wieder lernen, was es heißt, sich für eine Sache einzusetzen.“
Der Protest sei nie als reine Blockade gedacht gewesen. „Uns ist Bildung wichtig. Für die Bildung kämpfen wir, und das bleibt“, sagt Perger. Gerade deshalb müsse man auch künftig hinschauen, in welche Richtung Maßnahmen, wie das Bildungsomnibus-Gesetz, gehen – und sich wieder melden, wenn dieser Weg wieder in die falsche Richtung führt.
In ihrer Bilanz zieht sie eine wichtige Lektion aus der Protestinitiative: „Eine Demokratie verlangt aktives Bürgertum, und das bedeutet mehr, als wählen zu gehen oder Medien zu konsumieren. Es bedeutet auch, sich einzubringen, selbst dann, wenn nicht sicher ist, ob am Ende etwas herauskommt. Das hat die Lehrerinitiative vorgemacht. Wie können wir demokratische Prinzipien lehren, wenn wir sie nicht selbst leben? Wir müssen wieder lernen, was es heißt, sich für eine Sache einzusetzen“, so Perger
Schule muss bewusst gestaltet werden – von Lehrpersonen, aber auch von den Schülerinnen und Schülern selbst. Diese seien im Bildungsdialog bisher zu wenig vorgekommen. „Gerade die Jugendlichen sind die Expertinnen und Experten für Unterricht, weil sie ihn jeden Tag erleben. Die sollten schon selbst mitreden können. Beim Bildungsdialog scheinen mir die jungen Leute viel zu weit draußen zu sein“, hebt Andrea Perger hervor. Wenn Schule als gemeinsames System weiterentwickelt werden soll, müssten auch Jugendliche stärker mitreden können.
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Die von der S V P erfundene sehr hohe Kosten verursachende DREIFALTIGKEIT der Schul-Ämter, ist dringend zu verräumen + mit den positiv eigestellten Mitarbeitern, ein gut fuktionierendes Amt für alle Sprachen (... auch der Migranten) zu ersetzen !