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Jetzt S+ abonnierenJuli ist Disability Pride Month. Auch in Südtirol stellt sich damit die Frage: Wie inklusiv ist unser Land wirklich? In der neuen Ausgabe der „Streitergasse“ sprechen Max Silbernagl, Autor, Musiker und Mitarbeiter im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beim Projekt selAvì und Stefan Hofer, früherer Präsident und heutiges Ausschussmitglied des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit sowie Gründer des Freienfelder Instituts, über persönliche Assistenz, die Rolle der Familien und die Frage, warum echte Teilhabe im Alltag oft noch an „Barrieren in den Köpfen“ scheitert.
Stefan Hofer sieht Südtirol auf zwei Ebenen gefordert: bei den sichtbaren, architektonischen Barrieren und bei jenen, die in den Köpfen der Menschen bestehen. Bei architektonischen Hürden sei man, auch wenn es noch große Mängel etwa im Bereich Mobilität gibt, trotzdem in den vergangenen Jahren beträchtlich weitergekommen, sagt Hofer. Schwieriger sei die mentale Ebene: „In den Köpfen der Menschen sieht es sehr unterschiedlich aus. Es polarisiert zwischen komplett offen und komplett verschlossen.“ Aber wie sieht eine gelingende Inklusion aus?
Die alten Familienmodelle, in denen Angehörige selbstverständlich ein Leben lang Betreuung übernehmen, funktionierten heute immer weniger. Gleichzeitig warnt Hofer davor, Selbstbestimmung als Einheitsmodell zu verstehen. Für manche Menschen könne auch ein Wohnheim der richtige Ort sein, wenn es der eigenen Lebensvorstellung entspreche. Entscheidend sei die Wahlmöglichkeit. Deshalb brauche es neue Modelle, die individueller auf Bedürfnisse reagieren.
Max Silbernagl macht im Gespräch deutlich, dass persönliche Assistenz vor allem eines bedeutet: Kontrolle über den eigenen Alltag. Nicht der Dienst, nicht die Struktur und nicht ein vorgegebener Tagesablauf sollen bestimmen, wann, wie und wobei Unterstützung gebraucht wird, sondern die betroffene Person selbst, sofern sie das wünscht. „Es geht um das Prinzip: Nichts über uns, ohne uns“, erklärt Silbernagl.
Es gehe bei der Etablierung Persönlicher Assistenz hier in Südtirol nicht um die Abwertung bestehender Betreuungsformen, sondern um eine Erweiterung der Wahlmöglichkeiten. Selbstbestimmung beginnt für Silbernagl bei der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und auch die Verantwortung dafür zu übernehmen, ohne dafür bitten oder sich dafür schuldig fühlen zu müssen. Zugleich verweist er auf praktische Baustellen: Persönliche Assistenz müsse in Südtirol einfacher zugänglich werden, es brauche weniger Bürokratie, einen Pool an Assistentinnen und Assistenten und langfristig vielleicht sogar ein eigenes Berufsbild.
Die aktuelle Debatte
Wer entscheidet, wann Unterstützung gebraucht wird? Wer bestimmt, ob noch ein Bier drin ist? Und wer zündet im Zweifel einfach die Zigarette an, statt vorher eine Moralpredigt zu halten? In der „Streitergasse“ geht es diesmal um ein Südtirol, das Menschen mit Behinderungen nicht nur gut betreuen, sondern endlich wirklich entscheiden lassen muss. Denn Inklusion beginnt nicht bei der nächsten Sonntagsrede, sondern dort, wo Menschen nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen, um ihr eigenes Leben zu leben. Das ist ein Grundrecht, das über den Disability Pride Month hinausreicht
Es diskutieren in der Streitergasse:
Stefan Hofer, Gründer des Freienfelder Instituts sowie ehemaliger Präsident und heutiges Ausschussmitglied des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit.
Max Silbernagl, Autor, Musiker und Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit beim Projekt selAvì für selbstbestimmtes Leben durch persönliche Assistenz.
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Gesamte Serie - la serie completa:
In der Streitergasse - Die aktuelle Debatte auf SALTO
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